Tesla kämpft weiter mit Produktionsproblemen

Der Elektroautobauer Tesla muss sein Produktionsziel für das Model 3 erneut revidieren. Erst Ende des zweiten Quartals sollen pro Woche 5000 Einheiten des Hoffnungsträgers hergestellt werden. Das hat Konsequenzen.


Und ewig grüßt das Murmeltier: Erst Ende des zweiten Quartals 2018 werden 5000 Einheiten pro Woche des Hoffnungsträgers Model 3 produziert, verspricht Tesla-Chef Elon Musk. Zuletzt war von Ende März die Rede gewesen, ursprünglich war die Zahl schon für Ende 2017 geplant. Die Auslieferungen des mit 35.000 Dollar Startpreis günstigsten Teslas summierten sich im Quartal auf nur 1550 Fahrzeuge. Das liegt am unteren Ende der schon niedrigen Erwartungen der Analysten, die im Schnitt um 4000 Auslieferungen im Quartal geschätzt hatten. Schon bei den anderen Modellen hatte es oft große Verzögerungen gegeben. Die Aktionäre sind daran gewöhnt und halten weiter still. Aber wie lange noch?

Die erneute Streckung der Produktionsziele hat vor allem zwei Konsequenzen. Zum einen wird die Kapitaldecke des Unternehmens stärker strapaziert und zweitens könnten erste Vorbesteller, die ihre 1000 Dollar Anzahlung zurückbekämen, aufgeben und sich Modelle anderer Hersteller kaufen. Vor allem der Volt von Chevrolet erfreut sich in den USA wachsender Beliebtheit.

Musk versucht wie schon früher Probleme als Chancen zu verkaufen: Man werde sich auf „Qualität und Effizienz“ konzentrieren, statt nur „so schnell wie möglich“ Autos zu bauen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Hersteller sein. Analystin Michelle Krebs von Autotrader kommentiert das auch mit dem Hinweis: „Die Produktion steigern mit einem fehlerhaften Produkt wäre einfach nur Wahnsinn.“


Akshay Anand vom Auto-Bewerter Kelly Blue Book begrüßt die Hinwendung zur Qualität und weist daraufhin, dass viele Käufer ohnehin erst mit einer Lieferung Ende 2018 oder 2019 rechneten, was Musk die Chance gebe aufzuholen. Doch die Realität ließe sich nicht wegdiskutieren. „Tesla muss das Model 3 richtig hinbekommen, um als Unternehmen erfolgreich zu werden.“

An der Börse kamen die Neuigkeiten nicht gut an. Die Tesla-Aktie gab nach Handelsschluss um bis zu zwei Prozent nach. Gute Zahlen für die Luxusmodelle S und X konnten den Kurs kaum stützen. Allerdings: Im ganzen Jahr 2017 übertraf der Absatz leicht die Erwartungen.

Insgesamt wurden im Kalenderjahr 2017 von den Modellen S und X 101.312 Fahrzeuge ausgeliefert, was einem Plus von 33 Prozent entspricht. Von Oktober bis Dezember wurden insgesamt 29.870 Autos ausgeliefert – neben den 1550 Model 3 gingen 15.200 Model S und 13.120 Model X vom Band. Der Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem dritten Quartal reichte für einen Rekordabsatz. Daneben, so Tesla in einer Börsenmitteilung, befanden sich im vierten Quartal 2520 Model S und X, sowie 860 Model 3 auf dem Weg zu Kunden.

Tesla weist in der Mitteilung ausdrücklich darauf hin, dass die Absatzzahlen alleine noch keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Finanzergebnisse des abgelaufenen Quartals zulassen. Das gesamte Zahlenwerk wird für den 20. Februar erwartet.


Tesla war mit liquiden Mitteln von 3,5 Milliarden Dollar in das vierte Quartal gestartet und eine der wichtigsten Fragen wird sein, wie viel davon noch übrig sind. Das gibt einen Hinweis darauf, ob eine erneute Kapitalerhöhung vor der Tür stehen könnte. Tesla plant für 2019 die Produktionsaufnahme eines Sattelzuges, für den noch keine Fertigungskapazitäten existieren.

Doch der Lastwagen und der überarbeitete Sportwagen Roadster, die CEO Elon Musk beide im November vorgestellt hat, können auch eine Chance sein, die finanzielle Decke wieder ein Stück mehr zu strecken. Die „Founder“-Edition des Trucks kostet 200.000 Dollar, die bei Bestellung fällig sind, für seine Standard-Lkws verlangt Tesla 5000 Dollar an Vorkasse. Für die limitierten 1000 „Founder“-Roadster wird der Preis von 250.000 Dollar pro Stück schon bei Bestellung komplett fällig. Dafür sollen die Sondermodelle auch als erste ausgeliefert werden.

Je nachdem, wie viele Fahrzeuge geordert werden – bislang ist die Rede von ein paar hundert vorbestellten Lkws, wobei unklar ist, um welche Versionen es sich handelt – könnten damit schnell hunderte Millionen Dollar an zinslosen Krediten zusammenkommen. Allein die Sondermodelle des Luxus-Roadsters würden 250 Millionen Dollar in Teslas Kassen spülen, wenn es 1000 Liebhaber des Supersportlers gibt, der jeden Ferrari oder Lamborghini alt aussehen lassen soll. So viele superreiche Tesla-Fans kämen sicher alleine im Silicon Valley und in Hollywood zusammen. Und beim Model 3 hat die Vorkasse-Strategie ja bislang auch geklappt.