Tesla verbrennt weiter Geld

Der Elektropionier Tesla gilt vielen als Vorbild. Doch die Kalifornier arbeiten vor dem Einstieg in den Massenmarkt immer noch mit deutlichen Verlusten. Nun werben sie bei Anlegern um frisches Geld.


Statt Öl und Gas verbrennt der Elektropionier Tesla das Geld seiner Anleger. Allein im abgelaufenen zweiten Quartal schrumpften die Barreserven der Kalifornier um 1,16 Milliarden Dollar. Die Ausgaben seien zuletzt auf ein historisches Hoch von 100 Millionen Dollar pro Woche gestiegen, gestand Finanzchef Deepak Ahuja bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen ein.

Denn um die Produktion für das Model 3 aufzubauen, muss Tesla kräftig investieren. Und auch in der Batterieherstellung baut der Elektropionier seine Kapazitäten weiter aus. Darum braucht Tesla nun frisches Geld. An diesem Montag kündigten die Kalifornier an, Unternehmensanleihen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ausgeben, die in acht Jahren fällig werden. Damit wolle man sich einen Puffer für die Produktion des Model 3 schaffen, teilte das Unternehmen mit.

Bis Donnerstag gehen Vertreter von Tesla auf „Roadshow“, um bei Investoren für die Anleihe zu werben. Erst danach ist mit der Platzierung zu rechnen. Tesla hat zwar schon Wandelanleihen begeben, also Anleihen, die Investoren in Aktien tauschen können, eine herkömmliche Anleihe von Tesla gab es bislang aber nicht. Und Werbung bei den eher konservativen Anleiheinvestoren, denen es vor allem darauf ankommt, dass sie ihr Geld am Ende der Laufzeit zurückbekommen, ist nötig, denn Tesla ist ein schwacher Schuldner.


Obwohl sich der Umsatz im zweiten Quartal nahezu verdoppelte, fuhr Tesla einen Verlust von 336 Millionen Dollar ein. Insgesamt hat das Unternehmen jetzt nur noch gut drei Milliarden Dollar Barbeständen in der Bilanz – dem gegenüber stehen Verbindlichkeiten im Wert von fast acht Milliarden Dollar.

Teslas Kreditwürdigkeit ist damit äußerst schwach. Die Ratingagentur Standard & Poor's bewertet sie nur mit der Note „B-“. Demnach ist die Zahlungsfähigkeit selbst bei stabilem Konjunkturumfeld nicht ganz gesichert. Anleihen mit Ratings von „BB+“ bis „C“ oder „D“ bezeichnet man als Junkbonds oder Ramschanleihen.


Hohe Rendite erwartet


Investoren dürften sich dennoch auf den neuen Tesla-Bond stürzen, denn ihr Hunger nach Zinspapieren, die zumindest noch etwas Rendite bringen, ist im Niedrigzinsumfeld groß. Offizielle Hinweise auf die mögliche Rendite wird es erst nach der Roadshow geben. Die Anleihen von US-Unternehmen mit Ratings im Bereich Einfach-B werfen aktuell im Schnitt 3,6 Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsanleihen ab. Daran gemessen müsste der neue achtjährige Tesla-Bond eine Rendite von um die 5,8 Prozent bringen.

Im ersten Halbjahr hat Tesla rund 47.000 Fahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: Der VW-Konzern verkauft weltweit mehr als 110 Mal so viele Autos. Mit Model S und Model X ist Tesla allerdings bislang ausschließlich im Hochpreissegment vertreten. Seine Elektroautos verkauft Tesla derzeit im Schnitt für rund 90.000 Dollar.

Das Model 3 soll dagegen bereits ab 35.000 Dollar erhältlich sein – und Tesla damit zum echten Konkurrenten im Volumengeschäft machen. Dabei liegen aktuell laut Tesla rund 455.000 Vorbestellungen für das elektrische Einstiegsmodell vor. Erste Modelle aus der Serienproduktion wurden bereits an eigene Mitarbeiter übergeben, die das erste massentaugliche Modell von Tesla auf Kinderkrankheiten prüfen sollen.


Um ein Massenhersteller zu werden, muss Tesla seine Produktion massiv hochfahren. Bis 2018 will Tesla-Chef Elon Musk die Produktion auf 500.000 Fahrzeuge steigern, 2020 sollen es schon eine Million sein. Darum baut Tesla in Nevada unter anderem eine große Batteriefabrik, in der günstige Akkus für die eigenen Elektroautos entstehen sollen.

Um die Produktion des Model 3 zu optimieren, hatten die Kalifornier auch den deutschen Mittelständler Grohmann übernommen. Mit dem Einstieg in den Massenmarkt will Tesla perspektivisch auch Gewinne schreiben. Die Investoren an den Aktienmärkten glauben daran. Die Tesla-Aktie ist seit Januar um 67 Prozent gestiegen. Jetzt steht der erste Test von Tesla am Anleihemarkt an.