"Teufelskreis": Ex-Trainer rechnet mit Sanches ab

Marcel Bohnensteffen
Renato Sanches kommt bei Ex-Trainer Paul Clement nicht gut weg

Er war Golden Boy, Europas bester Nachwuchsspieler. Viele sahen in ihm ein Jahrhundert-Talent. Spätestens als er beim FC Bayern einen Vertrag unterzeichnete, galt Renato Sanches als kommender Weltstar. 

Seine Karriere schien wie gemacht für eine Geschichte der Superlative. Inzwischen ist sie ein Kapitel des Scheiterns geworden. 

Sanches kam mit dem Druck in München nicht klar, wurde abgeschoben zu Swansea City. Dort ging der Niedergang des Portugiesen weiter. Sein ehemaliger Trainer Paul Clement, der mit ihm in die Saison gestartet war, hat jetzt mit Sanches abgerechnet. 

Sanches' Verfassung überrascht: "Es war wirklich traurig"

Aufgrund der großen Erwartungshaltung an ihn, habe sein Schützling "fast das Gewicht der Welt auf seinen Schultern gehabt", sagte der ehemalige Assistent von Carlo Ancelotti im Interview mit der Times. "Als er kam, war er viel stärker angeschlagen, als ich dachte. Es war wirklich traurig", erklärte der Engländer.


Clement hatte Sanches bereits als Co-Trainer in München erlebt. Als Cheftrainer sollte er ihn nach der Ausleihe wieder in Form bringen. Das Vorhaben ging komplett schief. Sanches brach im tristen Abstiegskampf der Premier League leistungsmäßig noch weiter ein.

Auch weil er die die negativen Kritiken aus Deutschland nie wirklich abstreifen konnte. "Er wollte jedem gefallen und es allen zeigen, dass sie Unrecht haben", sagte Clement. Dabei sei Sanches "in einen Teufelskreis schlechter Entscheidungen geraten".

Im Kampf ums sportliche Überleben erlebte Trainer Clement einen Spieler, der im Training, wo gemeinhin kein Druck herrscht, "der beste Akteur" war. "Er könnte Dinge tun, die sonst niemand tun könnte. Er hat die Macht, an Spielern vorbeizugehen, ihnen keine Chance zu lassen", sagte Clement. 


Clement resigniert: "Er hat diese Fehler immer gemacht"

Wann immer es in der Meisterschaft jedoch um Punkte geht, wirkt der 20-Jährige psychisch blockiert. "Ich sah die Entscheidungen, die er traf, wie er aus 45 Metern aufs Tor schoss", sagte Clement. "Er hat diese Fehler immer wieder gemacht."


Irgendwann gingen dem Trainer die Argumente gegenüber Sanches' Teamkollegen aus. "Die anderen Spieler sagten: 'Er spielt so und Sie stellen mich nicht auf.' Also wurde es schwierig, ihn aufzustellen."

Weil Sanches zunehmend durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, blieb für ihn beizeiten nur noch die Rolle des Reservisten. Spätestens seitdem Clement entlassen wurde, fehlt Sanches auch bei Swansea der Rückhalt, den ein junger Spieler wie er womöglich dringend nötig hätte.

Sanches wollte lieber zu United, Chelsea oder PSG

Wobei Sanches nie wirklich angetan war von einer Ausleihe in die walisische Provinz. Der Spieler sei "anfangs nicht so scharf gewesen", zu Swansea zu wechseln, sagte Clement: "Er dachte, er würde zu Manchester United, Chelsea oder Paris Saint-Germain gehen."

Diese Illusion hatte man dem einstigen Rohdiamanten aber schon in München genommen. "Bayern hat gesagt: 'Dorthin gehst du nicht, es wäre die gleiche Situation, du wirst nicht spielen'", sagte Clement.

Damals hatten die Bosse des deutschen Rekordmeisters wohl schon geahnt, dass der Fußballer Renato Sanches wohl doch nicht für das allerhöchste Level geeignet ist.