Tesla: Warum der Top-Leerverkäufer gegen das Unternehmen wettet

Motley Fool Investmentanalyst

Der Bullenmarkt nähert sich seinem Ende. Und der Leerverkäufer Jim Chanos, der berühmt wurde, als er Enrons Niedergang vorausgesagt hat, glaubt, dass Tesla (WKN:A1CX3T) eine der Aktien ist, die richtig abstürzen werden.

Bei einer Veranstaltung in Detroit hat Chanos seine Kritik an CEO Elon Musk und dessen Firma publik gemacht. „Jeder Bullenmarkt hat seine Maskottchen. Tesla ist ein schlimmes Beispiel“, sagte er laut Bloomberg.

Chanos‘ Ruf (und Erfolg) spricht für sich selbst, allerdings werden wir sehen, dass man bei Tesla ebenso gut sehr optimistisch sein kann.

Was stimmt bei Tesla nicht?

Zum einen, so Chanos, verdient das Unternehmen einfach kein Geld. Ihm erscheint das Geschäft strukturell unrentabel: Milliarden für Milliarden ausgeben, um die Produktion bloß so weit zu bringen, dass sie lediglich einen Bruchteil der Produktion der großen Automobilhersteller ausmacht.

Und Chanos hat Recht. Tesla hat bislang kaum einen Gewinn verbucht und hofft, bis zum Ende des Jahrzehnts 1 Million Autos produzieren zu können. Zum Vergleich: Ford hat allein im vergangenen Jahr über 6,5 Millionen Autos verkauft, GM sogar knapp 10 Millionen.

(Tesla-Jünger weisen natürlich darauf hin, dass Tesla der US-Marktführer im Bereich der Elektrofahrzeuge (EVs) ist und darüber hinaus ein wichtiger Akteur im Bereich autonomes Fahren.

Wegen dieser beiden Punkte geht Chanos davon aus, dass sie Wetten gegen Tesla rechtfertigen. Laut Bloomberg: „Was Elon getan hat, war recht einfach: Er machte EVs sexy.“

Jetzt, da die Verbraucher erkannt haben, dass Elektrofahrzeuge großartig sein können, setzen sich aber die anderen Autohersteller durch. Der Chevrolet Bolt von General Motors nimmt im Bereich der selbstfahrenden Technologie Dampf auf. Sogar Googles Mutterschiff Alphabet hat mit Waymo eine starke Präsenz bei autonomen Autos und ist schon lange führend in der Technologie.

Im Laufe der Zeit erweisen sich Teslas Bemühungen, so Chanos, als erschreckend. Nachvollziehbar: Das Unternehmen produzierte weniger als 20 % der für das dritte Quartal 2017 geplanten Model 3 hat die Produktionsziele um rund drei Monate nach hinten verschoben.

Für Chanos ist Teslas Aktie, die in diesem Jahr um rund 60 % gestiegen ist, reif für einen Absturz. Oft lohnt es sich auf John Chanos zu hören. Seit 1985 ist er im Short-Selling unterwegs, indem er Unternehmen identifiziert, deren Aktienkurse so weit angestiegen sind, dass sie für einen Crash prädestiniert sind. Seine Firma, Kynikos Associates, verwaltet rund 4 Milliarden Dollar an Privatkapital.

Ein Unternehmen, das sich auf Wetten gegen Aktien spezialisiert hat, hat oft inverse Renditen gegenüber denjenigen der Konkurrenten. Die letzten Jahre waren für Chanos weniger toll, aber er hat beeindruckende Gewinne für seine Investoren in turbulenten Zeiten erzielt – 19% im Vergleich zu dem Rückgang des S&P 500 von 37 % im Jahr 2008, zum Beispiel.

Chanos hat sich mit Wetten gegen Enron, Commodore International, Conseco, Worldcom und Tyco International einen Namen gemacht. Er hat in den letzten Jahren sogar Geld verdient, indem er gegen die brasilianischen Unternehmen Petrobras und Vale gewettet hat. Es ist eine beeindruckende Liste. Aber auf einem Marktplatz gibt es für jeden Bären einen Bullen.

Die Lanze für Tesla

In krassem Gegensatz zu Chanos‘ Blick auf Tesla steht Ron Baron, der Gründer der gleichnamigen Investitionsfirma. Baron hat sich vergangenes Jahr beim Thema Tesla nicht zurückgehalten.

Letzten Sommer sagte Baron gegenüber CNBC, dass er dachte, dass Teslas Aktienanstieg gerade erst begonnen habe: „Ich denke, dass die [Tesla-Aktie] im nächsten Jahr etwa 500 bis 600 Dollar betragen wird, und ich denke, dass es im Jahr 2020 1.000 Dollar sein werden.“

Ein Jahr zuvor sagte Baron, dass sein Unternehmen dank zwischen 6 und 7 Milliarden Dollar reinholen würde. Die Investition von Baron Capital in Tesla beläuft sich derzeit auf rund 500 Millionen Dollar.

Aber wie genau soll Tesla diese massiven Renditen erwirtschaften? Baron und sein Team glauben, dass Tesla am Ende die Produktionsziele von 1 Million Autos im Jahr 2020 erreicht. Bis dahin erwarten sie, dass Tesla Betriebsgewinnmargen von etwa 10 % erwirtschaften wird. Eine solche Marge wäre zwar höher als die von GM heute, aber Tesla könnte es dank der höheren Bruttomargen schaffen:

GMs Bruttomarge via YCharts

Letztlich verweist Baron auf Musk selber. Er investiere in Menschen, sagte Baron kürzlich gegenüber CNBC. Musks lange Reihe von Erfolgen (einschließlich PayPal) ist ein starker Hinweis darauf, dass er auch Tesla zum Erfolg führen kann. Baron scheint zu denken, dass die Situation an Under Armour erinnert, eine weitere erfolgreiche Investition, die er in den Anfangstagen seiner Firma getätigt hat.

Und wer hat Recht?

Die Uneinigkeit um Teslas Aktien geht weiter. Beide könnten recht haben.

Die US-Börse befindet sich jetzt seit acht Jahren im Bullenmarkt. Wenn der endet, würden Anteile von Tesla, als einer seiner Hauptnutznießer, fast zweifellos fallen – und zwar empfindlich. Aber wenn man weiter in die Zukunft blickt, ist es möglich, dass Baron (der ja von Ultra-Langzeit spricht, wenn er über Tesla oder andere Investitionen befragt wird) seine Milliarden an erwarteten Tesla-Gewinnen erhält.

Für Investoren, die wie Ron Baron an das langfristige Potenzial von Tesla glauben, sind die Aktien von Tesla ein Kauf. Aber man sei gewarnt, dass es, sollte John Chanos recht haben, alles andere als glatt laufen wird.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Sean O'Reilly erschien am 22.12.17 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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