Darum ist Teslas Technologie für das autonome Fahren so umstritten

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Eines der ersten Dinge, die man über die Full Self-Driving (FSD) Software des Autoherstellers Tesla wissen sollte, ist, dass sie Autos nicht vollständig selbstfahrend macht. Zumindest noch nicht.

Doch die Kontroverse um diese Technologie ist noch nicht zu Ende. Schlechte Leistungen auf der Straße, irreführendes Branding und falsche Versprechungen des Tesla-Chefs Elon Musk haben die 10.000 US-Dollar (umgerechnet 8.600 Euro) teure halbautonome Funktion bei Sicherheitsbefürwortern, Aufsichtsbehörden und Tesla-Besitzern selbst in die Bredouille gebracht.

Dennoch plant Tesla, eine Prototypversion von FSD für Tausende von Fahrern und Fahrerinnen einzuführen. Das wirft die Frage auf, ob das System für den öffentlichen Straßenverkehr sicher genug ist.

Was ist Full-Self-Driving?

Der Autopilot, der zur Standardausstattung von Tesla-Fahrzeugen gehört, ist im Wesentlichen ein Geschwindigkeitsregler mit der zusätzlichen Fähigkeit, Kurven zu fahren und die Geschwindigkeit an das vorausfahrende Fahrzeug anzupassen.

FSD – für Käufer und Käuferinnen gegen eine einmalige Gebühr von 10.000 Dollar oder einem Abonnement von 199 Dollar (umgerechnet 170 Euro) pro Monat erhältlich – bietet zusätzlich die Möglichkeit, automatisch die Spur zu wechseln, auf Autobahnen ein- und auszufahren, Stoppschilder und Ampeln zu erkennen und einzuparken. Es erfordert dennoch die volle Aufmerksamkeit des Fahrers. Tesla will das System im Laufe der Zeit aber verbessern und behauptet, dass seine Fahrzeuge irgendwann völlig autonom sein würden.

Wo liegt das Problem?

Es geht zum Teil um das Branding. Einige Kritiker argumentieren, dass die Übertreibung dessen, was FSD leisten könne, indem es "selbstfahrend" genannt wird, obwohl es das nicht ist, ein Sicherheitsrisiko für Fahrer und Öffentlichkeit darstelle. Ein durchgeführter "Consumer Reports" kam zudem zu dem Schluss, FSD werde seinem Namen nicht gerecht und habe in seinen Tests uneinheitlich abgeschnitten.

Im August wandten sich zwei demokratische US-Senatoren in einem Schreiben an die Federal Trade Commission und äußerten Bedenken hinsichtlich der Darstellung des Autopiloten und FSD durch Tesla. Und im Mai erklärte die kalifornische Verkehrsbehörde, dass sie untersuche, ob Tesla seine Kunden und Kundinnen mit seinen Behauptungen über selbstfahrende Autos illegal in die Irre führe.

Der Autohersteller wurde auch für seine Entscheidung kritisiert, eine Prototypversion von FSD an Tausenden von Tesla-Besitzern auszuprobieren, um das System zu verbessern. Die Beta-Version bietet die Möglichkeit, auf lokalen Straßen zu navigieren. Allerdings zeigen Videos, die im Laufe des letzten Jahres im Internet veröffentlicht wurden, dass noch erhebliche Mängel behoben werden müssen.

Viele Clips zeigen, wie die Beta-Version eindrucksvoll durch komplexe Fahrszenarien navigiert. Aber andere zeigen auch, wie Autos an grundlegenden Fahraufgaben scheitern. Zum Beispiel wurden großen Betonbarrieren oder die Gegenfahrbahn teilweise nicht umfahren. Das Beta-Programm ist eine deutliche Abweichung von der Art von Tests, die von Unternehmen für autonome Fahrzeuge wie Waymo durchgeführt werden, die professionelle Fahrer einsetzen und die Tests auf bestimmte Gebiete beschränken.

Was denken die Besitzer?

Viele Tesla-Besitzer sind voll und ganz mit FSD einverstanden – das zeigt zumindest die Bereitschaft vieler Tesla-Besitzer, die für die Funktion bezahlt und um Teilnahme an den Beta-Tests gebeten haben. Einige von ihnen teilen ihre Erfahrungen enthusiastisch auf YouTube.

Aber andere fühlen sich betrogen, weil sie ein teures Extra gekauft haben, das bei weitem nicht vollständig ist. Und es gibt auch Klagen von ihnen gegen Tesla wegen der Unzulänglichkeiten des FSD. In Tesla-Foren kommentieren Kunden, ob sie das fertige Produkt jemals in ihr Auto bekommen werden.

Ihre Enttäuschung ist verständlich. Musk hat viele Versprechen über Teslas selbstfahrende Technologie gebrochen. Bis Ende 2020, so sagte er, würden eine Million Tesla-Robotaxis auf den Straßen unterwegs sein und Geld für ihre Besitzer verdienen, indem sie autonom Fahrgäste abholten. Der Tesla-CEO selbst stellt nun fest, dass die Autonomie schwieriger zu lösen sei, als er gedacht habe. "Ich hatte nicht erwartet, dass es so schwierig sein würde, aber im Nachhinein ist die Schwierigkeit offensichtlich", twitterte er im Juli.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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