Thadeusz: Über barsche Senioren, die sich nicht benehmen können

Der Moderator Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost

Viele ältere Menschen benehmen sich schlecht. Wie kürzlich in der Eisenbahn. Ein Mann meines Alters, also mehr Leben hinter als vor sich, fuchtelte mit einem Zettel vor den Augen des Zugchefs. Ein Modell von Eisenbahner, für den andere Transportunternehmen sofort 220 Millionen Euro Ablösesumme bezahlen sollten. Ein Lächeln, bei dem meine Freundinnen augenblicklich fantasieren würden, sie könnten immer noch ohne Migränefolgen eine ganze Nacht durchtanzen. Das, was der halbglatzige Passagier als Fahrschein ausgab, sah aus wie ein Papier, das man während des Umzugs unter der Waschmaschine findet.

Geht so nicht, gab der junge Kon­trolleur zu verstehen. "Unerhört" und ein insgesamt viel zu scharfer Ton folgten. Ob er denn nicht wisse, dass er immer auf dieser Strecke fahre, bellte der Beschwerer. Eine Sitznachbarin rief ein Loriot-Zitat: "Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein". Das allgemeine Murren, das die Nervensäge letztlich kapitulieren ließ, fehlt manchmal. Kürzlich hatte ich mir einen Platz in einem Selbstbedienungsrestaurant eingedeckt. Als ich mit dem Essen von der Theke kam, saß ein Ruheständler auf meinem Platz. Kein Problem, dachte ich, nahm das Besteck und setzte mich mit einem "Guten Tag" ihm gegenüber.

Er grüßte nicht zurück und ließ auch meine Abschiedsformel unbeantwortet. Gestern rammte mir, wieder in der Bahn, eine ältere Dame in teuren Freizeitklamotten den Griff eines Rollators so kräftig in den Rücken, dass ich an den Begriff "Halswirbelsäule" denken musste. ...

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