Tiger statt Hund als Haustier: Hat Amerika ein Raubtier-Problem?

Tierschützer sind entsetzt: In den USA werden Tiger als Haustiere gehalten. (Bild: Getty Images)

Während es in der freien Wildnis weltweit nur noch circa 4.000 Tiger gibt, werden in den USA über 7.000 Tiger gehalten – aber nicht nur in Zoos, sondern auch in privaten Haushalten.

Besonders im US-Bundesstaat Texas werden viele Tiger als Haustiere gehalten und sind dabei nicht mal registriert. Die exotischen Haustiere fallen oftmals nicht unter das Gesetz für gefährdete Arten von 1973, weil dieses nur für in der Wildnis gefangene Tiere gilt, aber viele der Tiger von lokalen Züchtern stammen. „Die überwiegende Mehrheit der Tiger in den USA stammt aus der verantwortungslosen Zucht in Gefangenschaft, die die Streichelindustrie mit Jungtieren versorgt“, erklärt Ben Callison, ehemaliger Direktor eines Tierschutzzentrums, der „BBC“.

Viele Amerikaner seien auf der Suche nach etwas Einzigartigem, etwas Exotischem – dabei seien neben den Tigern auch Bären, Löwen, Pumas und Reptilien sehr beliebt. Viele Tiere würden dafür auch ins Land geschmuggelt werden.

Laut „BBC“-Recherche sei es in den USA einfacher, einen Tiger zu besitzen als einen Hund, der in Texas als gefährlich eingestuft wird. „Texas ist ein konservativer Staat und schätzt persönliche Freiheiten und das Recht, zu halten, was man will“, erklärte Pamela Boich von der Tierschutzorganisation „Texas Humane Legislation Network“ im „BBC“-Gespräch. Persönliche Freiheit sei sinnvoll, sagte sie, „aber wenn es um den Tierschutz geht, ist das falsch. Man kann einen Tiger online kaufen, das ist einfach verrückt.“

Den Aktivisten schlägt heftiger Gegenwind entgegen. „Ein Mann kam auf mich zu und nannte mich einen Kommunisten”, berichtete Calison von einer Konferenz des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, auf der er das Problem der Haltung von exotischen Haustieren angesprochen hatte. Gegner warfen den Tierschützern dort vor, man versuche, ihnen ihr Recht zu nehmen, selbst zu entscheiden, welche Haustiere sie halten wollten.

Manche Touristen sind bereit, viel Geld dafür zu zahlen, sich mit Tigerbabys fotografieren zu lassen. (Bild: Getty Images)

In Texas gibt es bereits seit 2001 ein Gesetz, das besagt, dass exotische Haustiere registriert werden müssen, aber die 254 verschiedenen Bezirke im Bundesstaat kümmern sich individuell um die Umsetzung des Gesetzes, was es erschwert, nicht registrierte Tiger überhaupt ausfindig zu machen. Gerade der Bundesstaat Texas ist eine gute Anlaufstelle für den Tigerhandel mit Mexiko. Während früher vor allem Vögel und Reptilien aus Mexiko geschmuggelt wurden, werden heute auch in den USA gezüchtete Tiger und andere Großkatzen nach Mexiko gebracht.

Eines der Hauptprobleme im Land sind kleine Wanderzoos, die Tiger halten und sie nicht registrieren. Tiger in Gefangenschaft werden durch falsche Ernährung und Nährstoffmangel allerdings oft krank. Zusätzlich werden den wilden Tieren oft die Klauen amputiert. Weil ihnen in der Gefangenschaft der Raum zum Laufen fehlt, bilden sich häufig auch ihre Muskeln zurück. „In der Wildnis kann das Revier eines Tigers bis zu 50 Quadratkilometer oder mehr betragen“, so Ben Callison gegenüber der „BBC“. „Wenn sie ihr ganzes Leben in einem Raum verbringen, der nur der Größe eines Schlafzimmers entspricht, ist der physische und psychische Schaden groß“, erklärte der Tierschützer weiter.

Von den Tierschutzaspekten abgesehen, kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen, wenn gefangene Tiger ausbrechen oder ihre Herrchen attackieren.

US-amerikanische Tierschützer setzen sich für ein Verbot der Zucht und gegen den Besitz von gefährlichen Tieren ein. Das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Regierung sei dabei aber ein großes Problem. Selbst wenn solche Gesetze verabschiedet würden und man illegal gehaltene Tiger einfangen würde, wüsste man gar nicht, wo die Tiere untergebracht werden sollten – Zoos und Tierschutzzentren in den USA sagen, sie seien jetzt schon überfüllt. Viel wichtiger sei es laut Tierschutzorganisationen, die Einstellungen der Leute zu verändern und ihnen zu zeigen, dass auch ein in Gefangenschaft aufgezogenes Raubtier gefährlich ist.