Terodde schwärmt: "Da wurde jede Grätsche wie ein Tor bejubelt"

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Terodde schwärmt: "Da wurde jede Grätsche wie ein Tor bejubelt"
Terodde schwärmt: "Da wurde jede Grätsche wie ein Tor bejubelt"

Er knipst und knipst und knipst. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch am Tischkicker trifft Simon Terodde wie am Fließband. Mit 3:1 schlägt der Schalke-Stürmer mühelos den SPORT1-Reporter. “Dabei bin ich darin gar nicht so gut”, sagt der 33 Jahre alte Routinier und grinst.

Noch viel besser als am Tischkicker ist er auf dem Platz. An fünf von sechs Schalke-Toren (vier Treffer, ein Assist) war der Torjäger bislang beteiligt. Am Samstag will er mit den Königsblauen im Topspiel gegen Ex-Klub Fortuna Düsseldorf nun die Wende schaffen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur 2. Bundesliga)

SPORT1: Herr Terodde, vor fast vier Monaten sind Sie aus Hamburg nach Schalke gewechselt. Bereuen Sie mittlerweile Ihre Entscheidung?

Simon Terodde: Nein! Es war definitiv die richtige Entscheidung, auch wenn ich mir den Start in die Saison natürlich anders vorgestellt habe. Hier auf Schalke ist ordentlich was los - das gefällt mir. (DATEN: Die Tabelle der 2. Bundesliga)

SPORT1: Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Hamburg, Schalke - in Ihrer Karriere haben Sie bei vielen Traditionsvereinen gespielt. Brauchen Sie diesen Druck?

Terodde: Ich mag es, wenn man positiven Druck hat und das Umfeld ein bisschen hitziger ist. Den Menschen in diesen Städten und Regionen bedeutet der Fußball enorm viel. Gerade bei solchen Traditionsvereinen ist es deshalb wichtig, dass man als Spieler 100 Prozent gibt und an seine Grenze geht. Wir haben auch hier auf Schalke eine gewisse Pflicht den Menschen gegenüber.

Simon Terodde: “Wie eine Heimkehr für mich”

SPORT1: Was zeichnet Schalke aus?

Terodde: Ich bin im Kreis Borken aufgewachsen, da gibt es viele Schalker. Viele Freunde von mir sind heute noch große Schalke-Fans. Nach einem Jahr in Hamburg war es wie eine Heimkehr für mich. Schalke berührt die Menschen, nicht nur hier im Pott, sondern deutschlandweit. Das ist geil. Wir haben eine große Aufgabe und wollen die Fans zufriedenstellen.

SPORT1: Das mit dem Zufriedenstellen klappt noch nicht. Mit nur vier Punkten aus vier Spielen hat S04 einen schwachen Start hingelegt. Worin sehen Sie die Gründe?

Terodde: Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass die Transferperiode bald zu Ende ist. Es ist gut, dass der finale Kader bald steht. In den letzten Wochen und Monaten ist viel passiert in Sachen Zu- und Abgänge. Aber das darf keine Ausrede sein. Wir haben zwei Punkte gegen Aue verloren, das tut extrem weh. Die Pleite in Regensburg darf einfach so nicht passieren - wir haben drei Standard-Tore zugelassen. Das Spiel haben wir analysiert und aufgearbeitet, jetzt geht der Blick nach vorne. Ich bin davon überzeugt, dass wir gegen Düsseldorf ein anderes Gesicht zeigen werden.

Regensburg-Spiel hat was kaputtgemacht

SPORT1: Laut Sportdirektor Rouven Schröder hat es in Regensburg in der Kabine “gescheppert”. Haben Sie als Führungsspieler dazwischengehauen?

Terodde: Ich bin keiner, der nach dem Spiel auf den Putz haut. Ich lasse so eine Niederlage in der Regel 24 Stunden sacken. Wir hatten eine lange Zugfahrt, auf der wir uns natürlich ausgetauscht haben. Wir alle sind uns einig: So etwas darf uns nicht mehr passieren. Wir sind jetzt mehr denn je in der Verantwortung. Am Samstag wollen wir gegen Düsseldorf den ersten Heimsieg feiern.

SPORT1: Man hat den Eindruck, dass die anfängliche Euphorie bei den Fans schon wieder verpufft ist. Sehen Sie das auch so?

Terodde: Wir sind in einer Situation, in der wir höllisch aufpassen müssen. Mit dem Regensburg-Spiel haben wir uns ein bisschen was kaputtgemacht. Die Stimmung war bei unserem ersten Heimspiel gegen den HSV (1:3) wirklich sensationell. Da wurde jede Grätsche wie ein Tor bejubelt - genau das brauchen wir. Gegen Düsseldorf müssen wir den Fans deshalb zeigen, dass Regensburg nur ein Ausrutscher war. Wir müssen die 25.000 Zuschauer am Samstag hinter uns kriegen. Die Fans können unser größtes Pfund sein, ein entscheidender Faktor in jedem Spiel. Sie können auch dem Gegner imponieren. Wir müssen eine Einheit bilden – Mannschaft und Fans. Zuhause können wir den Grundstein für den Aufstieg legen, das bleibt mein persönliches Ziel. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der 2. Bundesliga)

SPORT1: Gegen Regensburg war die Mannschaft erschreckend passiv. Muss es nicht der Anspruch von Schalke sein, das Spiel aktiv zu machen?

Terodde: Ja, das muss es. Es war nicht unser Ziel, gegen Regensburg so passiv zu agieren und sich hinten reindrängen zu lassen. Der Anspruch als Schalke 04 muss sein, den Ball zu haben und dominant aufzutreten.

Terodde mit guten Erinnerungen an Düsseldorf

SPORT1: Sie spielten 2009 für ein halbes Jahr für Fortuna Düsseldorf und sind mit dem Klub in die 2. Liga aufgestiegen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit?

Terodde: Ich habe sehr gute Erinnerungen an Düsseldorf. Das war quasi meine erste Profistation. Ich bin damals von Duisburg in die 3. Liga verliehen worden. Leider habe ich mich damals an der Rippe verletzt und den Aufstieg nur aus dem Krankenhaus verfolgt. Ich habe natürlich nicht mehr ganz so enge Kontakte dorthin, weil ich nur fünf Monate da war.

SPORT1: Sie werden als Kult-Knipser und Mr. 2. Liga gefeiert. In dieser Saison könnten Sie den Torjäger-Rekord in der 2. Liga knacken. Wissen Sie, bei wie vielen Toren Sie gerade stehen?

Terodde: Ganz ehrlich: nein. Ich glaube, dass mich sieben Tore trennen?

Terodde vor Torjäger-Rekord in Liga zwei

SPORT1: Acht Treffer sind es. Sie liegen bei 146 Toren. Dieter Schatzschneider machte zwischen 1978 und 1983 für Fortuna Köln und Hannover 154 Tore. Was würde Ihnen dieser Rekord bedeuten?

Terodde: Ich würde den Rekord schon gerne haben. Es wäre cool, wenn ich am Ende der Karriere auf diese Zahl blicken könnte. Ich kann mich in die Geschichtsbücher eintragen, das würde mich schon stolz machen. Aber insgesamt ist mir etwas anderes wichtig ...

SPORT1: ... der Aufstieg mit Schalke. Ihr Vertrag läuft bis Sommer nächsten Jahres. Sie haben eine Option. Bleiben Sie nur bei Aufstieg?

Terodde: Ich weiß das mit der Option gar nicht so genau. Dazu müsste ich das Interview abbrechen und in meinen Vertrag schauen (lacht).

SPORT1: Wir haben Zeit, schauen Sie gerne nach.

Terodde: Nein, Spaß beiseite. Ich fühle mich gut, und es macht richtig, richtig Spaß hier. Ich will Gas geben und am Ende mit Schalke feiern. Abgerechnet wird am Schluss.

Terodde: “Will vornewegmarschieren”

SPORT1: Dimitrios Grammozis scheint noch nicht das richtige System gefunden zu haben. Welche Formation bevorzugen Sie - Dreier- oder Viererkette?

Terodde: Das System ist mir egal. Ich bin persönlich ein Fan davon, dass die Außenverteidiger offensiv nach vorne schieben und uns als Stürmer unterstützen.

SPORT1: Ihr jüngerer Teamkollege Marius Bülter hat am Donnerstag auf SPORT1-Nachfrage gesagt, dass Sie ein Vorbild für viele Spieler sind. Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle?

Terodde: Natürlich will ich vorwegmarschieren - und zwar nicht nur mit der Leistung am Spieltag, sondern auch unter der Woche im Training. Ein früherer Trainer von mir meinte immer: So wie man trainiert, so spielt man auch! Es ist aber schon so, dass ich auch unter der Woche Gespräche mit den Spielern führe. Insgesamt bin ich aber keiner, der große Töne spuckt - ich will mit Leistung überzeugen.

SPORT1: Sie sind jetzt 33 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch spielen? Können Sie der Claudio Pizarro der 2. Liga werden?

Terodde: Ich will so lange spielen, wie die Knochen halten. Aber der Pizarro der 2. Liga? Das glaube ich nicht. Ich habe ihn ja in Köln live miterlebt. Er ist einmalig. Ich denke nicht, dass ich mit 41 noch Profi bin. Aber zurzeit bin ich fit und habe Spaß. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nach meiner Karriere den Trainerschein mache. Ich liebe es, Fußball-Spiele zu schauen. Ob in der Jugend oder bei den Profis, ich möchte in diesem Bereich bleiben.

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