Tesla-Chef Elon Musk hält das Geschäft mit Lithium für eine Goldgrube — diese Firmen beschäftigen sich in Deutschland schon mit dem begehrten Rohstoff

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Eine Mitarbeiterin hält in einem Labor der Vulcan Energie vor einem Ionenchromatographen einen Behälter mit Proben in den Händen. Das Unternehmen will im Rheingraben CO2-frei Lithium fördern.
Eine Mitarbeiterin hält in einem Labor der Vulcan Energie vor einem Ionenchromatographen einen Behälter mit Proben in den Händen. Das Unternehmen will im Rheingraben CO2-frei Lithium fördern.

Als Teslas CEO Elon Musk am Mittwochabend die Geschäftszahlen für das erste Quartal verkündete, waren die Augen der ganzen Autoindustrie auf ihn gerichtet. Vor allem von einer Chiffre dürften die etablierten Konkurrenten schwer beeindruckt gewesen sein. Während der Elektroautobauer jahrelang rote Zahlen schrieb und deshalb so einiges an Häme auf sich zog, ist Tesla mittlerweile der profitabelste Massenhersteller der Welt.

Die US-Autobauer können eine Gewinn-Marge von 19,2 Prozent ausweisen und verdienten pro Auto im Schnitt über 10.000 Euro. Damit liegen sie in dieser Disziplin auf Platz zwei aller Autobauer. Laut einer Analyse des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer liegt aktuell nur noch die italienische Luxusmarke Ferrari mit einer Marge von über 25 Prozent (2021) vor Tesla.

Musk gibt Jungunternehmern einen Rat

Doch nicht nur das starke Finanzergebnis ließ bei der Veranstaltung aufhorchen. Musk gab ambitionierten Jungunternehmern einen Ratschlag, der ihnen seiner Meinung nach dabei helfen könnte, noch höhere Gewinnspannen zu erreichen. "Steigt in die Lithium-Branche ein, da gibt es Gewinnmargen von bis zu neunzig Prozent, ähnlich wie die Softwarebranche, das ist wie Geld drucken", sagte der Milliardär.

Da der Absatz von Elektroautos mittlerweile beständig wächst, ist auch die Nachfrage nach dem essenziellen Rohstoff deutlich gestiegen. Lithium ist ein begehrtes Gut, da es in den Zellchemien der Stromspeicher meist den größten Anteil ausmacht und auch bei vielen elektronischen Geräten wie beispielsweise Smartphones oder Laptops unersetzlich ist. Da die internationale Fördermenge bisher noch nicht massiv erhöht werden konnte, ist die Nachfrage größer als das Angebot.

Die Preisspirale kennt nur eine Richtung

Als Resultat hat sich der Preis des leichtesten Metalls innerhalb von rund einem Jahr mehr als vervierfacht. Im Januar 2021 kostete die Tonne noch 17.000 US-Dollar, aktuell sind es rund 78.000 Dollar. Dies macht sich mittlerweile auch bei den Verkaufspreisen der Stromer negativ bemerkbar.

Auch deshalb spielt Elon Musk langfristig mit dem Gedanken, Lithium selbst zu fördern und weiterzuverarbeiten, um ein Stück weit unabhängig vom Weltmarkt zu werden. Um die Preisschwankungen abzudämpfen und die Versorgung zu sichern, hat Tesla im ersten Schritt bereits exklusive Lieferverträge mit einigen Unternehmen getroffen.

Europa kann unabhängiger werden

In der Autobranche ist aber natürlich nicht nur Tesla auf den Rohstoff angewiesen. So gut wie alle anderen Autobauer sehen ihre Zukunft ebenfalls in reinen Elektroautos und suchen deshalb händeringend nach dem Rohstoff. Da auch der VW-Konzern, Mercedes und BMW langsam aber sicher auf die Antriebsart umschwenken, wittern einige Unternehmen auch in Deutschland das große Geschäft mit dem Rohstoff.

Positiver Nebeneffekt: Sowohl die Auswirkungen des Abbaus sowie der Weiterverarbeitung auf die Umwelt als auch die Arbeitsbedingungen können besser kontrolliert werden. Zudem wird die Rohstoffabhängigkeit der hiesigen Autoindustrie von den marktdominierenden Zuliefern aus China auf lange Sicht abgeschwächt. Und die Transportwege werden massiv verkürzt. Das Metall wird nämlich großteils in Südamerika und Australien gewonnen.

"Das weiße Gold aus dem Oberrheingraben"

Vulcan Energy Resources ist wohl der bekannteste Kandidat, da dessen Aktivitäten im Südwesten Deutschlands im vergangenen Jahr mehrfach durch die Medien gingen. Vom "weißen Gold aus dem Oberrheingraben" war begeistert die Rede. Das deutsch-australische Unternehmen hat sich einer gänzlich anderen Art der Lithium-Gewinnung verschrieben, als seine Konkurrenten.

Die deutsche Tochter, Vulcan Energie Ressourcen GmbH, möchte den Rohstoff aus der Thermalsole des Rheingrabens extrahieren. Bei der geothermischen Trocknung soll die Wärme des salzigen Wassers zur Stromproduktion genutzt und somit Energie gespart werden.

Das übriggebliebene Kondensat soll anschließend wieder problemlos dem Grundwasser zufließen können. Das in Karlsruhe ansässige Unternehmen beansprucht daher für sich, dass sein rheinisches Lithiumhydroxid klimaneutral und umweltfreundlich sei.

Vulcan möchte das Lithium in Frankfurt raffinieren

Im vergangenen Dezember hatte die Deutschland-Sparte von Vulcan Energy im pfälzischen Insheim sein erstes Geothermiewerk von einem lokalen Energieversorger erworben. Dort soll eine Pilotanlage entstehen. Anfang dieses Jahres verkündete das Unternehmen die Unterschrift einer Absichtserklärung mit dem deutschen Chemiekonzern Nobian. Bei der erwogenen Partnerschaft geht es konkret um eine gemeinsame Lithium-Raffinerie in einem Frankfurter Chemiepark.

Die europäischen Autobauer zeigen sich von den Plänen von Vulcan Energy begeistert. Sowohl Volkswagen als auch Stellantis und Renault haben großes Interesse an dem "klimaneutralen" Lithium aus Deutschland bekundet und ein Vorkaufsrecht ausgehandelt.

Die Pläne von Vulcan stoßen auf Kritik

Im Herbst 2021 war jedoch heftige Kritik an der Vulcan Energie Ressourcen GmbH laut geworden. Ende Oktober zweifelte ein Shortseller an der Profitabilität und sogar an der Machbarkeit des Projekts.

Die US-amerikanische Investmentgesellschaft J Capital Research behauptete, dass die Kostenprognose zu niedrig angesetzt worden sei und die kommunizierte Menge sowie die Qualität des Lithiums nicht der Realität entsprächen. In einer Analyse des "Handelsblatts" wurde zudem angemerkt, dass die angekündigte Fließgeschwindigkeit und die erwartete Effizienz der Filteranlagen zu hoch gegriffen seien.

Das deutsch-australische Unternehmen konnte die Anschuldigungen zwar vorerst juristisch abwehren. Doch auch innerhalb der Bevölkerung des Umlands kommt vermehrt Widerstand auf. Mehrere Bürgerinitiativen warnen vor Schäden an Gebäuden sowie Rissen in den Straßen.

Das Zurückpressen des Wassers in das Erdreich kann nämlich Erdbeben auslösen. Die bereits bestehenden Geothermiewerke in der Region sollen laut der Bürgerinitiative Geothermie Landau seit 2009 bereits zu 160 Erschütterungen geführt haben.

Im Erzgebirge sollen 125.000 Tonnen schlummern

Im Osten Deutschlands wird bei der Gewinnung des Alkali-Metalls auf klassischen Bergbau gesetzt. In der sächsischen Region Zinnwald wurde in einem alten Bergwerk ein großes Vorkommen des begehrten Metalls entdeckt. Das sächsische Oberbergamt geht davon aus, dass im Erzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, eines der größten Lithium-Vorkommen des ganzen Kontinents schlummert. Der Umfang wird auf 125.000 Tonnen geschätzt.

Die extra dafür gegründete "Deutsche Lithium GmbH" möchte das vorhandene Lithium spätestens ab der Mitte des Jahrzehnts fördern und industriell nutzbar machen. Ursprünglich sollte der Abbau schon 2021 starten, es kam jedoch zu mehreren Verzögerungen aufgrund von Eigentümerwechseln und Veränderungen der Unternehmensstruktur. Als nächster Schritt steht eine Machbarkeitsstudie an, für den Aufbau der Förderung und der Produktion wird jedoch noch zusätzliches Kapital benötigt.

Rock Tech Lithium baut an der polnischen Grenze

Weiter nördlich, im brandenburgischen Guben, plant das kanadisch-deutsche Unternehmen Rock Tech Lithium aktuell die erste Lithium-Raffiniere Europas, dessen Jahresproduktion von etwa 24.000 Tonnen ab 2024 für die Stromspeicher von 500.000 E-Autos reichen soll. Vor allem die hohen Subventionen in der Region sowie die geografische Nähe zur Tesla-Fabrik in Grünheide sollen bei der Standortwahl ausschlaggebend gewesen sein.

Insgesamt möchte Rock Tech in ganz Europa fünf solcher Anlagen bauen. Eine weitere davon soll ebenfalls in Deutschland entstehen. Der genaue Standort der zweiten deutschen Lithium-Fabrik wurde jedoch noch nicht kommuniziert.

Das Rohprodukt stammt aus Kanada

Im Gegensatz zu Vulcan Energy und Deutsche Lithium möchte Rock Tech Lithium das Metall jedoch nicht hierzulande abbauen. Das Unternehmen, welches seinen Hauptsitz in Vancouver hat, führt das Rohmaterial stattdessen aus Kanada ein. In der Region North Ontario wurde eine Mine erschlossen, deren Betrieb laut Aussage des ehemaligen Geschäftsführers Dirk Habecke vergleichsweise umweltschonend sein soll.

Doch auch bei Rock Tech Lithium gibt es gewisse Zweifel. Laut Insidern ist der Zeitplan der Deutsch-Kanadier überambitioniert. Außerdem ist bisher noch kein potenzieller Abnehmer für das Lithium "Made in Germany" bekannt. Dies soll sich laut dem Unternehmen aber noch dieses Jahr ändern.

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