Tierschützer kritisieren Klon-Experimente mit Affen

Die Javaneraffen Zhong Zhong und Hua Hua haben exakt das gleiche Erbgut. (Bild: China Daily via Reuters)

In China wurden vor wenigen Wochen die ersten geklonten Primaten zur Welt gebracht. Doch der wissenschaftliche Durchbruch stößt einmal mehr eine Debatte um ethische Standards an.

Es ist eine wissenschaftliche Sensation: Zum ersten Mal ist es Wissenschaftlern in China gelungen, Primaten zu klonen. Die beiden wenige Wochen alten Javaneraffen namens Zhong Zhong und Hua Hua wurden durch die sogenannte „somatische Zellkernübertragung“ erschaffen und von einem Ammentier, praktisch einer Leihmutter, ausgetragen. Mit der gleichen Prozedur wurde vor etwa 20 Jahren das Schaf Dolly als erstes Säugetier überhaupt geklont.

Was von den ausführenden Forschern der Chinesischen Akademie der Wissenschaften als Durchbruch gefeiert wird, sorgt jedoch auch für massive Kritik von Tierschützern, Ethikern und Biologen, die nicht nur die Verursachung unnötigen Tierleids bemängeln, sondern in der Prozedur auch einen drastischen Eingriff in die Natur erkennen – der auch auf Menschen angewandt werden könnte.

In einer Pressekonferenz stellte das Forschungsteam der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai seine Versuchsergebnisse vor. (Bild: Reuters)

„Das Klonen ist eine Horror-Show, eine Verschwendung von Leben, Zeit und Geld – und das Leid, das solche Experimente verursachen, ist unvorstellbar“, verurteilte Julia Baines von der Tierrechtsorganisation PETA die Meldung gegenüber „Daily Express“ scharf. „Da das Klonen eine Fehlerrate von wenigstens 90 Prozent hat, repräsentieren diese beiden Affen Leid und Tod auf einer riesigen Skala. Dieses Experiment, und alle anderen Experimente an Tieren, sollten sofort beendet werden.“

Nach Dolly wurden in den vergangenen Jahren über 20 weitere Tierarten durch die somatische Zellkernübertragung geklont, darunter Pferde, Hunde und Hasen. Dabei wird das DNA-Material eines Tiers in eine ausgehöhlte Eizelle eingesetzt, die dann einem Ammentier eingepflanzt wird. Es gibt jedoch keine Erfolgsgarantie: Nur selten kommen überhaupt Schwangerschaften zustande und anschließend ist ungewiss, ob der Klon gesund auf die Welt kommt. Im aktuellen Fall überlebten nur zwei von ursprünglich 109 Affenembryos.

Die Affen kamen gesund auf die Welt, ihre weitere Entwicklung ist jedoch ungewiss. (Bild: China Daily via Reuters)

„Die Klontiere sterben oft kurz vor oder nach der Geburt, sodass sie Schmerzen empfinden und schwer leiden“, sagte Lea Schmitz, die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Da die Affen, genau wie Menschen, zur hochentwickelten Ordnung der Primaten gehören, reagieren sie außerdem besonders empfindlich auf Experimente und Laborhaltung, wie Schmitz erklärte: „Sie leiden mehr als andere Tiere unter einer derartigen Versuchsdurchführung.“

Auch Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, hat seine Bedenken bei dem aktuellen Experiment: Er finde es „problematisch, dass mit so hochentwickelten Tieren Versuche durchgeführt werden“, die nach aktuellem wissenschaftlichen Stand „doch noch sehr ineffizient sind und bei denen wir auch nicht wissen, wie das geklonte Tier sich dann weiterentwickelt“, berichtete er im Gespräch mit dem „Deutschlandfunk“. Es sei nicht auszuschließen, dass die Tiere später an Stoffwechsel- oder Herzkreislauferkrankungen leiden könnten.

Wie die Forscher in Shanghai betonen, hielten sie bei allen Experimenten die Richtlinien für Tierversuche des US National Institute of Health ein. Kritiker fordern jedoch weltweite Regelungen, die festlegen, welche Eingriffe in das Erbgut erlaubt sind und Experimente an hochentwickelten Arten möglicherweise komplett verbieten.