Tiefsee-Anglerfische erstmals bei Paarung beobachtet

Viele Arten des Tiefsee-Anglerfisches sind bis heute kaum erforscht. (Bild: REX/Shutterstock)

Viele Tiefseelebewesen geben der Wissenschaft bis heute zahlreiche Rätsel auf. Umso bedeutender ist die seltene Entdeckung, die ein deutsches Forscherpaar vor Kurzem nahe den Azoren machte.

Dem Ehepaar Kirsten und Joachim Jakobsen ist eine meeresbiologische Sensation gelungen: Die Forscher der Rebikoff-Niggeler-Stiftung entdeckten nahe der Azoreninsel São Jorge in 800 Metern Tiefe einen lebenden, selbstleuchtenden Fächerflossen-Seeteufel. Die dabei entstandenen Filmaufnahmen sind die ersten ihrer Art.

Bisher kannte man lediglich wenige tote Exemplare der Spezies, die Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal gesichtet wurde. Die leuchtenden Flossenstrahlen des Fischs aus der Unterordnung der Tiefseeangler, die als sensorische Antennen funktionieren, sind jedoch nicht die einzige faszinierende Neuentdeckung: An dem gesichteten und gefilmten trächtigen Weibchen ist außerdem ein Männchen zur Fortpflanzung angewachsen.

Die Weibchen der extrem seltenen Tiefsee-Art können um ein Vielfaches größer werden als die Männchen, von denen zuvor noch nie ein Exemplar gesichtet wurde. Diese docken sich an die Weibchen an und verschmelzen mit ihnen. Während das Männchen das Weibchen befruchtet, wird es von ihm mit Blut und Nährstoffen versorgt. Kommt es jedoch in den Tiefen des Ozeans zu einem Nahrungsmangel, ist es auch möglich, dass das Weibchen das Männchen komplett verdaut.

Auf den Aufnahmen des Fächerflossen-Seeteufel-Paares ist zu erkennen, dass der Kopf des parasitären Zwergmännchens bereits absorbiert wurde. „Das Tier kann sich aber noch selbstständig bewegen“, erklärt die Direktorin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts, Antje Boetius. „Ich habe bereits Hunderte von Stunden mit Beobachtungen in der Tiefsee zugebracht, aber dies gehört zu den erstaunlichsten Videoaufnahmen überhaupt. Das Video zeigt beeindruckend die Andersartigkeit des Lebens in der Tiefsee, und wie wichtig es ist, diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, um ihr Verhalten und ihre Anpassung an die dortigen Bedingungen zu verstehen.“