ThyssenKrupp und Tata wollen europäischen Stahlriesen schmieden

Thyssenkrupp und Tata Steel wollen Joint Venture bilden

Der deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp und der indische Stahlkonzern Tata Steel wollen gemeinsam den zweitgrößten Stahlproduzenten Europas schmieden und dabei tausende Arbeitsplätze abbauen. Beide Unternehmen unterzeichneten am Mittwoch eine Absichtserklärung über den Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlaktivitäten in einem Joint Venture. Die IG Metall lehnte die Pläne ab und rief zu einer Protestkundgebung am Freitag in Bochum auf.

Mit dem Zusammenschluss würde hinter ArcelorMittal der zweitgrößte europäische Stahlproduzent entstehen. Die Unternehmen erhoffen sich dadurch Einspareffekte in Höhe von 400 bis 600 Millionen Euro. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger bezeichnete die Pläne als "Vorwärtsstrategie", um eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" zu schaffen. Dass dadurch bis zu 2000 Stellen bei ThyssenKrupp wegfallen könnten, sei "keine schöne Zahl", sagte Hiesinger in Essen. Auf der anderen Seite allerdings seien dadurch "einige Zehntausende langfristig deutlich gesicherter".

Für die Stahlbranche seien insbesondere Überkapazitäten ein Problem, sagte Hiesinger. Aufgrund des hohen Kostendrucks und des kaum wachsenden Marktes in Europa folge notgedrungen "Kostensparprogramm auf Kostensparprogramm". Der geplante Zusammenschluss mit Tata Steel sei durch die erwarteten Synergieeffekte deshalb ein "Schritt hin zu einem starken Industriekonzern" und ein "Meilenstein".

Die Verhandlungen über den Zusammenschluss sollen bis Anfang 2018 abgeschlossen sein. Das neue Unternehmen soll unter dem Namen ThyssenKrupp Tata Steel mit Sitz in den Niederlanden rund 48.000 Mitarbeiter an 34 Standorten beschäftigen. ThyssenKrupp zufolge werden durch die Fusion voraussichtlich bis zu 2000 Stellen in der Verwaltung und möglicherweise bis zu 2000 in der Produktion abgebaut. Laut Hiesinger verteilen sich diese 4000 Stellen zu gleichen Teilen auf beide Unternehmen.

Zustimmen müssen den Plänen neben den Wettbewerbsbehörden noch die Aufsichtsgremien beider Konzerne. Gegenwind gibt es von Gewerkschaftsseite. "Wir lehnen diesen Zusammenschluss weiterhin ab", erklärte der Bezirksleiter der IG Metall in Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, am Mittwoch.

"Arbeitsplätze und Standorte müssen gesichert sein", teilte Giesler mit und forderte den Vorstand von ThyssenKrupp auf, "endlich Transparenz" herzustellen und "alle Fakten auf den Tisch" zu legen. Für Freitag rief die IG Metall zu einer Großkundgebung in Bochum auf. Erwartet werden nach Angaben der Gewerkschaft "mehrere Tausend" Teilnehmer.

Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) forderte das Unternehmern auf, die Arbeitnehmervertreter "umfassend" in die Beratungen über anstehende Verhandlungen einzubeziehen. "Die Standorte in Deutschland müssen erhalten, betriebsbedingte Kündigungen müssen ausgeschlossen werden", erklärte Nahles.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte, die Unternehmensentscheidung berge eine "große Tragweite für die Region, die Beschäftigten und den Stahlstandort Deutschland". Die Arbeitnehmerseite sei bislang "von dieser Entscheidung nicht überzeugt". Gegen die Arbeitnehmer sei jedoch "keine tragfähige Lösung denkbar".

Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht bezeichnete die geplante Fusion als "schlechte Nachricht für die Belegschaft". Bundes- und Landesregierung müssten "jetzt intervenieren" und eine Industriestiftung nach dem Vorbild der saarländischen Stahlstiftung auf den Weg bringen, um Arbeitsplätze und Standorte "langfristig zu sichern".

Auch der Oberbürgermeister von Duisburg, Sören Link (SPD), äußerte sich besorgt. Ohne Garantien für einen Erhalt der Arbeitsplätze und der Standorte sehe er "keine Einigungsmöglichkeit zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretung", erklärte Link in der Ruhrgebietsstadt, wo die Stahlgesellschaft des Essener Konzerns ihren Sitz hat.