Terry Richardson nach Condé Nast nun auch von Valentino und Bulgari fallen gelassen

Terry Richardson nach Condé Nast nun auch von Valentino und Bulgari fallen gelassen. (Bild: AP Photo)

Nachdem am Montag der Condé-Nast-Verlag erklärt hatte, nicht mehr mit Fotograf Terry Richardson zusammenarbeiten zu wollen, schließen sich jetzt auch die Luxuslabel Valentino und Bulgari an. Mehrere Models hatten dem Fotografen zuvor sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Nach den schweren Anschuldigungen gegen den US-Produzenten Harvey Weinstein, kommen auch in der Modebranche immer mehr dunkle Geheimnisse ans Licht. Fotograf Terry Richardson steht im Zuge dessen ebenfalls im Fokus der Aufmerksamkeit.

Am Montag wurde eine E-Mail von Condé Nasts Vice President, James Woolhouse, im „Telegraph“ veröffentlicht, in der er erklärte „Condé Nast wolle nicht länger mit Fotograf Terry Richardson zusammenarbeiten“. James Woohlhouse, der stellvertretende Vorsitzende des Verlags, habe demnach gefordert, jegliche Zusammenarbeit mit Richardson mit sofortiger Wirkung zu beenden. „Alle Bilder, die bestellt wurden oder die noch nicht gedruckt sind, sollten zerstört und mit neuem Material ersetzt werden“, heißt es in der Mail.

Damit reagiert der Verlag, zu dem unter anderem die einflussreichen Magazine „Vogue”, „Vanity Fair”, „GQ” oder „Glamour” gehören, auf die jüngsten Anschuldigungen zahlreicher Models, wonach Richardson sie während der Zusammenarbeit sexuell belästigt haben soll. Bisher dementiert der Amerikaner die Vorwürfe. Der Boykott würde den Fotografen hart treffen.

Eines gab er allerdings zu: Mit einigen Models hätte er nach dem Foto-Shooting Sex gehabt, sagte aber, dass die Frauen dem immer zugestimmt hätten. Doch da gehen die Aussagen weit auseinander. Bei einigen Models habe Richardson auch Sex gegen Fotojobs getauscht, so die jungen Frauen.

Model Rie Rasmussen hatte ihn 2010 zum ersten Mal beschuldigt, seine Stellung auszunutzen, um junge Frauen zu Nacktfotos und Sex zu bewegen. Das heute 24-jährige Model Charlotte Waters erzählte in einem Interview mit dem Onlinemagazin „Vocativ“, wie sie Richardson im Alter von 19 Jahren während eines Shootings sexuell befriedigen musste. Und auch das britische Model Emma Appleton gab an, Richardson hätte ihr via Facebook einen Job angeboten, wenn sie mit ihm ins Bett ginge.

Nachdem immer mehr Frauen von ähnlich heftigen Erfahrungen mit dem Starfotografen berichten, sagte nun auch ein Pressesprecher von Valentino gegenüber „The Daily Beast“: „Valentinos letzte Kampagne mit dem Fotografen Terry Richardson wurde im Juli 2017 geshootet – es gibt keine Pläne für zukünftige Kampagnen und natürlich nehmen wir die Vorwürfe gegen Terry Richardson ernst.“ Das Label hatte zuvor bekannt gegeben, dass Richardson die „Resort 2018 Kampagne“ fotografieren werde.

Richardson noch als fester Bestandteil der Modewelt: Hier mit seiner Frau „Skinny“ bei der Jeremy Scott Show. (Bild: AP Photo)

Bulgari äußerte sich ähnlich: „Die Kampagne, die mit Terry Richardson gemacht wurde, war eine einmalige Sache, es gibt keine Pläne, wieder mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Ein Sprecher von Richardson erklärte, der Fotograf sei „enttäuscht“ darüber, dass man nicht mehr mit ihm arbeiten wolle, und erklärte weiter, dass Richardson für seine „sexuell explizite Arbeit“ bekannt ist, bei dieser aber alle Beteiligten immer einverstanden waren.

Auch Supermodel Heidi Klum deutete dahin gehende Missstände in der Modeindustrie an: „Ich wünschte, ich könnte sagen, dass diese schrecklichen Geschichten, die ich über Harvey Weinstein gelesen habe, in unserer Gesellschaft eine rare Ausnahme sind, aber das ist einfach nicht wahr. Es wäre naiv, zu glauben, dass so ein Verhalten nur in Hollywood stattfindet.”

Terry Richardson ist unter anderem für Miley Cyrus’ Videoclip zu „Wrecking Ball” verantwortlich, bei dem die Sängerin nackt auf einer Abrissbirne zu sehen ist. Auch Beyoncé, Lady Gaga und Kate Moss standen bereits vor seiner Kamera.

Seit Jahren gibt es bereits schwere Anschuldigungen gegen den Fotografen, der für seine extrem sexualisierten Motive bekannt ist. Bisher kam es aber nie zu einer größeren Untersuchung der Einzelfälle. Richardson bestreitet nach wie vor, je einen Menschen zu etwas gezwungen zu haben.

Mit der Entscheidung, bis auf Weiteres nicht mehr mit Terry Richardson zusammenzuarbeiten, will man bei Condé Nast, Valentino und Bulgari jeden Verdacht ausräumen, sexuelle Belästigung zu dulden.