Tesla erwartet von Bosch Schadensersatz für rostige Schrauben

Wegen rostiger Schrauben musste Tesla im März rund 125.000 Autos zurückrufen. Im aktuellen Quartalsbericht macht der Elektroauto-Pionier erneut den Zulieferer Bosch für den Rückruf beim Model S verantwortlich. Man erwarte Schadensersatz von den Schwaben.

„Der freiwillige Rückruf von 125.000 Model-S-Fahrzeugen wegen Korrosion der Lenkbolzen betrifft kein Material, für das wir Gewährleistungspflicht haben. Es wird erwartet, dass der Zulieferer schadensersatzpflichtig ist“, heißt es in dem Quartalsbericht von Tesla.

Dabei war Bosch in der Vergangenheit besonders stolz, zu den Zulieferern von Tesla zu zählen. Jetzt wollten sich die Schwaben nicht zu dem Fall äußern. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hierzu keine Angaben machen“, sagte ein Sprecher lediglich. Welche Kosten im Raum stehen, sagte der Sprecher auch nicht.


Offensichtlich scheinen diese auch noch nicht festzustehen. Es könnte allerdings durchaus Gesprächsbedarf zwischen den beiden Unternehmen geben, je nachdem wie die speziellen Spezifikationen des Auftrags aussahen. In der Bilanz, die Bosch in der vergangenen Woche vorgelegt hat, wurden jedenfalls keine speziellen Rückstellungen für den Tesla-Fall gebildet. Zwar wurde die Vorsorge für Rechtsrisiken um 100 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro erhöht. Aber weder Tesla noch der Dieselskandal wurden als Grund für die Erhöhung genannt, sondern ein Kartellfall bei der Hausgeräte-Tochter BSH.

Schon bei Bekanntgabe des Rückrufs schoben die Amerikaner Bosch den Schwarzen Peter zu. Eine Sprecherin bestätigte damals, dass die Servolenkungen von Bosch stammten und das Unternehmen in enger Abstimmung mit Tesla den Rückruf unterstütze.

Schrauben machten in kalten Regionen Probleme

Tesla schrieb damals in einer Nachricht an seine Kunden, dass rostige Schrauben die Servolenkung beeinträchtigen könnten. Das Problem tritt laut Tesla vor allem in kalten Regionen auf, wo oft Salz gestreut werde. „Es hat wegen des Problems keine Verletzungen oder Unfälle gegeben“, hieß es in der Mitteilung. Bei der Maßnahme soll es sich um die bislang größte Rückrufaktion in der Geschichte des Unternehmens handeln.


Betroffen sind laut Tesla Fahrzeuge des Models S Sedan, die vor dem April 2016 gebaut wurden. Allerdings sei das Problem bisher bei lediglich 0,02 Prozent aller potenziell betroffenen Fahrzeuge aufgetreten.

Prinzipiell sind solche Rückrufaktionen in der Autobranche nichts Ungewöhnliches. Die Dimensionen bei Tesla überraschen aber. Seit der Firmengründung haben die Amerikaner 280.000 Autos verkauft. Das heißt: Von dem Rückruf ist fast die Hälfte aller jemals produzierten Fahrzeuge des Konzerns betroffen.

Für Bosch als weltgrößten Autozulieferer ist dieser Fall besonders peinlich. Schließlich trifft es schon wieder die Lenkungs-Sparte. Erst im vergangenen Juni hatte diese Sparte großen Ärger mit dem Kunden BMW, weil die Schwaben wegen fehlender Gussteile eines italienischen Lieferanten Lenkungen an den bayerischen Autobauer nicht liefern konnten. Zeitweise standen deshalb bei BMW die Bänder sogar gänzlich still.