Besetzung: Machtkampf an der Volksbühne

Möchten eine kollektive Intendanz am Theater installieren: die Gruppe „Staub zu Glitzer“ hat am Freitag die Volksbühne besetzt

Die ersten Stücke beliebig, der Tanz harmlos, die Saisoneröffnung ein Volksfest mit Bratwurststand und Animationsprogramm. Klar, was Volksbühnen-Intendant Chris Dercon bisher geliefert hat als Nachfolger von Frank Castorf, das ist nicht gerade vielversprechend. Ein bisschen so, wie man befürchtet hatte: Viel Event, wenig Theater. Zumindest das hat sich jetzt geändert. Es gibt viel Theater im Theater. Bloß ist das keine Inszenierung Dercons – obwohl das im Netz halb ernst, halb hoffnungsvoll spekuliert wird. Seit Freitagnachmittag hat das Kollektiv "Staub zu Glitzer" die Volksbühne besetzt.

Um zu protestieren gegen die Ernennung Dercons als Intendant, aber eigentlich auch nicht. Denn er sei ja bloß Symptom einer Stadtentwicklung, die man nicht mehr mittragen will, heißt es in der Erklärung der Aktivisten: steigende Mieten und unsichere Arbeitsverhältnisse, Gentrifizierung im Allgemeinen und Identitätsverlust der Stadt im Speziellen. Und dann dieser Massentourismus. Und diese Studiengebühren. Es geht also gar nicht um die Volksbühne, es geht auch gar nicht um Chris Dercon. Der wird bloß zum Sündenbock dieses Nörgel-Potpourris, einer austauschbaren Kapitalismuskritik.

Die Proben im Haus wurden abgesagt

Wäre es da nicht viel passender gewesen, das Soho-House zu besetzen, fragt jemand auf Twitter. Oder das Rathaus? Na ja, die Gelegenheit war eben einfach zu günstig, diese Immobilie zu kapern. Denn Dercon hat bislang das Tempelhofer Flugfeld bespielt, erst im November geht es an der V...

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