Der tiefe Fall eines früheren Bundesliga-Stars

Robin Wigger
·Lesedauer: 3 Min.

Josip Drmic erlebte einst in Deutschland erfolgreiche Jahre.

Der Schweizer absolvierte insgesamt 134 Partien für Bayer Leverkusen, den 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach und den Hamburger SV, in denen er 31 Tore schoss.

Im Sommer 2019 wechselte Drmic nach seinem Vertragsende bei Gladbach zu Norwich City nach England. Dort ist er aber nach dem Abstieg in der Vorsaison endgültig auf dem Abstellgleis gelandet (Tabelle der Premier League).

Drmic alleine in der Kabine

Erst wurde der 29-Jährige zur zweiten Mannschaft abgeschoben, jetzt ist sogar bei der Reseve kein Platz mehr für den Stürmer.

"Einen wirklichen Grund hat mir weder Trainer Daniel Farke noch Sportdirektor Stuart Webber genannt. Mir wurde im Sommer lediglich mitgeteilt, dass ich nicht mehr mit der ersten Mannschaft spielen und trainieren darf, weil sie nicht mehr mit mir planen", erklärte Drmic seine Situation in der Sport Bild.

Der Kontakt zu den Profi-Kollegen sei ihm "untersagt" worden. "Ich musste mich sogar in einer separaten Kabine für die aussortierten Spieler umziehen. Dort saß ich oft ganz alleine", berichtete der Schweizer.

Drmic wurde "alles weggenommen"

Er suche zwar "nicht die Schuld bei anderen“, frage sich aber auch, was er falsch gemacht habe. "Ich war immer korrekt, pünktlich beim Training, professionell, habe Extraschichten geschoben", betonte Drmic, zudem habe er wichtige Tore geschossen.

"Wahrscheinlich lag es daran, dass wir mit Norwich abgestiegen sind und mir das mit angelastet wurde. Die einzige Erklärung, die ich für das Verhalten des Vereins finden konnte, ist: Sie wollen mich von der Lohnliste kriegen."

Im September wurde ihm dann noch verboten, für Norwichs U23 aufzulaufen, weil er keinem Talent den Platz wegnehmen solle (Ergebnisse und Spielplan der Premier League).

"Damit haben die Verantwortlichen mir alles weggenommen", sagte Drmic: "Nur noch trainieren zu können, war verdammt hart und irgendwann habe ich diese Situation nicht mehr ausgehalten."

Drmic flüchtet in die Schweiz

Der Angreifer weiter: "Ich war nur noch der Unerwünschte, wurde als Profi nicht mehr akzeptiert. Das fühlt sich so an, als wenn du in ein Restaurant gehst und wirst an der Tür wegen deiner Klamotten abgewiesen. Deshalb wollte ich einfach nur weg von allem."

Der Ausweg für ihn war die Heimat, in der er sich in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Personaltrainern und Ärzten fit hält.

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"Ich fühle mich wie ein Boxer, der sich auf einen großen Kampf vorbereitet", meinte Drmic. "Mein ganzer Fokus ist auf den Moment ausgerichtet, an dem ich bei einem neuen Klub wieder angreifen und mich zeigen kann."

Drmic träumt von Gladbach-Rückkehr

Eine Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach "wäre ein Traum. Die Borussia ist ein richtiger Familienverein, der ewig einen Platz in meinem Herzen haben wird".

Doch Drmic, der sich mit Malerei und Musik ablenkt und 2019 einen Song veröffentlichte, ist realistisch: "Egal, ob Deutschland, England, Italien - ich will einfach nur zurück auf den Rasen, will mich wieder mit anderen messen."

Drmic: Karriere noch nicht vorbei

Aufgeben – das passt nicht zu Drmic. Bereits nach seinem schweren Knorpelschaden 2017 hatte er sich zurück gekämpft: "Selbstzweifel lösche ich schnell aus. Meine Karriere ist noch nicht vorbei. In mir stecken noch viele Tore."

Drmic setzt sich zum Ziel, "schnell einen neuen Verein zu finden" - und will dann auch zurück in die Schweizer Nationalmannschaft. Alleine wäre er dann definitiv nicht mehr.