Theater: Herbert Fritschs "Zeppelin": Eine grandiose Luftnummer

Komm, lass den Drachen steigen: Die Fritsch-Darsteller spielen mit dem Zeppelin. Bis er in die Luft geht

"Lass deinen Drachen steigen": Irgendwie muss man an den alten Schlager der Puhdys denken. Auch wenn an der Schaubühne kein Drachen in die Luft steigt, sondern ein Zeppelin. Freilich nur ein nacktes Gerüst, ohne Plane oder Motor. Dieses Luftschloss ist reine Bühnenmagie. Aber sein Abheben hat was Befreiendes, und wie bei einem Ballonflug wird da zumindest im übertragenen Sinn auch Ballast abgeworfen.

Herbert Fritsch ist ja bekanntlich – oder war, wie man jetzt schreiben muss – ein Star der Volksbühne. Erst als Schauspieler, dann auch als Regisseur, der eine ziemlich eigene, ziemlich einzigartige, wenn auch von manchen als selbstreferenziell geschmähte Ästhetik entwickelt hat. Inszeniert hat er auch an anderen Bühnen, seinem Stammhaus aber ist er über 20 Jahre treu geblieben. Jetzt leitet Chris Dercon die Volksbühne, der Wechsel hat viel Wut entfacht. Frank Castorf ist ans Berliner Ensemble gewechselt. Fritsch hat es weit in den Westen verschlagen: zur Schaubühne. Und man durfte sich vorab schon fragen, ob sein aberwitziger Stil auch dort ankommen würde.

Ein ureigenes, einzigartiges Körper- und Kaspertheater

Im Saal sitzen viele Fritsch-Fans, aber auch angestammtes Schaubühnen-Publikum. Und Stars des Hauses, die mal gucken wollen, wie Fritsch sich hier schlagen wird. Ein blauer Vorhang verhüllt die Bühne, das ist neu bei Fritsch, der sonst immer gleich den Blick auf seinen Raum freigibt. Als der Vorhang fällt, sieht man einen riesigen Zeppelin, der wie ein stählernes Walgerippe a...

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