Thierse über Kohl: „Er hatte großes Glück und war trotzdem verbittert“

Im Interview äußert sich Wolfgang Thierse auch über die Spendenaffäre.

Herr Thierse, als Sie von Helmut Kohls Tod erfahren haben, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Ich dachte mir, dass es um Helmut Kohl einen eigentümlichen Widerspruch gibt. Er ist ein sehr glücklicher deutscher und europäischer Politiker gewesen. Er hat mit der Wiedervereinigung die Gunst der Stunde genutzt, die ihm die friedliche Revolution in der DDR präsentiert hat.

Zugleich war Kohl verbittert, hat unzählige andere Politiker beschimpft, mich auch. Zum Schluss war seine glorreiche politische Karriere durch die Parteispendenaffäre überschattet. Helmut Kohl ist eine wirklich widersprüchliche historische Gestalt.

Spätestens seit der Spendenaffäre waren Sie der Lieblingsgegner der Union, weil Sie Strafmaßnahmen gegen die CDU verhängten. War das der Ursprung des Zerwürfnisses?

Ich denke ja. Denn vorher habe ich keinen Anlass geboten, Feindbild von CDU und CSU zu werden. Die Spendenaffäre hat mich gezwungen – nach strenger, ausführlicher Prüfung und intensiver Beratung – eine herbe Strafe gegen die CDU auszusprechen. Die CDU hat durch alle Instanzen geklagt. Ich habe in allen Instanzen gewonnen – umso schlimmer für mich. Denn die CDU trägt mir das bis heute nach.

2002 soll Kohl im kleinen Kreis über Sie gesagt haben, „das ist der schlimmste Präsident seit Hermann Göring“.

Ja, das war eine seiner Entgleisungen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung