Tesla-Aktie: In 3 Jahren bei 10 Euro oder 1.000 Euro?!

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Die Tesla-Aktie (WKN: A1CX3T) hat sich in 2020 verfünffacht, in den letzten Monaten bewegten sich die Anteile des Elon-Musk-Konzerns aber nur seitwärts (Stand: 27. Oktober 2020).

Die Zukunftserwartungen für die Tesla-Aktie gehen dabei weiterhin stark auseinander. Bären wie Gordon Johnson von GLJ Research sehen die Tesla-Aktie bei einem Kursziel von 40 Dollar. Auf der anderen Seite stehen die Über-Bullen von ARK Invest, die Tesla in 2024 bei 1.400 Dollar je Aktie sehen.

Was ist wahrscheinlicher: Wird die Tesla-Aktie in einigen Jahren zweistellige oder vierstellige Kurse aufweisen? Und werden Anleger fast alles verlieren oder ihr Geld weiterhin vervielfachen?

Tesla-Aktie: Die Bären-Seite

Bärische Analysten, die die Tesla-Aktie pessimistisch sehen, weisen oft auf die fehlende Profitabilität des Unternehmens hin. Und in der Tat: Rechnet man die Erlöse aus dem Verkauf von Emissionszertifikaten heraus, dann hat Tesla bisher in jedem Quartal dieses Jahres Verluste geschrieben.

Auch die Nachfrage nach Teslas Autos ist immer wieder ein Thema. Schließlich verfüge das Unternehmen aktuell gemäß eigener Kommunikation über eine Produktionskapazität von 840.000 Autos im Jahr. Trotz immer wieder stattfindender Preissenkungen würde es dem Unternehmen aber dennoch nicht gelingen, genug Nachfrage zu generieren, um die Fabriken voll auszulasten. Teslas Ziel ist es, dieses Jahr 500.000 Fahrzeuge auszuliefern.

Die vielen Elektro-Angebote der Konkurrenz, die in den nächsten Jahren auf den Markt strömen werden, dürften nach Ansicht von Bären wie Gordon Johnson die Nachfrageprobleme weiter verschärfen und die Wachstumsstory Tesla-Aktie auf den Prüfstand stellen.

Tesla-Aktie: Die Bullen-Seite

Die Tesla-Bullen von ARK Invest nehmen einen eher langfristigen Blickwinkel ein. Sie haben drei Treiber identifiziert, die ihr Kursziel von 7.000 US-Dollar je Tesla-Aktie wahrscheinlich machen.

ARK Invest erwartet, dass die Produktkosten von Tesla – in Einklang mit ökonomischen Gesetzen – in Zukunft deutlich sinken sollten. Damit würde Tesla marktführende Bruttomargen von 40 % erschließen. Im abgelaufenen Quartal stand Tesla bei knapp 28 % Automotive-Bruttomarge. Diese Preissetzungsmacht wird Tesla nach ARK Invests Ansicht haben, da das Unternehmen sich einen bleibenden technologischen Vorsprung erarbeiten wird. Weiteres Potenzial sieht ARK durch Kostensenkungen beim Bau neuer Fabriken.

Der wichtigste Bestandteil von ARK Invests 1.400-Dollar-Kursziel für die Tesla-Aktie ist jedoch das autonome Fahren. Falls Tesla in den nächsten Jahren das autonome Fahren auf Level 5 meistere und eine Uber-artige Plattform für autonome Taxifahrten aufbaue, dann könne die Tesla-Aktie sogar auf bis zu 4.400 Dollar steigen. ARK sieht die Erfolgswahrscheinlichkeit dessen jedoch bei nur 30 %.

Bullen versus Bären: Wer hat recht?!

Ich persönlich würde mich eher bei ARK Invest positionieren. Die fehlende Profitabilität Teslas nach Herausrechnen der Emissionszertifikate stören mich als Besitzer der Tesla-Aktie nicht. Schließlich nutzt Tesla die Erlöse aus deren Verkauf, um seine Produkte einem breiteren Markt anzubieten oder in neue Technologien oder Fabriken zu investieren.

Auch die Preissenkungen machen mich nicht nervös. Es ist Teslas erklärtes Ziel, möglichst günstige Elektroautos anzubieten – auf dem Weg dorthin sind Preissenkungen schlicht eine Notwendigkeit. Ich denke außerdem nicht, dass zusätzliche Elektroauto-Modelle anderer Hersteller Tesla das Wasser abgraben werden. Eher dürften sie den Verbrennern das Wasser abgraben und damit noch mehr Aufmerksamkeit auf E-Auto-Hersteller wie Tesla lenken.

In ARKs Modellrechnung sehe ich die 40-prozentige Bruttomarge kritisch. Aus meiner Sicht dürfte Tesla in Zukunft seine Bruttomargen bei etwa 25 % konstant halten und Kosteneinsparungen durch Preissenkungen an die Kunden weitergeben, um das abgesetzte Volumen zu steigern. Mögliche Treiber hinter einer 40-%-Bruttomarge könnten hohe Softwareerlöse oder eine extrem starke Nachfrage sein, sodass Tesla die Preise gar nicht senken muss, um mit „Vollstrom“ zu produzieren.

Insgesamt denke ich daher, dass Anleger sich bei der Tesla-Aktie Mitte des Jahrzehnts eher auf Kurse über 1.000 Euro freuen dürfen, anstatt sich vor einem Einbruch auf 10 Euro zu fürchten.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla und empfiehlt Uber.

Motley Fool Deutschland 2020