Vom Tellerwäscher zum Millionär: So ist Flixbus-Chef André Schwämmlein aufgewachsen

Im wahrsten Sinne des Wortes ein grünes Transportmittel: Flix-Gründer André Schwämmlein vor einem seiner Busse. - Copyright: Frederick M. Brown/Getty Images
Im wahrsten Sinne des Wortes ein grünes Transportmittel: Flix-Gründer André Schwämmlein vor einem seiner Busse. - Copyright: Frederick M. Brown/Getty Images

Sie zählt zu den erfolgreichsten deutschen Gründungen und wird inzwischen mit 2,5 Milliarden Euro bewertet: Flix, die Muttergesellschaft der beiden Mobility-Marken Flixbus und Flixtrain.

2012 gründeten André Schwämmlein, Daniel Krauss und Jochen Engert ihre Firma, um Reisen bequemer und günstiger zu machen. Ihr Fernbus-Anbieter entwickelte sich schnell zum Platzhirsch in Deutschland, expandierte in andere Länder und erweiterte 2018 mit dem Start von Flixtrain das Angebot von der Straße auf die Schiene. Vor der Pandemie, im Jahr 2019, beförderte Flix 62 Millionen Passagiere in über 30 Ländern. Im vergangenen Jahr erhielt das Unternehmen eine Finanzspritze von Investoren wie Canyon Partners, Blackrock und General Atlantic, mit der Flix die Übernahme des über 100 Jahre alten und größten US-Fernbusbetreibers Greyhound bezahlte. Nächster geplanter Halt: Marktführerschaft in Amerika.

Im Flashback-Interview verrät uns der 40-jährige Schwämmlein, der inzwischen zu den 500 reichsten Deutschen zählt, was er in seinen Jahren des Erfolgs gelernt hat und warum das 9-Euro-Ticket seiner Meinung nach ein „Strohfeuer” ist.

André, in Interviews sagst du oft, dass deine Eltern deine größten Unterstützer sind. Wie haben sie dich in deiner Kindheit und deinen Jugendjahren geprägt?

Ihr größter Einfluss auf mich war, wie sie ihr Leben geführt haben – das hat mich sicher mehr geprägt als alles andere. Meine Eltern haben sich alles selbst hart erarbeitet, sind als Teenager alleine vom Land nach Nürnberg gezogen, um Geld zu verdienen. Sie haben sich mit großer Disziplin ein Leben, eine Familie und eine Existenz aufgebaut und uns als Kinder dabei immer spüren lassen, dass sie für uns da sind, trotz der vielen Arbeit. Das bewundere ich noch heute und es macht mir bewusst, dass mein Erfolg der letzten Jahre darauf basiert, was mir meine Eltern mit ihrer Arbeit ermöglichen konnten. Ein Studium, das sie sich selbst nicht hätten leisten können und Unterstützung in jeder Situation. Auch wenn es dazu führte, dass sie für uns auf Dinge verzichteten.

Wie warst du charakterlich im Gegensatz zu anderen in deiner Grundschulklasse?

Ich war wohl die meiste Zeit ein ganz normaler Schüler, tendenziell eher Spaßvogel als Streber, eher in der Gruppe als alleine, lieber am Sportplatz als am Schreibtisch. Gegen Ende meiner Schullaufbahn habe ich dann etwas mehr Ehrgeiz entwickelt, etwas zu erreichen und habe auch gerne Verantwortung in der Schule übernommen.

Und später als Teenager?

Ich war jemand, der gerade als Jugendlicher viel gearbeitet hat. Ich habe im Getränkemarkt Pfandflaschen angenommen und Kästen geschleppt, Telefonumfragen an Wochenenden und Feiertagen durchgeführt, Schuhe verkauft und Teller im Restaurant gewaschen. Wenn ich heute ein Glas Wein trinke, weiß ich noch immer, dass ich für dieses Glas früher eine Stunde arbeiten musste.

An welches Kindheitsereignis erinnerst du dich gerne zurück?

An einen gemeinsamen Familienurlaub in Griechenland. Der erste Urlaub, an den ich mich erinnere. Es ist so viel passiert, wir haben auf der Busfahrt vom Flughafen unsere Wertsachen verloren und meine Eltern haben uns nicht spüren lassen, was für eine Belastung das war. Ich erinnere mich an einen Motorradausflug mit meinem Vater in eine kleine Stadt. Zwar kann ich nicht mehr sagen, was wir gesehen haben, aber ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, wie es war, mit ihm alleine unterwegs zu sein. Reisen ist etwas Besonderes und das ist bei mir hängen geblieben.

Was war dein Traumberuf, als du klein warst?

Ich wollte immer Pilot werden. Bestimmt war das eine Mischung aus Bewunderung für den Job, die Freiheit, die damit verbunden ist und weil ich als kleiner Junge dachte, mein Onkel sei Pilot. Tatsächlich ist er Polizist und war damals als Sky Marshall in Flugzeugen unterwegs. Scheinbar ging es mir also nicht so sehr um die tatsächliche Tätigkeit, sondern um das Gefühl, das damit verbunden war.

Vor deiner Gründung warst du fünf Jahre lang bei der Boston Consulting Group in der Beratung tätig. Was hast du in der Zeit über dich und deine Werte gelernt?

In der Beratung kommt man sehr häufig an seine Grenzen, sowohl was die Arbeitsbelastung und Erfahrung, aber auch die analytischen Fähigkeiten angeht. Aus dieser Überforderung lernt man aber unfassbar schnell. Das war eine große Lehre für mich und auch heute gehe ich große Aufgaben ruhig an, in dem Vertrauen, dass es eigentlich immer eine Lösung gibt. Gerade in einer Gründung ist das eine wertvolle Fähigkeit.

Welche Einsichten halfen dir später bei Flix?

Was mir besonders bewusst wurde, ist die Wichtigkeit, das richtige Team zu haben und Projekte gut zu strukturieren. So kann man aus meiner Erfahrung heraus weitaus mehr erreichen, als mit einem größeren Team, das nicht so konsequent auf ein Ziel hinarbeitet.

Mit Fernbusreisen fing 2012 alles an, seit 2018 ist Flixtrain auch auf den Schienen unterwegs.  - Copyright: Flix
Mit Fernbusreisen fing 2012 alles an, seit 2018 ist Flixtrain auch auf den Schienen unterwegs. - Copyright: Flix

Wie hast du dich seit deinem beruflichen Erfolg verändert?

Über die Jahre habe ich der Arbeit sehr vieles untergeordnet – erst im Studium, dann bei BCG und später bei Flix. Heute denke ich viel mehr darüber nach, was ich im Leben noch erreichen will und was mir wichtig ist. Flix ist und wird immer ein großer Teil meines Lebens bleiben, aber ich versuche jetzt auch viel mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben. Das heißt nicht zwingend sehr viel weniger zu arbeiten, aber viel bewusster darüber nachzudenken, wo ich meine Zeit investiere, um für Flix maximal viel zu erreichen und trotzdem noch Menschen um mich herum zu haben, die mir viel bedeuten.

Welchen Rat gibst du gerne anderen Gründerinnen und Gründern?

Bau ein möglichst starkes Team um dich herum auf, um erfolgreich zu sein. Kein Unternehmen wurde in 40-Stunden-Wochen hochgezogen, daher wird jeder unfassbar hart arbeiten müssen. Aber auch kein Unternehmen wird alleine aufgebaut, also such dir das beste Team, um nicht alleine kämpfen zu müssen, sondern gemeinsam.

Flix hat im Herbst das Traditionsunternehmen Greyhound übernommen – wie waren die ersten Monate?

Flix und Greyhound ergänzen sich sehr gut. Flix ist stark, wo Greyhound bisher nicht viel investieren konnte: Technologie und Daten. Während Greyhound eine Marke und ein Netz in den USA mitbringt, was wir sehr schwer selbst hätten aufbauen können. Das Team in Dallas war von Anfang an begeistert jetzt Teil einer globalen Firma zu sein, die ihr Geschäft nicht nur versteht, sondern auch wirklich voranbringen will. Wir haben immer klargemacht, was unsere gemeinsame Vision ist und dass dies jetzt die große Chance ist, gemeinsam dorthin zu kommen.

Und zum Schluss: Deine Meinung zum 9-Euro-Ticket?

Es macht mich traurig, wie wir aktuell Ressourcen verschwenden. Das 9-Euro-Ticket ist ein Strohfeuer und wird nicht nachhaltig zur Verkehrswende beitragen. Dazu verschlingt es Milliarden, die an anderer Stelle fehlen werden – etwa beim Ausbau der Schieneninfrastruktur oder der dringend notwendigen dauerhaften Senkung der Trassenpreise. Ich würde mir mehr Politik wünschen, die ein klares Ziel definiert und dann auch Maßnahmen umsetzt, die dazu führen. Gerade fehlt es an beidem und ich hoffe sehr, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Denn ansonsten wird uns der Umbau für eine nachhaltige Welt nicht gelingen, obwohl wir alle Fähigkeiten hätten, ihn zu schaffen.

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