Model Y aus Grünheide: Tesla-Käufer beschweren sich Verarbeitung

·Lesedauer: 4 Min.

Vereinzelte Tesla-Kund*innen beschweren sich über die Verarbeitung ihrer Model Y "Made in Germany". Die Qualität dürfte sich aber bald einpendeln.

Die beim
Die beim "Delivery Day" ausgelieferten Model Y haben mehr Feinschliff als üblich bekommen. (Bild: Business Insider)

Für eine Sache musste Tesla in den vergangenen Jahren von der Kundschaft am meisten Kritik einstecken: Die teils nachlässige Verarbeitungsqualität, die in der Preisklasse der Fahrzeuge alles andere als angemessen war. Vor allem die ersten Chargen des populären Model 3 litten unter ungleichmäßigen Spaltmaßen und eher schlecht als recht eingepassten Bauteilen.

Zuletzt hatte der amerikanische Autobauer in Sachen Qualität große Fortschritte gemacht, wozu vor allem die zweite Gigafactory im chinesischen Shanghai beigetragen hatte. Modernste Produktionsanlagen hoben die Qualität des Model 3 auf ein neues Niveau. Damit befand sich Tesla verarbeitungstechnisch auf Augenhöhe mit einem Großteil der klassischen Autobauer.

Die ersten Exemplare wurden nachgebessert

Das neue Werk im brandenburgischen Grünheide sollte den Rückstand auf diesem Gebiet dann gänzlich ausmerzen. Als die deutsche Gigafactory am 22. März endgültig eröffnet wurde und die ersten dreißig Exemplare des lokal gefertigten Model Y Performance makellos vom Band liefen, schien diese Mission geglückt.

Auch der Sachverständige und YouTuber Ove Kröger zeigte sich von der hohen Qualität des deutschen Model Y beeindruckt. Das von ihm getestete Fahrzeug gehörte zu den 30 ersten Exemplaren, die in Anwesenheit von Elon Musk ausgeliefert wurden.

Wie das News-Portal Teslamag berichtet, hatte der Elektroauto-Pionier den bei der Veranstaltung anwesenden Autos jedoch einen extra Feinschliff spendiert, damit sie bei dem Event ein möglichst gutes Bild abgeben. Tesla achtete bei ihnen gründlichst darauf, dass sie makellos ins Rampenlicht rollen und den Kunden in Top-Zustand übergeben werden.

Einer der Käufer hatte laut dem Medium bei anwesenden Tesla-Mitarbeitern nachgefragt, ob die beanstandungsfreie Qualität seines Autos der Norm entspräche. Diese hätten ihm dann von der Sonderbehandlung für den "Delivery Day" erzählt.

Die Mängel erinnern an die frühen Model 3

In der Zwischenzeit wird das Model Y "Made in Germany" aber auch regulär an die europäischen Kund*innen ausgeliefert. Und nicht alle sind von der Qualität ihrer Neuwagen begeistert. Auf Twitter meldete sich der Nutzer @eliursache zu Wort, an dessen Elektro-SUV die gleichen Makel zu finden sind, welche die frühen, unter Zeitdruck im Stammwerk Fremont gebauten Exemplare des Model 3 in Verruf gebracht hatten.

Sowohl die Rückleuchten, als auch die Scheinwerfer sind schief eingepasst, während sich zwischen einigen Karosserieteilen breite sowie ungleichmäßig verlaufende Spalten auftun. "Leider ist die Qualität der deutschen Teslas wirklich nicht gut", beschwert sich der Kunde. Auch wenn er mit dem Model Y seiner eigenen Aussage nach ansonsten zufrieden sei.

Ein anderer Besitzer eines Exemplars aus Grünheide klagte über viele feine Kratzer auf dem schwarzen Lack seines frisch ausgelieferten Autos. Diese seien aber höchstwahrscheinlich nicht bei der Produktion, sondern bei der anschließenden Wäsche des Fahrzeugs entstanden. Vermutlich befanden sich auf der von Tesla dabei eingesetzten Bürste kleine Steinchen oder andere groben Schmutzpartikel.

Probleme dieser Art sind keine Seltenheit

Laut Ferdinand Dudenhöffer, dem Direktor des Duisburger CAR-Instituts, sind Qualitätsprobleme bei neu in Betrieb genommenen Produktionsstätten keine Seltenheit. "Es wird zwar eine Pilotproduktion gefahren, beim Einstellen der vielen Roboter ist es aber durchaus möglich, dass in Einzelfällen noch nachoptimiert werden muss. Das ist eine Erfahrung, die alle Autobauer machen", relativiert der Auto-Experte die Probleme. Die Qualität der ersten Fahrzeuge sei deshalb nicht wirklich aussagekräftig.

Die in der "Nullserie" zur Probe gefertigten Fahrzeuge werden bei anderen Herstellern üblicherweise nicht an die Kundschaft herausgegeben, sondern "verschrottet" sowie bei Tests oder zu Schulungszwecken eingesetzt.

Die Qualität dürfte sich bald einpendeln

Auch der Tesla-Chef Elon Musk höchstpersönlich ist sich der schwankenden Qualität in der Anlaufphase neuer Werke bewusst. In einem Gespräch mit dem Qualitätsexperten Sandy Munro gab er auf Perfektion bedachten Kund*innen Anfang letzten Jahres den Rat, ihre Autos entweder vor Beginn der Produktion zu bestellen, oder abzuwarten, bis die Fertigung einen stetigen Zustand erreicht habe. In der Hochlaufphase, in der sich die Gigafactory Grünheide derzeit offensichtlich befindet, würde es sich nach Musks Aussage schwierig gestalten, auf Details zu achten und diese ordentlich hinzubekommen.

Dudenhöffer glaubt trotz der frühen Negativbeispiele, dass die deutsche Produktionsstätte für Tesla langfristig einen großen Fortschritt in Sachen Qualität darstellen wird. "Ich bin davon überzeugt, dass die dortige Tesla-Qualität nach dem endgültigen Einfahren von Grünheide am höchsten sein wird", meint er auf Anfrage von "Business Insider".

Einerseits läge dies an den wertvollen Erfahrungen, die Tesla in seinen Werken in den USA und in Shanghai gemacht habe. Zweitens seien die Anlagen in Grünheide noch neuer und damit besser. Die Amerikaner hätten zudem eine ganze Reihe kompetenter Manager von den deutschen Autobauern abgeworben. Nach der Ansicht von Dudenhöffer sei bereits Besserung in Sicht: "Ich gehe davon aus, dass es in Grünheide in rund 3 Monaten wirklich rund läuft", gibt der Experte seine Prognose ab.

Im Video: Elon Musk weiht neue Tesla-Gigafabrik in Texas ein

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.