Warum dem Tesla-LKW ein schwerer Kampf bevorsteht

Motley Fool Investmentanalyst

Tesla (WKN:A1CX3T) hat ein Unternehmen aufgebaut, das Produkte herstellt, die seine Kunden gerne kaufen möchten. Es gibt eigentlich keine finanzielle Rechtfertigung dafür, ein 100.000 US-Dollar teures Model S anstatt eines günstigeren Benzin- oder Elektrofahrzeugs zu kaufen, doch das ist nicht der Punkt — Teslas werden verkauft, weil die Leute sie haben wollen.

Der immaterielle Wert ist der Grund, warum Tesla es schwer haben wird, in den LKW-Markt einzusteigen. Der Tesla-LKW muss auf Dollar-Basis nicht nur mit Diesel-LKWs, sondern auch mit vollelektrischen Fahrzeugen von wie Daimlers Freightliner, Volvo (WKN:855689) und Paccars (WKN:861114) Peterbilt und Kenworth konkurrieren. Das ist vielleicht schwieriger, als Elon Musk denkt.

LKW-Käufe werden nicht leichtfertig getätigt

Wenn Käufer die Entscheidung treffen, einen neuen LKW zu kaufen, machen sie eine jahrzehntelange Investition, die vorhersehbare Renditen generieren muss. Die Betreiber sind nicht in der Lage, ihren Betrieb mit neuen Technologien oder einem nicht bewährten Fahrzeug zu riskieren. Tesla wird eine Reihe von seinen LKWs an Unternehmen wie Wal Mart (WKN:860853) und die Lebensmittelkette Loblaw, die 25 Einheiten reserviert hat, verkaufen, doch das Fahrzeug muss sich zuerst bewähren, wenn es kein Nischendasein fristen will. Tesla hat bereits behauptet, dass es den Betreibern Geld spart, doch diese wollen, dass Tesla es auch beweist.

Dass es schwierig ist, die Betreiber dazu zu bewegen, auf neue Technologien umzusteigen, auch wenn die Investition sinnvoll ist, zeigt sich in der jüngeren Geschichte des Erdgases. Clean Energy Fuels (WKN:A0MRJL) und Westport Fuel Systems (WKN:A0Q67T) bauten die Technologie und Infrastruktur auf, um Erdgas zu einem Preis zu liefern, der letztendlich den Betreibern Geld sparen würde. Aber sie sind nie über Nischenmärkte hinausgekommen, weil die Akzeptanz im Vergleich zu den ~260.000 LKWs der Klasse 8, die jedes Jahr in Nordamerika produziert werden, extrem niedrig war.

Wenn Tesla ein offensichtlich überlegenes Produkt zu einem höheren Preis herstellt, kann Tesla in der Lage sein, einen signifikanten Marktanteil zu erlangen. Aber es ist nicht klar, ob Teslas LKW die richtige Wahl für diejenigen LKW-Fahrer ist, die damit tatsächlich ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der Tesla-LKW weist bereits Mängel auf

Jonathon Ramsey von Auto Blog hob eine Reihe von Mängeln im Tesla-LKW hervor. Einige sind mir ins Auge gefallen.

Erstens scheint der Tesla-LKW keine Spiegel zu haben,was das Fahren auf einer Landstraße,in einer Stadt oder das Zurücksetzen in eine Ladestation schwierig, wenn nicht sogar unmöglich machen würde. Musk hat dieses Problem nicht direkt angesprochen, aber bei Tesla denkt man wahrscheinlich, dass Sensoren und Kameras Spiegel ersetzen könnten. Doch glaubst du wirklich, dass ein LKW-Fahrer eher auf Sensoren vertraut als auf seine jahrelange Erfahrung?

Aber Musk hebt den Luftwiderstandsbeiwert von 0,36 Cp als einen der Hauptvorteile des LKWs hervor. Ohne solch einen niedrigen Widerstand hätte der LKW eine viel kürzere Reichweite als die derzeit beworbenen 500 Meilen oder müsste schwerer sein, um diese Art von Reichweite zu erreichen.

Apropos Reichweite, ein typischer LKW hat etwa 1.000 Meilen Reichweite, was bedeutet, dass ein Tesla-LKW wahrscheinlich für kürzere Fahrten oder Transporte in einem kleinen Gebiet verwendet werden würde. Das sind wichtige Märkte, aber sie beschränken die aktuellen Einsatzgebiete. Denk daran, dass kürzere Fahrten auch bedeuten würden, dass mehr Zeit auf begrenzten Parkplätzen oder in Ladestationen verbracht wird, was wiederum Spiegel erfordert, die der Tesla-LKW nicht hat. All das Anhalten und Anfahren reduziert die Reichweite sogar auf unter 500 Meilen, vor allem, wenn die Fahrer jemals erleben wollen, voll beladen in 20 Sekunden von 0 auf 60 Meilen pro Stunde zu kommen.

Ein LKW, der täglich im Einsatz ist und vermutlich mehrmals am Tag aufgeladen wird, würde auch Probleme mit der Batterie haben. Tesla garantiert jetzt unbegrenzte Meilen in den ersten acht Jahren, aber das wäre weniger als 1.000 volle Zyklen unter normalen Fahrbedingungen (~13.500 Meilen pro Jahr). Die Daten von Maarten Steinbuch deuten darauf hin, dass Teslas Model S im selben Zeitraum ca. 10 % seiner Batteriekapazität verliert. Die Powerwall hat eine Garantie von ca. 3.200 Zyklen. Wenn wir von 1,5 vollen Ladungen pro Tag ausgehen und annehmen, dass der LKW 3.200 mal aufgeladen werden könnte, müsste der Tesla-LKW alle 5,8 Jahre die Batterie wechseln. Das ist zusätzlich zu den Kosten des LKWs eine große Ausgabe und könnte die Wirtschaftlichkeit eines Tesla-LKWs erschweren.

Es gibt auch infrastrukturelle Bedenken wie das Fehlen von LKW-Ladestationen landesweit und der Mangel an fachkundigen Mechanikern. Für eine risikoscheue LKW-Industrie wird Tesla mehr als nur einen sexy LKW brauchen – es wird harte Daten benötigen, die beweisen, dass es den Unternehmen Geld spart — und das wird Jahre dauern.

Die Reservierungen sagen nicht viel aus

Ich erwähnte einige der Reservierungen für den LKW, die auf dem Papier beeindruckend klingen. Aber die Reservierung kostet nur 5.000 US-Dollar — ein kleiner Prozentsatz der Kosten eines LKWs. Zudem ist es kostenlose Werbung für Wal-Mart und Loblaw. Darüber hinaus kann die Kaution jederzeit zurückerstattet werden und ist in keiner Weise bindend.

Die Reservierungen sind eigentlich kein Hinweis auf das Interesse am Tesla-LKW. Die Fuhrparkbetreiber werden sicherlich ganz genau aufpassen, aber bis diese Leute einen Tesla-LKW auf der Straße sehen würde ich nicht viele Käufe erwarten.

Kann Tesla tatsächlich einen LKW herstellen?

Selbst wenn Tesla alle oben genannten Fragen beantworten kann, muss Tesla tatsächlich einen LKW zu Industrie-Qualitätsstandards herstellen. Tesla hat bisher nicht bewiesen, dass es auch Massenproduktion kann, und Musk hat eine lange Liste der Verzögerung bei Produkteinführungen vorzuweisen.

Die LKW-Hersteller wissen, dass sie ihre Flotten elektrifizieren müssen und entwickeln eigene Lösungen. Tesla zeigte seine Karten früher als die anderen. Jetzt wissen sie, wo die Messlatte liegt und was sie tun müssen, um Tesla zu schlagen.

Das wird nicht einfach

Bis wir sehen, dass ein Tesla-LKW Hunderttausende Testkilometer zurücklegt, habe ich Vorbehalte gegenüber Effizienz, Sicherheit und Haltbarkeit. Im Moment weiß Tesla nicht, was es im Markt für große Lastwagen nicht weiß, und das Unternehmen wird vielleicht herausfinden, dass die Herstellung von LKWs schwieriger ist, als es scheint.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Clean Energy Fuels, Paccar und Tesla.

Dieser Artikel wurde von Travis Hoium auf Englisch verfasst und am 25.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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