Thadeusz: Mehr Mut zum Schwätzchen

Der Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost

Manche Menschen trauen Wahlen nicht. Da Extremisten es bei ordentlichen Wahlen nie über eine Minderheit hinaus schaffen, raunen sie gern von einer "schweigenden Mehrheit". Das klingt nach Geheimnis, nach einer verschworenen Gemeinschaft, nach Kapuzen. Ganz viele sind sich heimlich einig. Worüber, das entscheiden die Rauner nach ihrem Geschmack.

Wer sich auch aus gebleichten Hühnerknochen und Asche sein weiteres Schicksal voraussagen lässt, der mag weiter "spüren", dass irgendwo ganz viele einen einheitlichen Gedanken gemeinschaftlich verbergen. Ich behaupte, dass die Mehrheit der Deutschen gern nichts sagt. Erst kürzlich in der S-Bahn: Eine junge Italienerin telefoniert. Sie betont, sie wird lauter, sie bebt förmlich. Wahrscheinlich geht es um Liebe. Ich verstehe leider kein Wort. Das Radfahrer-Ehepaar, das die südländische Eruption miterlebt, auch nicht.

Mann und Frau machen aber mimisch deutlich, wie viel lieber sie sich nur auf die Betriebsgeräusche der Bahn konzentrieren würden. Ich hätte der Schönen aus dem schönsten Land der Welt gern anvertraut, dass ich weiß, was Rührei auf Italienisch heißt (Uova strappazate). Und warum ich den Italienischkurs unbedingt fortsetzen möchte. Selbstverständlich habe ich nichts gesagt. Interessiert die Frau doch höchstwahrscheinlich gar nicht. Oder?

Mindestens im Wartezimmer meiner Zahnärztin möchte ich die anderen Patienten gerne fragen, wo sie sich momentan am intensivsten hinwünschen. Ich möchte von dem jungen Mann, der eine Reisegruppe f...

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