Thon: Schalke hat den BVB überholt

Reinhard Franke
Olaf Thon (M.) spielte von 1983 bis 1988 und von 1994 bis 2002 für Schalke 04

Olaf Thon hat selten schlechte Laune. "Mir geht es eigentlich immer gut", sagt der SPORT1-Experte.

Im Moment geht es dem früheren Euro Fighter ganz besonders gut. Denn sein Herzensverein Schalke 04 steht nach der historischen Aufholjagd beim 4:4 im Revierderby bei Borussia Dortmund auf Platz drei, zwei Plätze vor dem BVB.

"Domenico Tedesco und Naldo werden in die Derby-Geschichte eingehen", lobt Thon im Gespräch mit SPORT1 den Trainer und den Schützen zum 4:4 in der 4. Minute der Nachspielzeit.

Tedesco der Schlüssel zum Erfolg

"Wenn man das mit etwas Abstand betrachtet, dann stand da erst einmal ein 0:4 aus Schalker Sicht. Doch dann hat sich die Mannschaft gefangen und am Ende war das 4:4 ein gefühlter Sieg für Schalke", meint Thon, der 1997 mit S04 den UEFA-Cup gewann.

Chefcoach Tedesco habe "während des Spiels vieles verändern müssen. Das hat am Ende gepasst. Man weiß nicht wie es gewesen wäre, wenn er Amine Harit und Leon Goretzka von Anfang an gebracht hätte."

Für Thon ist Schalkes neuer Trainer, der im Sommer vom Zweitligisten Erzgebirge Aue kam und den erfolglosen Markus Weinzierl ablöste, der Schlüssel zum Erfolg.

"Tedesco trifft den richtigen Kern bei seiner Truppe und das macht Vorfreude auf mehr. Jetzt kommt der 1. FC Köln und die Königsblauen werden sich da oben festbeißen", meint Thon.

Als Hauptgründe für den Schalker Aufschwung nennt der 51-Jährige "gute Entscheidungen vor der Saison". Der ehemalige Profi war im Sommer in den Trainingslagern in China und Mittersill mit dabei und begeistert. "Ich konnte dort alles verfolgen. Die Entscheidungen, die Tedesco bis jetzt getroffen hat, waren goldrichtig."


"Die Achse stimmt"

Duch Tedesco hat die Schalker Mannschaft die Stabilität, die ihr unter seinen Vorgängern Weinzierl und Andre Breitenreiter gefehlt hat.  "Eine neue Position für Max Meyer, Naldo hinten eine Bank mit Torwart Ralf Fährmann, der zum Kapitän gemacht wurde, Leon Goretzka und Guido Burgstaller als feste Größe im Sturm. Die Achse stimmt", stellt Thon fest.

Als einen weiteren Grund für den Erfolg nennt Thon notwendige Personalenstcheidungen. "Natürlich war es auch gut, Spieler wie Johannes Geis oder Donis Avdijaj abzugeben, die sich den Konkurrenzkampf nicht zugetraut haben", sagt Thon.

Auch beim anfangs sehr umstrittenen Weggang von Ex-Kapitän Benedikt Höwedes habe Tedesco am Ende Recht behalten. "Das sind alles Dinge, die prima geklappt haben", findet Thon.

Auch sei es gut gewesen "junge Spieler zu bringen wie Weston McKennie im Mittelfeld oder Abwehrspieler Thilo Kehrer. Beide waren in Dortmund zwar etwas übermotiviert, aber das gehört dazu, und im nächsten Derby werden die beiden noch besser sein."

Ruhe im Umfeld? "Da soll es ruhig krachen"

Eine neue Ruhe im Umfeld wurde zuletzt auch häufig als Grund für den sportlichen Aufschwung bei den Königsblauen genannt.

Thon aber sieht das anders. "Ruhe ist das falsche Wort. Auf Schalke wird es nie Ruhe geben. Da soll es ruhig krachen und am besten in die richtige Richtung." Man spüre aktuell "eine Aufbruchstimmung trotz des vergangenen Jahres, in dem man lange den fünf Auftaktniederlagen hinterherhinkte".

Damals sei Schalke "schwer in die Gänge gekommen, doch das hat das Team gut geschafft. Man sieht am Beispiel Köln, wie schwer das sein kann." Für Schalke sei es "ein Meilenstein gewesen, diese fünf verlorenen Spiele zu bewältigen."

Nun habe man sich gefangen, jetzt sei "Kontinuität drin" und eine Weiterentwicklung erkennbar. "Da ist eine Mannschaft, die Spaß macht. Und die ist längst noch nicht ausgereift".

Tedesco und Heidel als Vorreiter

Geradezu schwärmerisch wird Thon bei Tedesco.

"Er verkörpert ein Stück Schalke, in das er eintaucht. Tedesco hat sich vor der Saison auch um die ehemaligen Legenden bemüht und diese zu Gesprächen eingeladen, um sie besser kennen zu lernen", berichtet Thon. "Alle werden auf Schalke plötzlich mitgenommen und das ist der richtige Weg. Man will wieder eine Einheit sein."

Tedesco und Sportvorstand Christian Heidel seien Vorreiter, "die nicht einfach nur zu Besuch sind, sondern ankommen wollen im Ruhrgebiet", lobt Thon die sportlichen Macher.

Schalke als dritte Kraft in der Liga

Was ist sportlich drin? "Über die Meisterschaft und Platz zwei sollten wir nicht sprechen, aber die Fans können sich freuen, dass Schalke so gut dasteht. So wie es bisher aussieht, hat der Klub gute Chancen international dabei zu sein", sagt Thon.

"Ob das Platz drei, vier, fünf oder sechs wird, wird sich zeigen. Aber die Zeichen stehen wieder gut, dass man international dabei sein wird. Bayern und Leipzig sind weit voraus, aber dann folgt Schalke."