Thomas Oppermann im Interview: „Volker Kauder und ich sind nicht verheiratet“

Der SPD-Fraktionschef spricht über die große Koalition und Bündnispartner in Afrika.

Ein Tag mit neuen Umfragen war für Sozialdemokraten zuletzt meist einer, an dem man die Bettdecke noch mal über den Kopf ziehen möchte. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wirkt aufgeräumt und munter. Er setzt darauf, dass Martin Schulz im TV-Duell punkten kann.

Herr Oppermann, wenn wir uns die große Koalition mal als Ehe vorstellen, stehen wir dann jetzt direkt vor der Scheidung?

Ehen werden auf unbestimmte Zeit geschlossen, Koalitionen sind Bündnisse auf Zeit. Die große Koalition sollte keine Dauereinrichtung werden. Deshalb kämpfen wir für andere Mehrheiten – und für einen Bundeskanzler Martin Schulz.

Auch an mäßig glückliche Ehen gibt es meist irgendeine angenehme Erinnerung. Was war Ihr schönster Tag, wenn Sie die vier Jahre mit der Union Revue passieren lassen?

Ich hatte fünf außergewöhnlich schöne Tage.

Doch so viele?

Ich denke, das kann nicht jeder über seine Ehe sagen (lacht). Wir haben mit dem Mindestlohn das Leben von Millionen Menschen verbessert. Mit der Frauenquote haben wir einen Einstieg dafür geschaffen, dass Frauen mehr Führungspositionen in der Wirtschaft übernehmen. Alleinerziehende haben wir durch den Unterhaltsvorschuss besser gestellt. Das waren drei sehr schöne Tage. Viertens haben wir erfolgreich die Initiative für Tausende neue Stellen bei der Polizei ergriffen.

Lassen Sie uns raten: Der fünfte Tag ist noch nicht lange her.

Das war in der Tat der letzte Sitzungstag vor der Sommerpause. Da haben wir die Gunst der Stunde genutzt und endlich die Ehe für alle durchgebracht.

Die Union spuckte Gift und Galle, sprach von Koalitionsbruch. Um im Bild zu bleiben: Wie zerrüttet ist die Ehe zwischen Unions-Fraktionschef Volker Kauder und Ihnen?

Volker Kauder und ich sind nicht verheiratet, wir hatten eine Arbeitsgemeinschaft auf Zeit.

Wäre es möglich, das Vertrauen zwischen Kauder und Ihnen im Fall einer erneuten großen Koalition noch mal herzustellen?

Ich habe stets mit offenen Karten gespielt. Volker Kauder weiß genau, dass Kanzlerin Merkel die SPD vorführen wollte. Sie wollte das Thema im Wahlkampf entschärfen, indem sie über eine Gewissensentscheidung nach der Wahl redet. Wir haben dann dem Gewissen schon in dieser Legislaturperiode Geltung verschafft. Und, siehe da, als es ernst wurde, hat Angela Merkel dann doch gegen die Ehe für alle gestimmt.

Vielleicht gibt es diesmal ja ganz neue Bündnisse. Wollen die Grünen so sehr regieren, dass sie als Mehrheitsbeschaffer für Schwarz-Gelb in einer Jamaika-Koalition bereitstünden?

Die Grünen sind zu sehr darauf fixiert, nach zwölf Jahren Opposition in die Regierung zu kommen. Darüber verlieren sie ihr Profil und sind in schwierigem Fahrwasser.

Haben sich die Linke und Sahra Wagenknecht in den vergangenen Monaten in Richtung Realpolitik entwickelt, was ja aus Ihrer Sicht die Voraussetzung für ein rot-rot-grünes Bündnis wäre?

Sahra Wagenknecht führt nach wie vor einen populistisch zugespitzten Wahlkampf. Für mich ist die Linke eine sehr widersprüchliche Partei aus pragmatischen Kräften und linksradikalen Ideologen. Das einzige, was...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung