Test: Was taugt die Logitech Craft

Felix Knoke
Produktfoto Logitech Craft

Zu den großen Fragen der Computergegenwart zählt für mich noch immer: Warum sind Tastaturen und Mäuse nur so schlecht? Das Problem wird verschärft von meinen sich wandelnden Ansprüchen. Was eine gute Tastatur ist, musste ich alle paar Jahre neu herausfinden:

Lange schwor ich auf die ursolide Gewaltmechanik der IBM Model M, dann musste es eine ergonomische Tastatur sein, dann nahm mir die extrem verdichtete Tastatur des MacBook Pro 2016 meine Geduld für lange Tastenwege und weiche Anschläge.

Heute denke ich mir, ganz pragmatisch: Die Tastatur darf mir so wenig Hindernis wie möglich sein. Sie muss hintergrundbeleuchtet und drahtlos sein, Media- und Sondertasten haben und einen Nummernblock und vor allem: keine auch noch so geringe, spürbare Verzögerung zwischen Anschlag und Eingabe - das ist gar nicht so leicht, Input-Lag vermieste mir zum Beispiel den Spaß an einem Apple-Tastatur-Nachbau von Matias.

Meine Suche nach so einer Tastatur ist noch nicht am Ende. Aber mit der Logitech Craft bin ich der Lösung wenigstens einen Schritt näher gekommen. Nur um dann kurz vor ihr hin- und hergerissen stehen zu bleiben.

Denn einerseits macht diese Tastatur vieles richtig, zum Beispiel fühlt sie sich hervorragend an. Andererseits verhebt sie sich an ihrem Innovationsanspruch und hat - zumindest in der von mir getesteten Revision - erhebliche Schwächen. Ein paar davon kann man als Kinderkrankheiten abtun, ein paar gehen an die Substanz.

Die Tastatur

Die Logitech Craft ist eine flache, hintergrundbeleuchtete, fast ein Kilogramm schwere Tastatur, die drahtlos an bis zu drei oder über USB an einen Computer angeschlossen werden kann. Sie liegt flach, nur um 20 Grad geneigt auf dem Schreibtisch, hat kein Polster und ein sehr geradliniges Layout. Nichts knarzt, klappert oder ächzt.

Für Logitech war das aber nicht Besonderheit genug. Der Drehregler, im Englischen die Krone, soll die Craft im bunten Tastaturangebot hervorstechen lassen. Die Krone ist ein riesiges Mausrad. Über sie soll "die kabellose Premium-Tastatur an den Gegenstand Ihrer Arbeit" angepasst werden können. Das heißt: Je nach gerade benutztem Program kann man sie mit bestimmten Tasten oder Funktionen belegen. "So bleiben Sie konzentriert und werden nicht aus Ihrem kreativen Arbeitsfluss gerissen" heißt es auf der Website. Pustekuchen.

Der Drehregler ist ein eigenes Thema. Dazu gleich mehr. Für diesen Test war mir vor allem die Tastatur an sich wichtig. Und zumindest da ist mein Urteil klar: Sie gibt mir ein sehr gutes Schreibgefühl. Das Tippen auf ihr geht zwar nicht so leicht wie bei der Minimaltastatur meines MacBooks, dafür sind ihre Tastenwege kurz genug, um mit wenig Bewegungen Text auf den Bildschirm zu bekommen. Ihr Geräusch ist eine seltsame Harmonie aus weichen, erdig Anschlagtönen mit einem hellen Klack, nur die Leertaste klingt nach Plastik und quietscht ein wenig. Für mich ergibt sogar das einen schönen Schreibklang, ein wenig Typ Geschäftige Bibliothek. Selbst die dissonante Leertaste unterstreicht letztlich nur den Rhythmus meines Schreibens. Dong-dong-dong-dong-ki-tschack.

Dass die Tasten kreis- oder ovalförmig vertieft sind, gefällt mir - aber das ist Geschmacksache und sollte dringend vorab im Laden erprobt werden. Die Tasten sind außerdem leicht aufgeraut und wirken sehr solide. Wacklige oder schwammige Tasten sind für mich ein Gefühlskiller.

Leider sind die Tasten für meine Hände all zu gleichmäßig verteilt. Etwas mehr Ergonomie statt Design und man müsste Backspace nicht mit stark gespreiztem kleinen Finger jagen. Aber über eine Software wie SharpKeys (Windows) oder Karabiner Elements (macOS) lässt sich so etwas ja leicht ändern. So ist auf meinen Tastaturen Backspace auf Capslock gelegt.

Wie mittlerweile üblich, teilen sich Funktionstasten und Medien- und Spezialtasten eine Tastenreihe: Die Sonderfunktionen decken sich hierbei mit der Tastenreihe des MacBooks. Umgeschaltet wird ebenso über eine Funktionstaste. So kann man die Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung per F6/F7-Taste regeln, ebenso die Lautstärke, Play/Pause, Vorwärts/Rückwärts. Ob F-Taste oder Sondertaste der Standard sein soll, legt man über die mitgelieferte Options-Software fest. ebenso wie ihre Belegung mit Tasten, Shortcuts, Programm-Starts oder Systemfunktionen.

Das Drehrad

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, mir ein Drehrad/Jog Wheel für meine Musikproduktion zu kaufen. Da schien mir das Craft-Rad - die Krone - eine gute Idee.

Die Krone der Craft hat drei Funktionen: Man kann sie drücken, drehen und gedrückt drehen. Das verspricht vielfältige Einsatzweisen. Auch auch wenn ich mich versuche zu zwingen: Es macht keinen Spaß, ich nutze sie nie. Ich wüsste nicht einmal, für was.

Einerseits lässt es sich nur sinnvoll verwenden, wenn ein Programm es gezielt anspricht. Andererseits ist das Drehrad - und das mag paradox klingen - zu nah und weit entfernt vom Rest der Tasten, als dass es sich in meinen Arbeitsfluss eingliedert. Mit dem Mausrad bin ich schneller und genauer. Zumal die Geschwindigkeit der Krone nicht geregelt werden kann (nur, ob sie frei dreht oder gerastert und präzise, lässt sich in der Software einstellen). Da finde ich das "intelligent" zwischen freidrehend und gerastert umschaltende Mausrad meiner Logitech Master 2S viel praktischer und cleverer designt.

Das größte Problem ist aber, dass mir das Rad oft genug im Weg ist. Weil man auch die Hand richtig heben muss, um die Escape-Taste zu erreichen, berührt man all zu oft das Drehrad und löst mit ihm eine ihrer Funktionen aus. Und weil auch die mitgelieferte Options-Software in vielen Belangen nichts taugt, bedeutet das ständig versehentlich ausgelöste Aktionen oder zumindest eine nervige, nicht abschaltbare Einblendung "Lautstärk" - die Funktion des Rades ist wohl so wenig intuitiv, dass es einem sagen muss, was man damit gerade tut... Und weil das Rad extrem sensibel auf jede kleinste Berührung reagiert, keine Deadzone oder dergleichen hat, ist man ständig mit seiner störenden Präsenz konfrontiert. Für eine Tastatur ist das verboten.

Die Hintergrundbeleuchtung

Gleich vorweg: Logitech hat mir in einer Stellungnahme erklärt, warum die Hintergrundbeleuchtung bei mir und anderen frühen Käufern herumspinnen könnte. Dieser - und andere - Fehler dürfte aber in einer neuen Hardware-Version behoben sein. Die drei genannten Gründe klingen allerdings so allgemein, dass sie schwer zu beheben sein dürften.

Jetzt also: Ich weiß nicht, ob es ein Hardware- oder Software-Problem ist. Jedenfalls hakt sogar die - an sich sehr gute - Hintergrundbeleuchtung. So soll sie sich automatisch ein- und ausschalten, wenn sich eine Hand der Tastatur nähert oder sich von ihr entfernt. Tatsächlich funktioniert das zunächst auch. Solange der Computer aber abgeschaltet ist, schaltet sich die Tastatur in Festtagsbeleuchtung - wohl auch ein Grund, dass der Akku nicht lange durchhält. Auch im Dauerbetrieb scheint die Tastatur meine Vorgaben zur Helligkeit nicht abzuspeichern, sondern ändert hin und wieder einmal die Beleuchtung. Sehr störend.

Laut Logitech könnte eine ungünstige Umgebung, zum Beispiel ein metallener Tisch zu Fehlwahrnehmungen des Handsensors führen. Das minütliche Abrufen des Umgebungslicht-Sensors könnte bei Borderline-Lichtverhältnissen zu einem An- und Abschalten der Beleuchtung führen und außerdem springt die Tastatur von der Nutzer-Einstellungen automatisch nach fünf Minuten auf eine Sensor-gesteuerte Beleuchtung um. Auch das kann ungünstiges Verhalten nach sich ziehen. Ich glaube, die letzten beiden Punkte führen bei mir zum erratischen Verhalten. Mir würde reichen, wenn ich den Sensor deaktivieren, die Beleuchtung desintelligent machen und die Sache grundsätzlich selbst in die Hand nehmen könnte. Aber leider gibt das die Options-Software nicht her.

Der Akku

Der 1,5-Ah-Akku ist fest verbaut. Das macht mir Sorgen. Laut Logitech hält er mit aktivierter Hintergrundbeleuchtung "eine Woche" aus, wenn er zwei Stunden pro Tag verwendet wird und "bis zu drei Monate" bei deaktivierter Hintergrundbeleuchtung. Der Hersteller könnte gleich schreiben: Der Akku ist nur eine Notlösung, diese Tastatur muss verkabelt benutzt werden. Bei mir jedenfalls ist sie immerzu eingestöpselt. Blöd: Sie braucht einen USB-Type-C-Anschluss, reicht aber Signale/Energieversorgung nicht vie Pass-thru an weitere Type-C-Geräte weiter. Das heißt, dass sie im Zweifelsfall einen meiner wenigen, wertvollen USB-C-Ports blockiert.

Auf meine Anfrage hat Logitech mitgeteilt, dass der Akku nach 300 Ladezyklen bei 80 Prozent seiner Kapazität angelangt sei und dann immer öfter aufgeladen werden müsse. Ob man die Tastatur nach dem Akku-Ende wegwerfen muss, wird mir hoffentlich noch beantwortet. Wenn die Tastatur nämlich ein Mal pro Tag aufgeladen werden muss, sind in nur einem Jahr 300 Ladezyklen erreicht. Nach zwei, drei Jahren könnte schon Schluss sein mit irgendeinem Drahtlos-Komfort.

Fazit

Ich bin hin- und hergerissen. Es gibt nicht viele gute Tastaturen, die auch noch hintergrundbeleuchtet sind. Und das Schreiben auf der Craft macht mir wirklich Spaß. Mir gefällt auch ihr Gewicht, auch wenn das gegen ein schnelles Wechseln vom verdrahteten Arbeiten am PC zum drahtlosen Schreiben am Fernseher oder Tablet spricht und einen Transport außer Haus sehr erschwert. Aber in meinem Alltag spielt das kaum eine Rolle.

Viele Schwachpunkte der Tastatur fühlen sich wie Kinderkrankheiten an. Von einer 200 Euro teuren "Premium-Tastatur" von einem erfahrenden Tastaturhersteller erwarte ich mir aber mehr. Als Käufer möchte ich mich nicht wie ein Produkttester fühlen.

Numpad

Wie unangemessen diese Probleme sind, dafür steht für mich ein ästhetischer Ausrutscher: Der Pfeil auf der Bild-ab-Taste im Nummernblock zeigt nach oben statt nach unten. Einem Tastaturhersteller darf so etwas nicht passieren, schon gar nicht bei einem Premium-Produkt.

Logitech hat auf Anfrage eingeräumt, dass es sich bei Tastaturen mit der falsch bedruckten Bild-ab-Taste und der quietschenden Leertaste um Probleme handelte, die in einer neueren Hardware-Revision behoben wurden. Auch hätten sie "in mehreren Fällen" von "ungewöhnlichen Geräuschen der Leertaste" gehört und das in der neuen Hardware behoben.

Es lohnt sich also beim eventuellen Tastaturkauf darauf zu achten, dass die Tasten korrekt bedruckt sind und keine störenden Geräusche machen. Das könnte ein Zeichen für ein besseres, dem Preis angemesseneres Produkt, Hardware-Version 2, sein. Auch sollte man bei Gebrauchtware vorsichtig sein. Wer schon eine Craft gekauft hat und die Mängel entdeckt, kann sie in ein neueres Modell umtauschen lassen, beteuerte Logitech.

Ich jedenfalls werde mir wohl - eher notgedrungen - eine Craft kaufen, allerdings im Laden nach vorheriger Inspektion. Ich finde zwar 200 Euro viel zu teuer für so ein Gerät, zumal die Akku-Situation unklar ist. Aber die Hintergrundbeleuchtung, das gute Schreibgefühl und eine für mein Verständnis geringe Eingabeverzögerung sind eben sehr wichtige Argumente für mich. So zufrieden war ich schon lange nicht mehr mit einer Tastatur - und Schreibkomfort ist zumindest für mich als Bildschirmarbeiter essentiell. Da kann ich auch das Drehrad verkraftet, das mir auf dem Weg zur Escape-Taste im Weg ist. Vielleicht finde ich ja sogar doch noch einen Nutzen dafür.

Hätte ich ein paar Wünsche frei: Die Craft ohne Drehregler und Kinderkrankheiten zum halben Preis. Das wäre dann wirklich meine Tastatur. Zumindest solange, bis ich es mir wieder überlege und mich auf die Suche nach etwas Besserem mache.

Logitech Craft