Thomas Gebert: "Der Dollar zieht die Strippen"

Jochen Kauper
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Thomas Gebert: "Der Dollar zieht die Strippen"

Noch zum Jahreswechsel konnte sich kaum jemand vorstellen, dass der Euro jemals wieder steigen könnte. Heute notiert er 14 Cent höher. Es kommt immer genau anders. Während der Dow von Rekord zu Rekord eilte, hat der DAX 800 Punkte verloren. Woran mag das liegen?

"Nun, man muss nicht lange suchen um einen Schuldigen zu verhaften: den Dollar. Wenn man den Dollarkurs in Euro gerechnet über den DAX legt, sieht man, dass beide sich in den letzten zwei Monaten fast exakt parallel nach unten bewegt haben. Da man sich nur schwer vorstellen kann, dass der DAX den Dollar in die Knie zwingt, wird es wohl eher umgekehrt gewesen sein, dass ein fallender Dollar die deutschen Aktien mit in die Tiefe gerissen hat. Der Einfluss des Dollar auf den DAX ist kausal und logisch. Deshalb hat auch der Börsenindikator in der Vergangenheit so gut funktioniert. Der Dollarkurs bildet einen wesentlichen Bestandteil des Indikators. Das Verkaufssignal im Mai kam auch genau aus dem richtigen Grund, dem fallenden Dollar. Interessant, wie sich Zeiten ändern. Zum Jahreswechsel wurde noch die Parität an die Wand gemalt. Die Deutsche Bank und Goldman Sachs gingen sogar von einem Euro- Kurs von 0,95 Dollar für einen Euro in der Zukunft aus", sagt Thomas Gebert.

Viele wetten auf einen weiter steigenden Euro

Kein Mensch wagte einen steigenden Euro zu prognostizieren. Doch niemand hatte beachtet, dass die US-Währung einem großen 16-jährigen Zyklus unterliegt. "Anfang 2017 wurde im 16-jährigen Rhythmus ein Gipfel erreicht, wie schon im Jahr 2001, im Jahr 1985 und im Jahr 1969. In diesem großen Zyklus wirkt der Dollar nicht nur auf die kurzfristige Entwicklung des DAX ein, sondern er zieht auch die Strippen für alle anderen Finanzmärkte. In den Jahren der Dollar-Aufschwünge, vor 1985, vor 2001 und vor 2017 konnte sich der DAX jedes Mal verdreifachen. Für die Rohstoffe entpuppten sich diese Phasen als ungünstig. Dafür konnten Gold, Öl und Co in den Jahren der Dollar-Abschwünge haussieren. Der Goldpreis vervielfachte sich nach 1969 und nach dem Jahr 2001. Für die Aktien kam mit dem Dollar Gipfel jeweils eine mehrjährige Durststrecke. Nach 1969, nach Ende 1985 und nach dem Jahr 2001 konnten die deutschen Aktien für viele Jahre per saldo keinen Geländegewinn erzielen. Nachdem wir nach 1969, 1985, 2001 und nun, Anfang 2017, erneut einen Dollar Gipfel mit einem Wert von 1,04 Dollar für einen Euro gesehen haben, steht zu vermuten, dass wir nun wieder acht Jahre keine per saldo steigenden Aktienkursen erleben werden. Dafür entwickeln sich die Rohstoffe vielleicht ganz gut. Zunächst könnte jedoch erst einmal das Gegenteil eintreten. Der Dollar hat in den letzten Monaten 14 Cent gegen den Euro verloren. In diesem Tempo kann es nicht acht Jahre lang weitergehen. Eine vorübergehende Erholung des Dollar scheint überfällig zu sein. Die Zahl der spekulativen Long-Position auf den Euro hat an der Terminbörse in Chicago den höchsten Wert der letzten fünf Jahre erreicht. Das ist ein Kontraindikator. Wenn zu viele auf einen steigenden Euro wetten, tritt das Gegenteil ein. Zum Jahreswechsel gingen alle noch von einem steigenden Dollar aus, doch auch damals trat das Gegenteil ein und er stürzte. Ein wieder kletternder Dollar könnte auch die deutschen Aktien beflügeln. Im Herbst könnten die die alten Höchstkurse wieder erreicht werden. Vielmehr sollte man vom DAX in den nächsten acht Jahren allerdings nicht erwarten", so Thomas Gebert.