Telekom wechselt Vorstände trotz laufender Verträge aus

Die Deutsche Telekom tauscht den Chef ihres Sorgenkinds T-Systems, Reinhard Clemens, trotz laufendem Vertrag aus. Er ist nicht der erste, der auf rabiate Weise ersetzt wird.


Aufsichtsratschef Ulrich Lehner und Vorstandschef Timotheus Höttges führen einen rabiateren Stil bei der Besetzung von Vorstandsposten bei der Deutschen Telekom ein: Langjährige Vorstände werden trotz laufender Verträge ausgewechselt, weil plötzlich eine externer Manager als vermeintlich besserer Alternative bereitsteht.

Das jüngste Opfer ist der für das kriselnde Großkundengeschäft verantwortliche Vorstand Reinhard Clemens. Etwas widerwillig hatte der Aufsichtsrat seinen Vertrag erst vor wenigen Monaten noch einmal verlängert, weil Headhunter trotz intensiver Suche bei allen potenziellen Kandidaten abgeblitzt waren. Jetzt hat sich doch noch ein – wie es heißt – „männlicher Topmanager“ gefunden, der die IT-Sparte T-Systems neu aufstellen soll – und Clemens muss trotz aller Treueschwüre seinen Posten zum Jahresende räumen. Das Geschäft der Großkundensparte sei „anhaltend schwierig“ und habe in den vergangenen Jahren trotz aller Bemühungen von Clemens immer wieder hohe Verluste erwirtschaftet, hieß es aus Branchenkreisen. Deshalb habe der Aufsichtsrat jetzt reagiert.

Genauso erging im Juli dem besonders im Mobilfunk sehr erfolgreichen Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. Er muss seinen Vorstandsposten auf Drängen von Lehner und Höttges vorzeitig abgeben, weil sich „gerade ein Zeitfenster für einen Wechsel“ (Lehner) ergeben habe. Sein Nachfolger Dirk Wössner – er kommt vom kanadischen Marktführer Rogers Communications – wäre sonst für einen längeren Zeitraum gebunden gewesen.




Clemens, der fast zehn Jahre im Telekom-Vorstand ist, soll den künftigen Chef noch einarbeiten. Der Neue bringe „die nötige Erfahrung und das Fachwissen mit, um die Transformation von T-Systems konsequent weiter voranzutreiben“, sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Clemens habe dem Unternehmen wichtige Impulse gegeben. Clemens sagte, es sei in den vergangenen Jahren gelungen, T-Systems für die Herausforderungen der Digitalisierung zu wappnen. Allerdings sei noch nicht alles Gewollte erreicht.