Der Tegra X1 von NVIDIA wird gehackt — sollten sich die Investoren Sorgen machen?

Motley Fool Investmentanalyst

NVIDIA (WKN:918422) erzielte 2016 einen großen Erfolg gegen AMD (WKN:863186), als Nintendo (WKN:905551) die Tegra X1 CPUs für die Switch-Konsole auswählte. Das  war überraschend, da AMDs SoCs die PS4 und Xbox One angetrieben haben.

Die Switch war ein Hit bei den Spielern und wurde zu einer neuen Wachstumsquelle für die Tegra-Chips von NVIDIA, die hauptsächlich in den Shield-Geräten und verbundenen Autos installiert waren. Leider könnte die Zukunft von Tegra durch Fusée Gelée gefährdet werden, mit dem die Switch-Nutzer ihre Konsolen mit einem benutzerdefinierten Code modifizieren können.

Fusée Gelée nutzt einen besorgniserregenden Fehler im Nur-Lese-Speicher des Tegra X1 aus. Wenn ein mit dem Tegra betriebenes Gerät im Wiederherstellungsmodus hochfährt und nach angeschlossenen USB-Geräten sucht, ermöglicht es dieser Trick, dass ein angeschlossenes Gerät bis zu 65.535 Bytes an Daten liefert. 65.535 Bytes sind eine winzige Zahl im modernen Computing, aber es reicht aus, die Switch zu „hacken“ und die Installation von benutzerdefinierter Software zu ermöglichen.

Das bedeutet, dass die gehackten Switches eventuell modifiziert werden können, um Emulatoren laufen zu lassen oder raubkopierte Spiele zu spielen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hack auf der Hardware-Ebene nicht mit einem Software-Update gepatcht werden kann.

Welche Chips und Produkte sind betroffen?

Der Trick mit dem Namen Exploit kann auf den Switch-Konsolen, NVIDIA-eigenen Shield-Geräten und dem Pixel-C-Tablett von Alphabet verwendet werden. In einem Sicherheitshinweis weist NVIDIA darauf hin, dass auch andere Geräte mit den „älteren“ Tegra-Prozessoren betroffen sein könnten.

Der Tegra X1 treibt auch Infotainment- und Selbstfahrsysteme von Automobilherstellern wie Audi an. Daher könnte die Vorstellung, dass der Tegra X1 gehackt werden kann, NVIDIA schaden, da das Unternehmen  schwierige Fragen zu Unfällen bei Uber und Tesla beantworten muss – die beide die Hardware des Chipherstellers nutzen.

NVIDIA hat jedoch erklärt, dass Fusée Gelée nicht aus der Ferne für einen internetbasierten Angriff aktiviert werden kann. Stattdessen muss ein Hacker physischen Zugriff auf die Hardware erhalten, um den Exploit zu installieren – daher ist es höchst unwahrscheinlich, dass gehackte Nintendo Switches den Weg zu entführten Fahrzeugen ebnen. NVIDIA sagte auch, dass neuere Chips, wie der Tegra X2 und Xavier, nicht auf die gleiche Weise gehackt werden können.

Wird sich dies auf die Beziehung zwischen NVIDIA und Nintendo auswirken?

Nintendo ist bekanntlich vehement gegen die Softwarepiraterie. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit gegen Modding-Unternehmen, Emulator-Hersteller und Hersteller von Kopier-Hardware geklagt. Das Unternehmen hatte es sogar auf YouTuber abgesehen, die Live-Streams der Spiele ausstrahlten.

Nintendos Piraterie-Bedenken diktierten auch viele der Konsolenentwürfe. Das Unternehmen blieb bei Kartridges für das N64 hängen, als andere Konsolen auf CDs umgestiegen waren, während der GameCube kleinere Discs mit geringerer Kapazität anstelle von Standard-DVDs verwendete.

Die Doppelbildschirme des 3DS, die Bewegungssteuerung der Wii und der hybride Formfaktor der Switch machten es auch schwierig, diese Spiele auf PCs zu emulieren. Einfach ausgedrückt, Nintendo kann nicht glücklich sein, dass der Tegra-Hack es Piraten erlaubt, Emulatoren und raubkopierte Software auf der Switch zu installieren.

Aber das bedeutet nicht, dass Nintendo keine Wahl hat. Das Unternehmen könnte modifizierte Switches vom Zugriff auf Online-Dienste ausschließen, die Nutzerkonten sperren oder sogar die Konsolen aus der Ferne „blockieren“. Nintendo entwickelt auch eine aktualisierte Switch, die einen neueren Tegra-Chip verwendet. Daher ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich Nintendo von NVIDIA trennen wird.

Wie wichtig ist Nintendo für NVIDIA?

Der Umsatz von NVIDIAs Tegra stieg im vergangenen Jahr um 86 % auf 1,53 Milliarden US-Dollar und machte 16 % des Umsatzes aus. NVIDIA gibt nicht bekannt, wie viel dieser Einnahmen von der Switch stammen.

Der Analyst von Bank of America Merrill Lynch, Vivek Arya, schätzt jedoch, dass NVIDIA für jeden an Nintendo verkauften Tegra X1-Chip 40 US-Dollar Umsatz bekommt. Der Industrie-Tracker VGChartz schätzt, dass Nintendo seit der weltweiten Markteinführung im vergangenen März 16,5 Millionen Switches verkauft hat.

Diese Schätzungen deuten darauf hin, dass Nintendo im vergangenen Jahr bis zu 660 Millionen US-Dollar an Einnahmen für NVIDIA generiert hat, was über 40 % der Einnahmen des Tegra im vergangenen Jahr entsprechen würde. Nintendo geht davon aus, dass bis April 2019 37 Millionen Switches verkauft werden können, was bedeutet, dass die Konsole in den nächsten Quartalen ein wichtiger Wachstumsmotor für NVIDIAs Tegra-Geschäft bleiben wird.

Fazit

Der Fusée-Gelée-Hack stellt eine kurzfristige Herausforderung für NVIDIA und Nintendo dar, aber er wird die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen wahrscheinlich nicht beeinträchtigen. Die neueren Tegra-Chips sind nicht betroffen, und beide Unternehmen werden wahrscheinlich Schritte unternehmen, um dem entgegenzuwirken.

Der Hack verdeutlicht jedoch die wachsende Abhängigkeit von NVIDIA von Nintendo und wie die steigenden Verkäufe der Switch die schwächere Nachfrage nach Tegra-Chips von Autoherstellern und anderen Geräteherstellern in Zukunft ausgleichen könnten.

Mehr Lesen

Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphaben (A-Aktien), Alphaben (C-Aktien), NVIDIA und Tesla.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 01.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2018