Konzern streicht bis zu 2.500 Jobs

Thyssen-Krupp will die Verwaltungskosten drastisch senken. Diese fallen mit rund 2,4 Milliarden Euro „deutlich zu hoch“ aus, wie die Essener mitteilen. Bis zu 2.500 Jobs sollen wegfallen, die Hälfte davon in Deutschland.


Der Industriekonzern Thyssen-Krupp will in den kommenden drei Jahren 2.000 bis 2.500 Stellen in der Verwaltung abbauen. Die Hälfte davon entfalle auf Deutschland, erklärte Thyssen-Krupp am Dienstag auf Anfrage. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019/20 will das Unternehmen bis zu 400 Millionen Euro in der Verwaltung einsparen.

Thyssen-Krupp beschäftigt dort derzeit 18.000 Menschen. Die aktuellen Verwaltungskosten bezifferte der Konzern auf 2,4 Milliarden Euro. Diese seien „deutlich zu hoch“. Der Aktienkurs stieg um 3,1 Prozent auf fast 27 Euro je Aktie – so hoch wie seit 2011 nicht mehr.


Die stark gesunkenen Stahlpreise hatten zuletzt tiefe Spuren in der Bilanz des Industriekonzerns hinterlassen, Thyssen-Krupp hatte deswegen Einsparungen im Stahlgeschäft und im Anlagenbau angekündigt. In guten Zeiten wirft das Stahlgeschäft Milliarden ab. In schlechteren aber summieren sich die Verluste in existenzgefährdende Höhen.

Auch zuletzt waren die Zeiten eher mau: In Europa wird zu viel Stahl angeboten, die Preise für den Werkstoff sind für die Unternehmen kaum auskömmlich. Nur mit einer Konsolidierung, so mahnt Konzernchef Heinrich Hiesinger und andere Vorstände, lasse sich diese Misere beseitigen.

Der gebürtige Schwabe baut das Unternehmen radikal um, will er doch eine neue Thyssen-Krupp AG schaffen. Er will das Unternehmen auf das margenstarke Geschäft mit Aufzügen, Autokomponenten und Fabrikanlagen ausrichten.

Hinzu kommt, dass Hiesinger bei Misserfolg sein Versprechen an Berthold Beitz brechen müsste. Dem Übervater von Krupp hatte er vor dessen Tod versprochen, den Konzern für alle Zeiten sicher aufzustellen. Denn Krupp steht seit mehr 200 Jahren nicht nur für Ingenieurskunst, sondern auch für fatales Missmanagement. Auch unter der Leitung von Beitz hatte das Unternehmen schon einmal am Rande der Pleite gestanden.


Als Hiesinger im Januar 2011 Vorstandschef geworden war, hatte Thyssen-Krupp wieder einmal die Insolvenz gedroht. Die Gesellschaft litt unter Milliardenverlusten wegen einer missglückten Expansion auf dem amerikanischen Stahlmarkt. Die für enorme Summen in Brasilien und den USA gebauten Stahlwerke waren zwar schon verkauft, der Konzern konnte die Krise damit aber nicht abschütteln.

Ursache dafür sei das Stahlgeschäft. Diesen Grund machte die Führung um Hiesinger aus.

KONTEXT

Die größten Stahlproduzenten in Deutschland

ESF Elbestahlwerke Feralpi

Der Stahlproduzent aus dem sächsischen Riesa wurde 1992 gegründet und produziert unter anderem Stranggussknüppel, Betonstabstahl und Walzdraht. 2016 produzierte Feralpi eine Million Tonnen Stahl.

Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl

Lech Stahlwerke

1970 wurde das Stahlwerk im bayrischen Meitingen gegründet. Das Unternehmen hat sich auf Betonstahl spezialisiert. Lech produzierte 2016 1,2 Millionen Tonnen Stahl.

Georgsmarienhütte

1,3 Millionen Tonnen Stahl produzierte das Stahlwerk 2016. Georgsmarienhütte wurde 1856 in der gleichnamigen Stadt in Osnabrück gegründet. Das Unternehmen produziert Stabstahl, Halbzeug und Blankstahl.

Riva

Der italienische Stahlkonzern hat mehrere Werke in Deutschland. 1954 wurde das Unternehmen von den Brüdern Emilio und Adriano Riva in Mailand gegründet. 2016 produzierte Riva in Deutschland 1,8 Millionen Tonnen Stahl.

Dillinger Hütte

Das Hüttenwerk (Anlage zur Erzeug von Stahl und Eisen aus Erzen) mit Sitz im saarländischen Dillingen produzierte 2016 2,2 Millionen Tonnen Stahl. Das Unternehmen wurde bereits 1685 gegründet.

Badische Stahlwerke

Der Stahlhersteller wurde 1955 im baden-württembergischen Kehl gegründet und produziert hauptsächlich für die Bauindustrie. 2016 konnte das Unternehmen 2,4 Millionen Tonnen Stahl produzieren.

Saarstahl

1989 wurde der Stahlproduzent im saarländischen Völklingen gegründet. 2016 produzierte er 2,5 Millionen Tonnen Stahl.

Salzgitter

Die Wurzeln der 1998 im niedersächsischen Salzgitter gegründeten Salzgitter AG gehen ins Jahr 1858 zurück. Rund sieben Millionen Tonnen Stahl produzierte das Unternehmen 2016.

Arcelor-Mittal

Der Konzern ging 2007 aus der Fusion der niederländischen Mittal und Arcelor aus Luxemburg hervor. Der Konzern hat mehrere Standorte in Deutschland und produzierte 2016 hierzulande 7,8 Millionen Tonnen Stahl.

Thyssen-Krupp

1999 wurden die Ruhrgebietskonzerne Krupp-Hoesch und Thyssen zusammengelegt. Deutschlandweit ist das Unternehmen mit Sitz in Essen der größte Stahlproduzent. Allein 2016 fertigte er 12,1 Millionen Tonnen Stahl.