Theater: Chris Dercons Baustelle am Flughafen Tempelhof

Architekt Francis Kéré und Volksbühnen-Intendant Chris Dercon (r.) stellen im Hangar 5 das erste Bauteil des geplanten Satelliten-Theaters vor

Die zwei jungen Männer, die da mit dem Blick am Boden über den Parkplatz 2 am stillgelegten Flughafen Tempelhof schleichen, haben eine pinkfarbene Spraydose und eine Scha­blone in den Händen. Spray-Guerillas? Im Gegenteil, die beiden markieren die Laufrichtung zum Hangar 5, dort, wo am Wochenende die "neue" Volksbühne endlich in ihre erste Saison starten kann. Am Sonntag geht es los, es wird getanzt "auf" Tempelhof, wie Dercon immer sagt. Eingeladen sind alle Berliner.

Der Weg ist kompliziert, quer zwischen den vielen Autos hindurch, vorbei an einem roten Lastwagen mit der vielversprechenden Aufschrift "Götterspeise Experience", die Treppe dahinter runter, rechts halten. Endlich stehen wir vor einer wuchtigen Eisentür. Wer mag, darf diesen Gang symbolisch deuten. Chris Dercons Weg als neuer Intendant der Volksbühne war alles andere als leicht. Jeder Schritt von ihm wurde überwacht. Über kein Theater wurde im letzten Jahr mehr gestritten und geschrieben.

Über keinem strahlte ein so heller Heiligenschein wie über Castorfs Bühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Castorf ist weg, Ruhe hat Dercon trotzdem nicht. Am Montag erhielt Kultursenator Klaus Lederer (Linke) eine Petition mit 40.000 Unterschriften – für den Erhalt der Volksbühne als Repertoire- und Ensembletheater. Da stand Dercon gerade draußen vor dem Hangar 5, rauchte. Vor ihm die Weite des alten Rollfeldes, der blaue Himmel, hier kann er frei atmen. In 400 Meter Entfernung sieht er die weißen, umzäunten Tempohomes, wo Flüchtlinge...

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