Tesla- und Kobalt-Aktien: Warum für beide im Jahr 2018 massive Kursverluste realistisch sind

Dr. Stefan Graupner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Aktionäre von Tesla (WKN:A1CX3T) und aktuell auch von Kobalt-Aktien konnten mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden sein. Doch was, wenn Tesla mit dem Model 3 wieder nicht abliefert, die Wettbewerber immer stärker werden und Lithium-Ionen-Akkus bald überhaupt kein Kobalt mehr enthalten werden?

JPMorgan rät für Tesla zu short

Dass Tesla mit circa 45 Mrd. Euro Marktkapitalisierung (Stand:13.12.2017) hoch bewertet ist und derzeit immer noch viel Geld verbrennt, steht außer Frage. Dass Elon Musk oft mehr verspricht, als er erfüllen kann, ist auch nicht neu. Dass Tesla zwar Pionier bei Elektroautos war, ist richtig, doch können viele etablierte Autohersteller Elektroautos schon heute besser als Tesla. Selbst beim Autonomen Fahren sehen viele u. a. Audi noch vor Tesla.

Warum sollte ich als Aktionär dann jetzt Aktien von Tesla haben? Das hat sich JPMorgan auch gefragt und Anfang Dezember folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  1. Aktionäre sollen gegen Tesla wetten, da das Unternehmen 2018 neues Kapital benötigen wird.
  2. Die angepeilte Produktion für das Model 3 wird wieder nicht erreicht werden.
  3. Der Wettbewerb wird immer härter.
  4. Tesla verliert Geld mit jedem verkauften Fahrzeug.
  5. Deshalb rechnet JP Morgan 2018 mit einem Kursverfall auf 185 US-Dollar (i. e. mehr als 55 % Kursverlust Stand 13.12.2017).

Das ist eine wirklich harte Empfehlung, die JPMorgan Aktionären nahe legt, doch gibt es immer noch unzählige Tesla-Enthusiasten. Angenommen alle oben erwähnten Vorhersagen treten ein, ist die entscheidende Frage, wie Tesla-Aktionäre dann reagieren werden. Startet ein stärkerer Abverkauf, dann könnte eine Lawine ins Rollen kommen und Tesla tatsächlich massiv einbrechen.

Zudem kommt noch die unsichere Versorgung mit Tonnen an Lithium und Kobalt für die Batterien der Gigafactory hinzu.

Erst Lithium und jetzt ist Kobalt in aller Munde

Der Bedarf an Lithium nehme pro Jahr um 16 % zu, von 175.000 Tonnen im Jahr 2015 auf 775.000 Tonnen im Jahr 2025, rechnen Marktanalysten des US-Unternehmens Morningstar vor. Der Batterieboom beflügelt die Bewertungen von Lithium-Abbaufirmen wie Albemarle, FMC, Galaxy Resources, SQM, Orocobre sowie Tianqi aus China.

Die größten Reserven an Lithium sind in Chile und China zu finden, gefolgt von Argentinien und Australien. Lithium ist ein Leichtmetall, das in Südamerika vorab aus Salzseen gewonnen und anschließend in einem mehrstufigen Verfahren aufbereitet wird. In Australien gewinnen chinesische Firmen Lithium aus Gestein, das Anteile des Leichtmetalls enthält, was teurer und energieintensiver ist.

Die nun am meisten in mobilen Geräten zur Anwendung kommenden Lithiumionen-Akkus funktionieren auf Kobaltbasis. Ihre positive Elektrode (Kathode) besteht aus Kobaltoxid, die negative Elektrode (Anode) aus Kohlenstoff (Graphit). Einer der Hauptvorteile des kobaltbasierten Akkus ist seine hohe Energiedichte.

Das erfolgreichste und in den meisten Elektroautos verwendete System sind Akkus mit einem Kathodenmaterial aus Lithium, Nickel, Mangan und Kobalt (NMC). Solche nickelbasierten Akkus haben neben der höheren Energiedichte auch einen längeren Lebenszyklus und niedrigere Kosten verglichen mit Lithium-Kobaltoxid-Akkus.

Lithiumionen-Akkus verbrauchen derzeit 42 % der globalen Kobaltproduktion. Dabei kommen circa 97 % allen Kobalts als Nebenprodukt von Nickel- und Kupferminen aus Afrika und insbesondere der Demokratischen Republik Kongo, die für Kinderarbeit in diesem Sektor berüchtigt ist.

Wenn Teslas CEO Elon Musk also behauptet, dass alles benötigte Kobalt für die Elektrobatterien seiner Elektroautos aus Nordamerika stammt und stammen wird, dann ist das rein mathematisch unmöglich.

Der für seine Elektroauto-Ambitionen zu Recht gelobte Volkswagen (WKN:766403)-Konzern hatte im September sogar versucht, die zukünftig benötigte Menge an Kobalt in einem 50 Mrd. Euro-Vertrag bis 2025 zu sichern, was ungefähr 30.000 Tonnen Kobalt pro Jahr entspräche. Die Jahresproduktion an Kobalt beträgt heute nur 93.000 Tonnen, sodass sich kein Kobalthersteller darauf einlassen wollte, da scheinbar viele einen echten Kobalt-Engpass erwarten.

Aber wird das wirklich eintreten?

Neue Entwicklungen

Die Anode von Lithiumionen-Akkus wird als ausgereift betrachtet, sodass hier keine signifikanten Verbesserungen erwartet werden. Beim Kathodenmaterial hingegen gibt es große Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen, um hier insbesondere auf das teure Kobalt verzichten und damit die Kosten senken zu können.

Einer kleinen kanadischen Firma ist nun der große Wurf gelungen, denn Nano One Materials (WKN:A14QDY) hat eine Hochvolt-Batterie ohne Kobalt entwickelt. Die Technologie beruht auf vielen Patenten zu Nanopartikeln und deren Nutzung zur Herstellung überlegener Batterien.

Diese Hochvolt-Batterie vereint gleich mehrere Vorteile in sich:

  1. Die Kathode besteht aus Lithium, Nickel und Mangan (kein Kobalt)
  2. Bis zu 50 % höhere Energiedichte als herkömmliche Batterien
  3. Signifikant höhere Lebensdauer als herkömmliche Batterien
  4. Herstellung aus Lithiumcarbonat statt teurem Lithiumhydroxid

Das muss man sich hier einmal klar machen, denn damit können langlebige Batterien mit doppelter Ladungsdichte hergestellt werden. Zudem kann statt Lithiumhydroxid das billigere Lithiumcarbonat in einem bei Raumtemperatur stattfindenden Prozess verarbeitet werden, sodass auch hier Kosten gespart werden können.

Lithiumionen-Akkus ohne Kobalt zum halben Preis von heute sind also keine Utopie, sondern kurz vor dem Durchbruch. Nano One hat dazu vor kurzem eine Pilotanlage fertig gestellt und kann nun industrielle Maßstäbe simulieren, sodass Interessenten vor Ort die Herstellung sowie die physikalischen Parameter erleben können.

Mein Rat an VW deshalb: statt nach Kobaltminen Ausschau zu halten, kauft lieber Firmen mit innovativen Entwicklungen bei Lithiumionen-Akkus und produziert dann eure eigenen und technisch überlegenen Batterien.

Fazit

Über Tesla lässt sich sicherlich streiten, und tatsächlich teilt sich das Lager in etwa gleich viele Befürworter und Gegner. Bei Kobaltaktien jedoch warne ich dringend davor, hier zu viel Geld zu investieren.

Grund ist, dass die Batterietechnik und insbesondere die Verbesserung der Kathode im Fokus der Forschung und Entwicklung stehen und Kobalt daher bald nicht mehr für Elektroautos gebraucht werden könnte.

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Stefan Graupner besitzt Aktien von Nano One Materials. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

Motley Fool Deutschland 2017