Thomas Cook kauft Ferienclubs zurück


Als „Ort, an dem die Glücklichen leben“, gründete Urlaubsveranstalter Neckermann den Ferienclub-Betreiber Aldiana vor 44 Jahren – so nämlich übersetzt sich der Firmenname aus dem Senegalesischen. Doch das Glück ließ stets auf sich warten.

2005 verkaufte Neckermann-Rechtsnachfolger Thomas Cook die Firma mehrheitlich nach Spanien, um sich 2012 entnervt auch von den restlichen Anteilen zu trennen. Rasche Eigentümerwechsel folgten. Zeitweise unterstand Aldiana dem LTU-Gesellschafter Jürgen Marbach, dann einer Gesellschaft aus Ägypten und seit Februar 2016 der Schweizer LMEY Investments AG.

Zum fehlenden Glück kam dann auch noch Pech hinzu. Die Urlaubsflaute in der Türkei veranlasste Aldiana im vergangenen Jahr dazu, den Club in Side aufzugeben.

2016 fuhr der mittlerweile auf acht Ferienanlagen geschrumpfte Urlaubsanbieter bei nur noch 92,2 Millionen Euro Umsatz einen Nettoverlust von 4,7 Millionen Euro ein. Zum Ende des Geschäftsjahres war Aldiana mit 6,1 Millionen Euro überschuldet.

Umso erstaunlicher, dass sich nun der einstige Gründer anschickt, bei Aldiana zum zweiten Mal sein Glück zu versuchen. So berichtete Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser am Dienstag, sein britischer Konzern habe für einen ungenannten Kaufpreis 42 Prozent am Unternehmen erworben. „Die Entwicklung eines starken Portfolios an eigenen Hotelmarken ist ein absoluter Schlüssel für unseren Erfolg“, kommentierte er den Zukauf. „Die neue strategische Partnerschaft mit LMEY gibt uns einen perfekten Startplatz, um diesen kritischen Teil unserer Strategie zu beschleunigen.“


Aldiana, wie Thomas Cook Deutschland in Oberursel beheimatet, wird damit siebte Hotelmarke von Europas zweitgrößtem Reisekonzern – nach Ketten wie Sentido, Sunprime und Casa Cook. Mit den Clubanlagen in Spanien, Griechenland, Zypern, Tunesien und Österreich erweitert Aldiana das Portfolio des Reisekonzerns auf 190 Hotels in 17 Ländern. Weitere vier Aldiana-Neueröffnungen seien zudem bis 2019 geplant.

Cluburlaube, die wie bei Aldiana Sportaktivitäten, Kinderbetreuung, Wellness und All-Inclusive-Angebote umfassen, stehen derzeit hoch im Kurs. Die Bereitschaft von Touristen, für Reisen einen Luxusaufschlag zu zahlen, ist in den vergangenen Jahren nach Erhebungen des Deutschen Reiseverbands (DRV) deutlich gestiegen.


Ferienclubs sind ein hartes Geschäft

Doch dass das Clubgeschäft kein einfaches ist, musste nicht nur Aldiana bitter erfahren. Auch der französischen Club Mediterranée, mit 68 Urlaubsdörfern und 1,47 Milliarden Euro weltweit unangefochtener Marktführer, litt zeitweise unter einer erheblichen Ertragsschwäche. 2013 und 2014 häufte dort Firmenchef Henri Giscard d‘Estaing, ein Sohn des ehemaligen Frankreich-Präsidenten, die Verluste an, 2015 reichte es gerade einmal für eine schwarze Null. Erst 2016, nachdem das chinesische Konglomerat Fosun Anfang 2015 sämtliche Firmenanteile für 939 Millionen Euro übernommen hatte, sah Club Med einen wirklichen Gewinn vor Steuern – auch wenn dieser mit 30 Millionen Euro nicht gerade als üppig zu bezeichnen ist.

Ein Vorbild nehmen dürfte sich Fankhauser da schon eher an seinem deutschen Rivalen Tui, der mit 24 „Robinson“-Anlagen weltweit als Nummer zwei im Ferienclub-Geschäft gilt. Die ebenfalls lange renditeschwache Konzerntochter hatte Tui-Chef Fritz Joussen nach seinem Amtsantritt erfolgreich auf Rendite getrimmt. Bei 194 Millionen Euro Umsatz blieb 2016 ein Betriebsergebnis (Ebita) von 39 Millionen Euro übrig, für 2017 ist ein noch höherer Ertrag angepeilt. „Auf das eingesetzte Kapital erzielen wir inzwischen eine Rendite von 13 Prozent“, freut sich Joussen. Kein Wunder, dass so etwas Nachahmer lockt.


Thomas Cook investiert nach eigenen Angaben auch deshalb in eigene Hotels, um die schrumpfenden Margen im Veranstaltergeschäft auszugleichen. Vor allem in Spanien seien sie durch die große Zahl von Wettbewerbern unter Druck geraten, erklärte Fankhauser am Dienstag.

Seine Prognose für das im September endende Geschäftsjahr hielt der Thomas-Cook-Chef dennoch unverändert. „Die Zahlen liegen im Einklang mit den Markterwartungen“, erklärte der gebürtige Schweizer. Analysten schätzen, dass es im laufenden Geschäftsjahr beim Umsatz um 9,4 Prozent auf 7,8 Milliarden Pfund nach oben geht. Auch der Nettogewinn des lange angeschlagenen Reisekonzerns könnte sich 2017 von zwölf auf 52 Millionen Pfund verbessern.