Teure E-Autos, schwache Infrastruktur: Förderprämie verpufft weitgehend

Die staatliche Förderprämie zum Kauf von Elektroautos in Deutschland lockt nur Wenige hinterm Ofen vor, anders als vor neun Jahren die Abwrackprämie für alte Autos.

Insgesamt stehen bis 2019 Fördermittel von 600 Millionen Euro zur Verfügung. Bisher wurden nach Medienberichten ("Welt") nur etwa zehn Prozent davon abgerufen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) registrierte demnach seit Einführung des sogenannten Umweltbonus vor eineinhalb Jahren nur knapp 47.000 Anträge.

Warum?

Batterie-, Brennstoffzellen- oder Hybrid-Fahrzeuge sind deutlich teurer als Modelle mit Verbrennungsmotor. Mit der Abwrackprämie 2009 hatten sich die Deutschen vor allem Neuwagen in der unteren Preisklasse angeschafft. Zudem schrecken die Autokäufer bei den Stromern weiterhin der begrenzte Radius und das lückenhafte Ladesäulennetz ab.

Der Bund fördert den Kauf eines Batterieautos oder Brennstoffzellenfahrzeugs mit 2.000 Euro. Für ein von außen aufladbares Hybridauto gibt es 1.500 Euro. Der Hersteller muss dem Käufer mindestens den gleichen Betrag als Nachlass gewähren, damit die Förderung bewilligt wird. Und der Netto-Listenpreis des Basismodells darf 60.000 Euro netto nicht überschreiten. Die Fördermittel reichen für mehr als 300.000 Fahrzeuge - theoretisch.

Nach den Förderrichtlinien wird der Umweltbonus entweder so lange ausbezahlt, bis der Topf leer oder die erste Jahreshälfte 2019 erreicht ist. Weil absehbar ist, dass die Mittel bis dahin zu einem großen Teil nicht abgerufen werden, fordern Experten jetzt eine Umwidmung der Gelder, etwa für private Ladeeinrichtungen.

„Die neue Bundesregierung könnte einen Teil des Budgets umwidmen und für die Förderung privater Ladeinfrastruktur bereitstellen, so BAFA-Präsident Andreas Obersteller. „Diese Unterstützung könnte beispielsweise von Handwerkern, Hotelbetrieben oder Wohnanlagen genutzt werden.“

Stromer erreichen in Deutschland in den ersten drei Quartalen 1,4 Prozent Marktanteil - doppelt so viel wie im  Vorjahr, aber der Anteil ist weiter niedriger als in Großbritannien, Frankreich, China, den Niederlanden oder Norwegens – dort zum Beispiel wurden nach Förderboom und einem Viertel Anteil an den Neuzulassungen die Privilegien schon wieder zurückgefahren.

2009 war der Andrang auf den damals „Umweltprämie“ genannten Zuschuss für Pkw-Käufer schon kurz nach seiner Einführung so groß, dass die Bundesregierung nach wenigen Wochen beschloss, die Fördersumme von 1,5 auf fünf Milliarden Euro aufzustocken.

su mit Reuters