Thyssenkrupp-Chef sieht Vorbereitung für Stahlfusion im Plan

dpa-AFX

ESSEN (dpa-AFX) - Der Chef des Industriekonzerns Thyssenkrupp , Heinrich Hiesinger, sieht die Vorbereitungen für die Fusion des europäischen Stahlgeschäfts mit der indischen Tata Steel im Plan. Derzeit würden gegenseitig die Bücher geprüft, sagte er am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Den Zeitplan bekräftigte der Manager. An dem Gemeinschaftsunternehmen wollen beide Partner 50 Prozent halten. Der endgültige Vertrag soll bis Anfang 2018 ausgearbeitet werden, die Transaktion möglichst bis Ende 2018 abgeschlossen werden.

Er bekräftigte noch einmal die Notwendigkeit des Zusammenschlusses. "Die strukturellen Probleme in der europäischen Stahlindustrie bestehen unverändert weiter", sagte er laut Redetext. Es gebe auch in Europa noch erhebliche Überkapazitäten beim Flachstahl. Man dürfe sich von dem aktuellen Marktumfeld nicht blenden lassen.

Thyssenkrupp und Tata erhoffen sich durch die Zusammenlegung ihrer Aktivitäten Synergien in Millionenhöhe - die erwarteten jährlichen Einsparungen bezifferte der Essener Konzern früheren Angaben zufolge auf 400 bis 600 Millionen Euro. Wie hoch die Restrukturierungskosten ausfallen, ist jedoch noch unklar. Thyssenkrupp hatte bislang angekündigt, dass in dem Zusammenhang 2000 der zuletzt 27 000 Stellen im Stahlgeschäft des Konzerns wegfallen.

Auch dies sei schmerzhaft, sagte Hiesinger. Er bekräftigte aber auch, dass durch den Zusammenschluss keine Maßnahmen angegangen würden, die Thyssenkrupp nicht auch im Alleingang hätte umsetzen müssen. Alle Alternativen zu dem Joint Venture würden sehr viel deutlichere Einschnitte bei den Arbeitsplätzen bedeuten.

Die Arbeitnehmerseite hat sich bisher vehement gegen die Fusion ausgesprochen, der Betriebsrat von Thyssenkrupp fürchtet einen weiteren Stellenabbau zu einem späteren Zeitpunkt. Die IG Metall drohte zuletzt mit einem "Nein" zu den Plänen, die noch vom Aufsichtsrat und vom Verwaltungsrat von Tata genehmigt werden müssen. In Andernach sind für den heutigen Tag Proteste geplant. Hiesinger erlärte, er sei zuversichtlich, mit den Arbeitnehmervertretern eine "gute Lösung" zu finden.