TIME ehrt #MeToo-Bewegung: Wer genau sind die „Silence Breakers“?

Auf dem Cover: Schauspielerin Ashley Judd und Sängerin Taylor Swift. (Bild: AP Photo)

Sie werden ausgezeichnet, weil sie ihr Schweigen gebrochen haben. Das TIME-Magazin kürt dieses Jahr gleich mehrere Frauen und Männer, die mit ihren Enthüllungen über sexuelle Übergriffe die #MeToo-Bewegung ins Rollen gebracht haben, zur „Person of the Year“ (deutsch: Person des Jahres).

Das Magazin nennt Menschen, die in den letzten Monaten dazu beigetragen haben, dass nicht länger automatisch der Mantel des Schweigens über sexuelle Übergriffe gelegt wird „Silence Breakers“. Jahrzehntelang wurden verurteilungswürdige Taten unter den Teppich gekehrt. Doch seit dem Skandal um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein, der von der „New York Times“ aufgedeckt wurde, durchbrechen immer mehr Menschen die Stille.

Zahlreichen Opfern sexueller Nötigung hat das TIME-Magazin nun den Titel „Person of the Year“ verliehen. Darunter finden sich prominente Frauen wie die Sängerin Taylor Swift, die Schauspielerin Ashley Judd sowie die Journalistin Megyn Kelly. Aber auch etliche Männer werden für ihren Mut, sich als Opfer sexuellen Missbrauchs erkennen zu geben, ausgezeichnet – unter anderem die Schauspieler James Van der Beek, Terry Crews und Anthony Rapp sowie der Regisseur Blaise Godbe Lipman. Unter den Gekürten finden sich diverse Menschen, die mitgeholfen haben, die #Metoo-Bewegung zu verbreiten, darunter beispielsweise Schauspielerin Alyssa Milano. Der “Charmed”-Star war hatte den Begriff von der Aktivistin Tarana Burke übernommen und im Oktober via Twitter dazu aufgerufen, sich mithilfe des nun so berühmten Hashtags als Opfer sexueller Übergriffe zu erkennen zu geben. Am Morgen nach ihrem Tweet hatten mehr als 30.000 Menschen den Hashtag verwendet.

„Die mitreißenden Handlungen der Frauen auf unserer Titelseite gemeinsam mit Hunderten anderen sowie vielen Männern haben eine der schnellsten Veränderungen in unserer Kultur seit den 1960er Jahren freigesetzt“, begründete TIME-Chefredakteur Edward Felsenthal die Entscheidung.

Auf dem Cover der aktuellen Ausgabe sind neben Taylor Swift und Ashley Judd auch die Software-Entwicklerin Susan Fowler, die hochrangige Lobbyistin Adama Iwu sowie eine mexikanische Erdbeerpflückerin, die unter dem Pseudonym Isabel Pascual im Magazin erwähnt wird, zu sehen. Sie alle haben dieses Jahr über ihre Erlebnisse mit sexueller Nötigung gesprochen.

Das Cover des aktuellen TIME-Magazins: „Silence Breakers“ als „Person of the Year“. (Bild: AP Photo)

Ashley Judd war eine der ersten Frauen, die Hollywood-Mogul Harvey Weinstein öffentlich der sexuellen Belästigung beschuldigte. Der Produzent habe sie in sein Hotelzimmer gelockt, sie gedrängt, sich von ihm massieren zu lassen und eine Massage für sich selbst eingefordert. Sie sollte ihm außerdem beim Duschen zusehen. Nach Ashley Judd haben noch rund 60 weitere Frauen den Mut gefunden, sich gegen Weinstein auszusprechen.

Taylor Swift setzte sich vor Gericht gegen den Radio-Moderator David Mueller durch, der sie 2013 bei einem Fotoshooting begrapscht haben soll. Sie forderte einen symbolischen Dollar Schmerzensgeld. Nach ihrem Sieg im Prozess äußerte Swift die Hoffnung, mit ihrer Klage Opfern in ähnlichen Situationen geholfen zu haben.

Susan Fowler veröffentlichte auf ihrer Homepage einen Essay, in dem sie von Sex-Angeboten ihres Chefs, Uber-Gründer Travis Kalanick, berichtete. Durch ihre Anschuldigungen entstand öffentlicher Druck auf das Unternehmen, das den Ruf hat, weibliche Angestellte zu diskriminieren. Fowler steht ähnlich wie Adama Iwu stellverstretend für alle Frauen, die im Berufsalltag von männlichen Kollegen oder Vorgesetzten bedrängt oder respektlos behandelt werden.

Adama Iwu ist Lobbyistin und hat eine Führungsposition im öffentlichen Dienst in Kalifornien inne. Sie brachte 147 Mitarbeiterinnen dazu, über sexuellen Missbrauch im Staatsdienst zu berichten.

Über Isabel Pascual heißt es in dem TIME-Artikel, dass sie aus Mexiko stammt, als Feldarbeiterin arbeitet und von einem Mann gestalkt wurde. Sie lief im November bei einer Demo mit, bei der sich gewöhnliche Leute mit den missbrauchten Hollywood-Frauen solidarisierten.

Auf dem Cover ist rechts unten zudem noch ein Arm zu sehen. Eine Krankenhausmitarbeiterin aus Texas wollte sich nicht zu erkennen geben, aus Angst ihren Job zu verlieren. Auch sie sei laut TIME Opfer sexueller Belästigung geworden.

Inzwischen mussten dutzende Männer ihre Posten räumen beziehungsweise ihre Projekte einstellen, nachdem ihre Übergriffe infolge der #MeToo-Kampagne publik gemacht wurden – darunter NBC-Moderator Matt Lauer, CBS-Moderator Charlie Rose, der britische Verteidigungsminister Michael Fallon, Schauspieler Kevin Spacey, der Comedian Louis C.K. sowie Produzent Harvey Weinstein.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Kollektiv zur „Person des Jahres“ gekürt wurde. 2014 wurden etwa die Ärzte und Helfer ausgezeichnet, die gegen die Verbreitung des Ebola-Virus angekämpft hatten, im Jahr 2011 wurden die Demonstranten in der islamischen Welt, die den „Arabischen Frühling“ auslösten, geehrt. Nun sind es jene Menschen, die mit dem Hashtag #MeToo Frauen und Männern in aller Welt die Möglichkeit gegeben haben, offen über sexuelle Gewalt zu sprechen.