Test Jaguar F-Type P300

feedback@motor1.com (Peter Hoffmann)
Test Jaguar F-Type P300

Schnittiges Cabrio mit neuem Einstiegsmotor

Seit Mitte 2013 ist der Jaguar F-Type als Cabrio am Markt, im Frühjahr 2014 folgte das Coupé. Seitdem gab es den britischen Sportwagen, der im ersten Quartal 2017 ein Mini-Facelift erhielt, ausschließlich mit Sechs- und Achtzylindermotoren – sogar in der bei Jaguar üblichen Topversion SVR mit Allradantrieb und 575 PS. Das alles hat natürlich seinen Preis – der günstigste F-Type ist bisher das Coupé für 68.200 Euro mit 340 PS aus sechs Zylindern.

Künftig ab 59.200 Euro
Trotz der selbstbewußten Einpreisung ist der F-Type das weltweit meistverkaufte Modell der Marke (hätte ich auch nicht gedacht). Doch um noch mehr Kunden für das Auto zu begeistern, werden Cabrio und Coupé ab dem Frühjahr 2018 mit einem Vierzylindermotor angeboten, was den Einstieg jeweils 9.000 Euro günstiger macht als bisher, womit das Coupé fortan ab 59.200 Euro zu haben ist und das Cabrio ab 66.200 Euro. Wir haben das F-Type Cabrio P300 getestet.

300 PS aus vier Zylindern
Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum das Auto P300 heißt? Ganz einfach: „P“, weil es ein Benziner ist (für das englische „Petrol“) und 300, weil es 300 PS hat. Diese Nomenklatur ist neu bei Jaguar. Nehmen wir es vorweg: Diese 300 PS bringen den Wagen dermaßen schnell voran, dass man die größeren Maschinen eigentlich nicht braucht. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h beträgt 5,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h.

In 5,7 Sekunden von null auf 100 km/h
Das V6-Modell heißt übrigens ab sofort P340 – Sie liegen richtig: Es hat 40 PS mehr als der Vierzylinder. Und jetzt raten Sie mal, wie schnell der P340 von null auf Hundert ist! Es sind ebenfalls 5,7 Sekunden, allerdings mit einer manuellen Sechsgang-Schaltung, während der P300 stets mit einem Achtstufen-Automatikgetriebe ausgerüstet wird. Und da der vierzylindrige F-Type zum Beispiel als Cabriolet saftige 52 Kilogramm leichter ist, zeigt sich der Hecktriebler auch entsprechend agil.

Ein kleiner Schalter in der Mittelkonsole
Ich fuhr das Cabrio im bergigen Hinterland auf dem Weg von Nizza nach Saint-Tropez und auf engen kurvigen Bergstraßen noch ein Stück weiter, ungefähr 1,5 Stunden lang. Und was soll ich sagen? Ich hätte es den ganzen Tag lang machen können. Erst recht nach Druck auf einen kleinen Schalter in der Mittelkonsole, der den Sportmodus einschaltet. Dann hängt der F-Type noch gieriger am Gas und kommt dank der flott schaltenden Automatik schnell aus den Hufen. Der Schalter ist allerdings der aufpreispflichtigen R-Dynamic-Variante vorbehalten. Er ist auch für die Klappen im Auspuffstrang zuständig.

Spaß mit offenen Auspuffklappen


Die standfesten Bremsen sorgen auf den bergigen Serpentinenstrecken für ein äußerst sportliches Vorankommen: mit Druck aus der Kurve heraus, die Gerade mit Vollgas entlang und vor der nächsten Kehre wieder in die Eisen – kein Problem, immer wieder. Noch mehr Spaß macht das an der frühlingswarmen Côte d’Azur mit offenem Dach, wenn einem der Fahrtwind durchs Haar streift, und vor allem mit offenen Auspuffklappen, womit sich die vier Zylinder fast nach doppelt so viel anhören – und zwar so, dass es einem auch bei längerer Fahrt nicht auf den Senkel geht.

Manuelles Schalten will geübt sein
Das sportliche Spiel kann noch getoppt werden: Wenn man einmal eine der Schaltwippen hinter dem Lenkrad betätigt, wird auf den manuellen Modus umgestellt. Dann schaltet die Automatik beim Hochdrehen der Gänge nicht etwa – wie bei vielen anderen Sportwagen – automatisch hoch, sondern der Motor läuft in den Drehzahlbegrenzer. Hier ist also einerseits eine gewisse Beherztheit gefragt, andererseits auch ein wenig Fahrkönnen, um immer im optimalen Zeitpunkt zu schalten. So macht Autofahren noch Spaß (allerdings braucht man auch die richtigen Straßen dazu).

Kein Tempomat mit Abstandsradar
Ansonsten nimmt einem der F-Type auch gerne jede Menge Arbeit ab. So finden sich mittlerweile nicht nur die bei Premiumautos üblichen Assistenzsysteme an Bord, wie etwa ein autonomer Bremsassistent, ein Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung und ein adaptiver Geschwindigkeitsbegrenzer. Auch das serienmäßige Navigationssystem arbeitet einwandfrei und schnell – amüsant ist allerdings die deutsche Aussprache von französischen Orts- und Straßennamen, aber das machen andere Systeme wohl nicht besser. Was für den F-Type bedauerlicherweise nicht angeboten wird, ist ein Tempomat mit Abstandsradar und Bremsfunktion.

Guter Federungs- und Abrollkomfort
Sehr gut ist dagegen der Sitzkomfort. Mit einer Körperlänge von 1,93 Meter passe ich noch ganz ordentlich in den F-Type hinein, wenn dazu der (Leichtbau-) Fahrersitz auch ganz nach hinten gestellt werden muss. Auch der Federungs- und Abrollkomfort ist gut, in „Sport“-Stellung und auf sehr schlechten Straßen wird man allerdings schon mal ganz schön durchgeschüttelt, so dass ich dann doch lieber auf „Comfort“ zurückgestellt habe.

Kleiner Kofferraum
Haben Fahrer und Beifahrer ausreichend Platz, so gilt das allerdings nicht fürs Gepäck. Hinter den Sitzen folgt gleich die Schottwand, da kann man also nichts ablegen. Und der Kofferraum – zumindest des Cabrios, wo ja auch noch das Dach hinein verschwinden muss – ist klein und zerklüftet. Zwei Bordtrolleys haben wir mit Müh‘ und Not untergebracht. Dafür entschädigt die HiFi-Anlage von Meridian mit einem perfekten Klang.

Richtig scharf: Die R-Dynamic-Version
Die P300-Modelle unterscheiden sich optisch von den sechszylindrigen Ausführungen durch ein einzelnes, mittig positioniertes Auspuffendrohr. Zugleich heben sie sich durch ein glänzend schwarzes Finish für die vorderen Lufteinlässe, den Frontsplitter, die Lufteinlässe der Haube, die Seitenschweller und den Heckdiffusor ab. Sie stehen serienmäßig auf neu gestylten 18-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die R-Dynamic-Modelle sind unter anderem mit 19-Zöllern bestückt und kosten jeweils 4.800 Euro mehr.

150 PS pro Liter
Der Zweiliter-Turbobenziner aus der sogenannten Ingenium-Baureihe ist nicht nur der stärkste Serien-Vierzylinder in der Geschichte von Jaguar, sondern auch der F-Type-Motor mit der höchsten spezifischen Leistung von 150 PS pro Liter. Im Vergleich zum 340 PS starken F-Type P340 mit V6-Kompressormotor sinkt der Verbrauch nach Angaben von Jaguar um mehr als 16 Prozent auf 7,2 Liter/100 km.

Technisch aufwendiger Vierzylinder
Zu den Besonderheiten des Motors zählen eine elektrohydraulische Verstellung des Hubs der Einlassventile, der erstmals komplett im Zylinderkopfgussteil integrierte Abgaskrümmer und ein Twin-Scroll-Turbolader mit keramischen Lagern. Der elektrohydraulische Ventiltrieb steuert über das gesamte Drehzahlband den Hub der Einlassventile variabel. Der Twin-Scroll-Turbolader reagiert extrem schnell, der Ladedruck wird unmittelbar aufgebaut. Darüber hinaus sollen die mit Einspritzdrücken von bis zu 200 bar arbeitende Direkteinspritzung und die zentral im Brennraum angebrachten Einspritzdüsen eine besonders saubere Verbrennung bewirken.

Wertung

68.200 Euro musste man bisher für den preiswertesten F-Type von Jaguar bezahlen. Dafür gab es einen Sechszylinder-Motor mit Kompressor. Nun gibt es Cabrio und Coupé auch mit Vierzylindermotor und mehr oder weniger identischen Fahrleistungen. Das Beste dabei: 9.000 Euro sind gespart, ohne dass man auf irgendwas verzichten müsste. Mit dem F-Type P300 – so der Name der neuen Varianten – fährt man äußerst sportlich, kann aber auch komfortabel reisen. Wer den 300er wählt, macht garantiert nichts falsch.

  • Antrieb 100%   moderner und kraftvoller Vierzylindermotor harmonisch abgestimmte Achtgang-Automatik
  • Fahrwerk 95%   sportlich straff, aber nicht unkomfortabel Lenkung mit guter Rückmeldung
  • Karosserie 85%   immer noch ein echter Hingucker Kofferraum klein und zerklüftet (Cabrio)
  • Kosten 95%   Einstiegspreis jetzt wesentlich günstiger als bisher vergleichsweise geringer Verbrauch

 

Preisliste


Jaguar F-Type Cabriolet P300
Grundpreis: 66.200 (Coupé: 59.200) Euro AusstattungenPreis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung) Klimaautomatik Serie Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation Serie CD-Radio Serie MP3 Serie Metalliclackierung 1.125 Euro Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie Tempomat Serie Lederausstattung Serie Xenonlicht Serie

 

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Reihenmotor  Zylinder 4  Ventile 4  Hubraum in ccm 1.997  Leistung in PS 300  Leistung in kW 221  bei U/min 1.500-4.500  Drehmoment in Nm 400  Antrieb Hinterradantrieb  Gänge 8  Getriebe ZF Quickshift-Automatik  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.597  Spurweite hinten in mm 1.649  Radaufhängung vorn Aluminium-Doppelquerlenker-Vorderachse  Radaufhängung hinten Aluminium-Doppelquerlenker-Vorderachse  Bremsen vorn 355  Bremsen hinten 325  Wendekreis in m 10,7  Räder, Reifen vorn 245 / 45 / R18  Räder, Reifen hinten 275 / 40 / R18  Lenkung Elektromechanische Servolenkung (EPAS)  Maße und Gewichte Länge in mm 4.482  Breite in mm 1.885 (2.042 mit Außenspiegel)  Höhe in mm 1.308  Radstand in mm 2.622  Leergewicht in kg 1.545  Zuladung in kg 465  Kofferraumvolumen in Liter 207  Tankinhalt in Liter 63  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 250  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,7  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,2  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,8  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,2  CO2-Emission in g/km 163  Schadstoffklasse Euro 6 



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