Tesla-Chef Musk bügelt Kritik an seinem Kurs einfach ab

Seine Tweets verursachen den perfekten Sturm, und Elon Musk genießt jede Minute davon. Die Plattform, auf der ihm mehr als 21,9 Millionen Menschen folgen, entwickelte sich zum wichtigsten Kommunikationskanal des Tesla-Chefs. Ungefiltert und direkt bringt der Unternehmer hier seine Botschaft unters Volk. Hier verkündete er auch die größte Reorganisation in Teslas Geschichte.

„Gewinn ist offensichtlich nicht das, was uns motiviert“, heißt es in dem Auszug aus einem internen Memo, das Musk bei Twitter veröffentlichte. Neun Prozent der Mitarbeiter müssen gehen. Das wären mehr als 4000 der rund 46.000 Stellen bei Tesla. Der Schritt sei „schwierig, aber notwendig“, erklärte der Unternehmer dazu in seinem Tweet. Er wolle die Managementstruktur verschlanken und „Bürokratie eliminieren“.

Die Reorganisation soll den Start-up-Spirit bei Tesla aufrechterhalten, aber auch die Kosten senken. Der E-Autobauer kämpft seit Monaten damit, die Produktionsziele des neuen Model 3 zu erreichen. Die Firma verbrennt Geld, statt welches zu verdienen. Der freie Cashflow ist seit sechs aufeinander folgenden Quartalen negativ und belief sich in Teslas letztem Quartalsbericht auf eine Milliarde Dollar.


So kam der Sparkurs an der Wall Street gut an. „Wir glauben, dass Tesla mit der Reorganisation einen messbaren Schritt in die Richtung geht, seine langfristige Zukunft zu sichern“, urteilt Gene Munster von der kalifornischen Investmentfirma Loup Ventures. Dies erhöhe die Chance, dass die Firma schon bald profitabel sein könne. Auch die Investmentbank Evercore ISI bezeichnet den Kostenschnitt als „positive Entwicklung“.

Bewertungen von außen schätzt Musk nur, wenn sie ihm genehm sind. Der 46-Jährige wendet sich über Twitter direkt an seine Fans, ohne den komplizierten Weg über die Journalisten zu gehen, die es auf Tesla abgesehen haben, wie er glaubt. „Die großen Medienunternehmen mit ihrem scheinheiligen moralischen Überlegenheitsanspruch wollen die Wahrheit berichten, überziehen ihre Lügen aber nur mit Zucker“, twitterte der Tesla-Chef Ende Mai.

Vor drei Tagen ließ er wissen, er habe Newsrooms schon besucht, als die meisten der heutigen Reporter zur Highschool gegangen seien, und kenne die Bedingungen des etablierten Pressegeschäfts, das auf Anzeigen von traditionellen Autoherstellern angewiesen sei.


Mit seinen Tiraden hat sich der Tesla-Chef zu einer der mächtigsten Stimmen bei Twitter entwickelt. Allein in den vergangenen sechs Monaten gewann er mehr als fünf Millionen neue Follower hinzu. Musk schart Anhänger um sich, die seine Botschaften eifrig weiterverbreiten.

Die aktuellen Entlassungen bei Tesla beträfen vor allem das mittlere Management und weniger die Arbeiter in Teslas Fabrik in Fremont, ließ Musk wissen. Der Elektroautohersteller habe auch weiterhin einen „bedeutsamen Bedarf an Produktionspersonal“. Tesla sei in den vergangenen Jahren schnell gewachsen, was zu Dopplungen von Rollen und Jobfunktionen geführt habe. Die Mitarbeiterzahl beim Elektrohersteller verzwölffachte sich in den vergangenen fünf Jahren bis Ende 2017 auf knapp 38.000.

Gleichzeitig erreicht Tesla seine selbst gesetzten Produktionsziele nicht: Ende Juni will das Unternehmen 5000 Fahrzeuge pro Woche herstellen, derzeit beläuft sich die Zahl nur auf 3500. „Das sind die qualvollsten, höllischsten Monate, die ich jemals hatte“, erklärte Musk vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung.

Trotzdem: Musk glaubt selbst am besten zu wissen, welcher Kurs der richtige für sein Unternehmen ist. Widerspruch erträgt er immer schwerer. So wie er gegen Journalisten austeilt, die über Produktionsprobleme und Sicherheitsmängel beim Elektroautohersteller Tesla berichten, attackiert er auch Analysten mit kritischen Fragen.

Er fordert Gefolgschaft ein statt Kritik. „Wer nicht 150 Prozent seinem Kurs folgt, ist schon gegen ihn“, erklärt der Raumfahrtexperte Jim Cantrell, der mit Musk in den ersten Jahren von SpaceX zusammenarbeitete.

Auch bei Tesla widerspricht dem Gründer niemand. Er hält um die 22 Prozent der Firmenanteile. Den Antrag von Aktionären, ihm das Amt des Chairman abzunehmen, damit er sich auf den Posten als Tesla-Chef und die schwierige Ausweitung der Produktion des Model 3 konzentrieren kann, schmetterte Musk ab.