Teyssen überwindet den Trennungsschmerz


Vor einem Jahr kämpfte Eon-Chef Johannes Teyssen mit der spektakulären Aufspaltung seines Konzerns. Hohe Abschreibungen hatten das Unternehmen im Halbjahr mit drei Milliarden Euro in die Verlustzone gedrückt. Zum Jahresende sollten sich die Verluste auf den Rekordwert von 16 Milliarden Euro anhäufen.

Den aktuellen Zwischenbericht kann Teyssen wieder viel entspannter präsentieren. Die Belastungen sind in der Bilanz verarbeitet. Unterm Strich steht ein Überschuss von vier Milliarden Euro. Der Bund hat die zu Unrecht kassierte Atomsteuer schon zum größten Teil zurückgezahlt. Auch im Gesamtjahr wird deshalb in diesem Jahr wieder ein satter Milliardengewinn stehen.

Um Sondereffekte bereinigt liegt der Überschuss mit 881 Millionen Euro auch um 46 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Am Dienstag hatte Eon die Aktionäre schon mit einer Anhebung der Dividendenquote erfreut, die ab dem Geschäftsjahr 2018 greifen soll.


Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag zwar mit 1,8 Milliarden Euro um zwölf Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das lag aber an einem verhaltenen ersten Quartal. Im zweiten Quartal legte das Ebit im Kerngeschäft schon wieder um 25 Prozent zu. Die Nettoverschuldung sank von 26,3 Milliarden auf 21,5 Milliarden Euro. Das lag unter anderem an der Kapitalerhöhung, die Eon im März platziert hatte und an der Rückzahlung der Atomsteuer.

„Wir sind bei der Neuausrichtung von Eon im ersten Halbjahr 2017erfolgreich vorangekommen“, hielt Vorstandschef Johannes Teyssen fest: „Unsere Bilanz ist gestärkt, die Verschuldung schneller gesunken als geplant.“

Eon ist seit der Aufspaltung rein auf das Geschäft mit der Energiewende konzentriert – auf Netze, Vertrieb und erneuerbare Energien. Das alte Geschäft – die Kohle- und Gaskraftwerke und den Großhandel – hat Teyssen der neuen Uniper SE und deren Chef Klaus Schäfer überlassen. Das Netzgeschäft legte im zweiten Quartal deutlich zu. Der Vertrieb stabilisierte sich. Die erneuerbaren Energien verbuchten dagegen leichte Einbußen.

Eon ist nach dem Börsengang von Uniper im vergangenen September noch mit knapp 47 Prozent an Uniper beteiligt. Deshalb profitierte der Konzern auch von den soliden Zahlen, die Uniper-Chef Schäfer am Dienstag präsentiert hatte. Im ersten Halbjahr wies das neue Unternehmen einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro aus, nach einem Verlust von 3,9 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Das Ebit sank zwar von 1,1 Milliarden auf 0,9 Milliarden Euro. Das lag aber nur an einem Einmaleffekt. Anfang 2016 hatte Uniper von Gazprom eine hohe Rückzahlung für zu hohe Gaspreise erhalten.


Bis Ende 2017 muss Eon die restlichen Aktien halten, will der Konzern hohe Steuerzahlungen vermeiden. Danach will Teyssen den Anteil aber zügig verkaufen. Die Planungen laufen bereits. Eon hat Goldman Sachs mit der Prüfung der Optionen beauftragt. Möglich ist eine weitere Platzierung an der Börse oder der Verkauf an einen Finanz- oder sogar einen strategischen Investor. Spekulationen auf einen Komplettübernahme hatten den Kurs von Uniper in den vergangenen Monaten deutlich nach oben getrieben. Aktuell notiert die Aktie mit fast 19 Euro deutlich über dem Ausgabekurs von rund 10 Euro. Der Verkauf des Pakets dürfte Eon so oder so eine Milliardensumme einbringen.

Dabei spült schon allein die Rückzahlung der Atomsteuer – inklusive Zinsen – 3,3 Milliarden Euro in die Kassen. Das Bundesverfassungsgericht hatte Anfang Juni die Brennelementesteuer, die der Bund von 2011 bis 2016 von den Atomkonzernen erhoben hatte, für unvereinbar mit dem Grundgesetz und nichtig erklärt.


Eon ist die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls los

Seit Anfang Juli ist Eon zudem eine weitere Belastung los. Gemeinsam mit anderen Atomkonzernen hat der Energieriese die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls auf einen öffentlich-rechtlichen Fonds übertragen. Das war zwar kurzfristig teuer. Eon musste zusätzlich zu den dafür gebildeten Rückstellungen noch einen Risikozuschlag von rund zwei Milliarden Euro aufwenden. Langfristig entbindet es den Konzern aber eines schwer zu kalkulierenden Risikos. Eon ist jetzt nur noch für den Rückbau der Reaktoren zuständig.

Am Dienstagnachmittag hatte Eon die Anleger schon mit einer Ad-hoc-Meldung überrascht. Ab dem Geschäftsjahr 2018 will der Konzern einen höheren Anteil des bereinigten Konzernüberschuss an die Aktionäre ausschütten. Dann soll die Dividendenausschüttungsquote auf mindestens 65 Prozent gemessen am bereinigten Konzernüberschuss angehoben werden.


Ursprünglich hatte Eon eine Quote von 50 bis 60 Prozent ab 2018 in Aussicht gestellt. Für das Geschäftsjahr 2016 gab es eine Bardividende in Höhe von 0,21 Euro je Aktie. Die Ausschüttungsquote lag damit bei 45 Prozent. Für 2017 will der Versorger eine fixe Dividende von 30 Cent pro Aktie zahlen. RWE hatte wegen der Rückzahlung der Atomsteuer schon für 2017 eine Sonderdividende in Aussicht gestellt.

„Durch die weitere konsequente Umsetzung unseres Entschuldungsprogrammes sind wir auf gutem Wege, Spielraum für eine Steigerung der Dividende zu erarbeiteten“, sagte Teyssen. Er versprach aber gleichzeitig auch in neues Wachstum zu investieren. Zur Vorlage der Bilanz 2017 will er Anfang kommenden Jahres eine neue „Wachstums- und Investitionsoffensive“ vorstellen.

KONTEXT

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

KONTEXT

Die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Den zehnten Platz belegt ein Energieversorger aus Südkorea: Korea Electric Power kam im April 2016 auf einen Marktwert von 33,1 Milliarden US-Dollar.

Quellen: Bloomberg; Factset; Forbes

Platz 9

Den neunten Platz belegt GDF Suez. Das französische Unternehmen hatte im April 2016 einen Marktwert von 39 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 49,5 Milliarden Dollar gewesen.

Platz 8

hiAuf dem achten Platz befindet sich chinesische Energieversorger China Yangtze Power. Im April 2016 war der Konzern 41,8 Milliarden US-Dollar wert.

Platz 7

Dominion Resources auf dem siebten Platz der weltgrößten Energieversorger stammt aus den USA und hat einen Markt von 43,2 Milliarden US-Dollar.

Platz 6

Den sechsten Platz belegt ein Versorger aus Spanien: Iberdrola hat einen Marktwert von 44,1 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Der fünftgrößte Energieversorger stammt aus Spanien. Enel kam im April 2016 auf einen Marktwert von 44,6 Milliarden US-Dollar.

Platz 4

Auf dem vierten Platz befindet sich ein Unternehmen aus den USA: Southern Co. Der Versorger hatte im April 2016 einen Marktwert von 45,3 Milliarden US-Dollar.

Platz 3

Der drittgrößte Energieversorger der Welt kommt aus dem Vereinigten Königreich. National Grid hatte im April 2016 einen Marktwert von 51,4 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Auf dem zweiten Platz befindet sich ein amerikanisches Unternehmen: Nextra Energy. Der Wert des Energieversorgers beträgt 52,8 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

Das US-amerikanische Unternehmen Duke Energy ist nach Marktwert wie schon 2015 der weltweit größte Energieversorger. Im April 2016 betrug sein Wert 53,1 Milliarden US-Dollar. 2,3 Milliarden Dollar weniger als im Vorjahr.