Macht sich die Formel 1 lächerlich?

Die Sensationspole von George Russell im Qualifying von Budapest (Rennen am Sonntag ab 15 Uhr im LIVETICKER) sorgt nicht nur bei Mercedes für erstaunte Gesichter. Der Brite verrät, dass die Moral des Teams am Freitag noch „am Boden“ war.

Für Wirbel sorgen einmal mehr die Track Limits. Nicht nur bei Mick Schumacher kommen sie mehrmals zur Anwendung. Bei Red-Bull-Pilot Sergio Pérez wird eine Runde sogar fälschlicherweise gestrichen, ehe sie kurze Zeit später doch anerkannt wird. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko hat genug von „diesem Theater“. Ralf Schumacher rutscht bei Sky sogar das Wort „Knallköpfe“ heraus. Auch der Ex-F1-Pilot findet es inzwischen „peinlich“, wie die Königsklasse des Motorsports damit umgeht.

SPORT1 fasst die Stimmen zum Qualifying in Budapest von Sky, aus der Boxengasse und der Pressekonferenz zusammen. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

George Russell (Mercedes), Startplatz 1:

„Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, was hier eben passiert ist. Wir hatten gestern einen schwierigen Freitag, Die Moral war ziemlich am Boden, wir fühlten uns verloren. Und 24 Stunden später haben wir die Pole-Position – unfassbar! Ich schätze, wir haben den Wagen auf der letzten Runde ins perfekte Arbeitsfenster bekommen. Im ersten Sektor war ich schon markant schneller als zuvor, im zweiten dann auch, es lief einfach wie am Schnürchen.“

... über seine Chancen im Rennen: „Ich habe nicht den geringsten Schimmer. Wir haben die Abstimmung des Autos nach dem verpatzten Freitag auf den Kopf gestellt, und wenn ich am Sonntag auf die Strecke gehe, ist das eine Reise ins Unbekannte. Zumal die Verhältnisse am Freitag und am Sonntag nicht vergleichbar sind. Aber ich bin Racer - und wenn du vom ersten Startplatz losfahren kannst, dann willst du natürlich gewinnen, ist ja klar.“

Carlos Sainz (Ferrari), Startplatz 2:

„Ich bin wütend auf mich selber, dass mir in Q3 keine gute Runde gelungen ist. Die Runde war okay - aber eben nicht berauschend. Wenn ich meinen Job besser gemacht hätte, hätte es für die Pole gereicht. Das soll aber die Leistung von George in keiner Weise schmälern, er hat eine tolle Runde gefahren, Gratulation.“

... über die Überlegenheit von Ferrari am Freitag: „Die Verhältnisse haben sich nicht in unsere Richtung entwickelt. Am Freitag hatten wir einen Speed-Vorteil, der sich verflüchtigt hat. Wir haben uns schwergetan, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Damit können wir nicht zufrieden sein. Hinzu kann, dass mir keine gute Runde gelungen ist. Ich muss zugeben, ich bin enttäuscht.“ (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Charles Leclerc (Ferrar), Startplatz 3:

„Ich hatte massive Probleme mit den Reifen. Ich fand es sehr schwierig, sie bei diesen Bedingungen ins perfekte Arbeitsfenster zu bekommen. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass es weniger warm als am Freitag war. Ich weiß, dass unser Auto schnell genug ist, um am Sonntag die Nase vorn zu haben, dies muss nun im Vordergrund stehen. Aber um den Sieg einzufahren, müssen wir die Reifen besser verstehen.“

Verstappen: „Rennen könnte schwierig werden“

Max Verstappen (Red Bull), Platz 10:

„Ich denke nicht, dass es ein großes Problem ist. Wir konnten es auf der Strecke aber leider nicht lösen. Das ist sehr unglücklich, denn wir hatten es geschafft, das Blatt seit dem Trainingsfreitag zu wenden. Und das ist das Gute, das wir an diesem Tag mitnehmen können. Ich schätze, wir haben verstanden, was nicht stimmte. Das Auto war sehr viel besser zu fahren, und das auf einer Strecke, die nicht wirklich zu unseren Stärken passt.“

... über die Aussichten im Rennen: „Das Rennen könnte schwierig werden. Ich hoffe, dass ich nicht lange feststecken werde. Wir müssen einfach ruhig bleiben und auf unsere Chance warten, um nach vorne zu kommen. Die Strategie hängt sicher auch davon ab, was vor und hinter mir passieren wird. Da müssen wir einfach flexibel bleiben.“

Helmut Marko (Red-Bull-Motorsportberater):

„Im ersten Run in Q3 hat er sich verbremst und die Vorderreifen litten darunter. Im zweiten Run stand ihm nicht die volle Motorenleistung zur Verfügung. Wir glauben zu wissen, was es ist. Der Tausch dieses Teils ist ohne Strafe möglich. Aber so ein Ergebnis hier ... Singapur, Monte Carlo und hier sind die drei Kurse, wo du dir so etwas nicht wünscht. Wir brauchen viel Glück.“

... über die Ahndung der Track Limits: „Bei Pérez wird die Zeit erst gestrichen, dann wieder reinstalliert. Dieses Theater muss aufhören. Entweder hat man eine effiziente Kontrolle oder man soll es lassen. Wir hatten das Theater in Österreich und Frankreich. Das ist nicht akzeptabel.“ (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Sky-Experte: Ralf Schumacher fügte ergänzend hinzu: „Da kann ich nur zustimmen. Das ist für die Formel 1 einfach nur peinlich. Dazu wird zu viel Geld ausgegeben und es ist zu professionell. Die Formel 1 muss hier die Pobacken zusammenkneifen und das hinkriegen, weil das kann es nicht sein.“

Mick Schumacher (Haas), Startplatz 15:)

„Das Auto hat sich im 3. Training recht gut angefühlt, auf den Intermediates weniger. Wir hatten für das Qualifying auf Regen gehofft. Wir wussten, dass es im Trockenen schwierig werden würde. Wir haben am Freitag ein paar Veränderungen gemacht, die zum Teil gut waren, zum Teil eher weniger. Daher sind wir nicht ganz zufrieden mit dem heutigen Tag.“

... über die Chancen im Rennen: „Letztes Jahr war es genauso und nach der ersten Kurve waren wir Zehnter. Hier kann viel passieren, speziell am Start. Wenn die sich vorne nicht einig sind, sind wir hinten die lachenden Dritten und können davon profitieren.“

Vettel: „Schade, dass wir nicht die Pace hatten“

Sebastian Vettel (Aston Martin), Startplatz 18:

„Die letzte Runde war auch ok, aber ich hatte nur eine Cool-Runde und dann waren die Reifen doch ein bisschen zu heiß. Mit der ersten Runde war ich recht zufrieden. Natürlich geht immer ein wenig mehr, aber es waren keine groben Fehler drin. Etwas schade, dass wir nach dem Freitag heute nicht die Pace hatten.“

... über seine Mithilfe, das Auto rechtzeitig wieder einsatzbereit zu haben: „Statt nur rumzusitzen, dachte ich, ich könnte etwas beim Halten, Aufheben oder aus dem Weg schieben helfen. Ich hätte gerne mehr zurückgeben als so ein frühes Aus im Qualifying. Das Auto war anders als gestern und ich habe mich schwergetan, gleich das Maximum herauszuholen.“

Toto Wolff (Mercedes-Teamchef):

„Gemischt, aber es überwiegt das Positive. Wenn dem Lewis das DRS nicht eingeht, ist er auch unter den Top 3 oder 4. Das zeigt, wir haben etwas mehr am Auto verstanden. Es ist auch für uns eine große Überraschung. Es war eine gute Runde, aber das Auto war auch gut. Beide Fahrer waren stark.“

... über die Chancen auf den Sieg: „Die Pole ist eine gute Ausgangsposition, aber wir wollen nicht davon schon träumen. Gestern wären wir froh gewesen, unter die ersten Sechs zu kommen. Wenn er (Russell, Anm. d. Red.) vorne die Pace hat, kann er es aber auch gewinnen.“

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