Tesla-Zulieferer stellt sich im Übernahmekampf quer


Im Übernahmekampf um SHW hat der Vorstand des traditionsreichen schwäbischen Automobilzulieferers SHW die Offerte des österreichischen Unternehmers Stefan Pierer in einer ersten Stellungnahme als „nicht angemessen“ abgewiesen. Sobald das offizielle Übernahmeangebot der Pierer Industrie AG vorliege, kündigten Vorstand und Aufsichtsrat der SHW eine detaillierte Stellungnahme mit Empfehlung an die Aktionäre an.

Pierer Industrie besitzt bereits indirekt knapp 19 Prozent der Aktien und bietet seit dem 15. Juni 35 Euro je Aktie von SHW. Der SHW-Vorstand, der damals von dem Übernahmeangebot überrascht wurde, hält das Angebot für zu niedrig und verweist jetzt in einer Mitteilung auf die erwartete positive Entwicklung des Unternehmens.

Ab 2018 will SHW Umsatz und Ertrag deutlich steigern. Dafür werden mehr als 30 Millionen Euro in die Internationalisierung der Pumpenaktivitäten investiert. Der Umsatz 2020 soll daher im Vergleich zu den Zahlen von 2017 um 50 Prozent steigen. Der Aktienkurs von SHW gaben zunächst leicht auf 37,33 Euro nach, liegen aber deutlich über dem Angebotspreis.


Der Vorstand bot Pierer Industries Gespräche an. Pierer gehört zu den wichtigen Industriellen in Österreich mit politischem Einfluss. Er ist unter anderem Chef des Motorradbauer KTM. Der Unternehmer will sich aber erst mit dem schwäbischen Management unterhalten, wenn die Angebotsunterlagen veröffentlicht sind.

Am Stammsitz in Aalen wird dieses Verhalten – so wie die gesamte Übernahme – als unfreundlich empfunden. Bislang hatten die Schwaben eher befürchtet, von chinesischen Investoren übernommen zu werden. Die Anhui ARN Group hält bereits 9,4 Prozent der Aktien. Die Experten der Commerzbank halten es durchaus für möglich, dass ein zweiter Bieter einsteigt. 

Zuletzt kam SHW in die Schlagzeilen, als Tesla zu Jahresbeginn einen Großauftrag von über 100 Millionen Euro für elektrische Achsgetriebepumpen stornierte. Als Grund nannte der Elektropionier Qualitätsprobleme, was SHW umgehend dementierte. Es wurde deshalb nach der Ernennung von Donald Trump zum US-Präsidenten auch über politische Gründe spekuliert.


Im vergangenen Jahr liefen die Geschäfte der Schwaben nicht besonders gut. Bei dem Hersteller von Pumpen, Motorkomponenten und Verbundbremsscheiben ging der Konzernumsatz um 12 Prozent auf gut 400 Millionen Euro zurück.

SHW hatte die Jahresprognose im Juli wegen der Kaufzurückhaltung von Kunden auf die Bandbreite von 410 bis 430 Millionen Euro gesenkt und nicht erreicht. Das bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag mit 43,6 Millionen Euro knapp über dem Vorjahresergebnis.