Tedescos starker Start weckt Schalker Hoffnungen

Sebastian Mittag, Katharina Hosser
Trainer Domenico Tedesco hat auf Schalke große Hoffnungen geweckt

"So leicht wie heute war es noch nie, Bundesliga-Trainer zu werden", hatte SPORT1-Experte Armin Veh zuletzt festgestellt.

Natürlich auch mit Blick auf Schalkes neuen Coach Domenico Tedesco. Der 31-Jährige betreut die Königsblauen nun seit einem Monat. Allein aufgrund seines Alters und seiner fehlenden Bundesliga-Erfahrung ist diese Personalie immer noch eine besondere. 

Tedesco selbst möchte jedoch nicht auf die Rolle des Trainer-Youngsters reduziert werden.

Auf SPORT1-Nachfrage, was er denn zu Vehs Kritik sage, blieb der Deutsch-Italiener am Rande des Trainingslagers im österreichischen Mittersill sachlich: "Da brauche ich nichts zu antworten. Ich glaube, dass die Wege unterschiedlich sein können. Es gibt da kein richtig oder falsch. Jeder weiß selbst, wie viel er in seiner Karriere investiert hat."

Erst der fünfte Profi-Monat

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel wird da schon deutlicher. Die kurze Profi-Erfahrung von lediglich vier Monaten als Cheftrainer beim Zweitligisten Erzgebirge Aue merke man Tedesco "überhaupt nicht" an, sagte Heidel dem kicker:

"Ich behaupte sogar, dass er durch all seine Trainerjahre im Jugendleistungssport mehr Erfahrung in diesem Beruf hat als ein Bundesliga-Spieler mit 300 Erstliga-Partien, der nach dem Trainerlehrgang quasi direkt vom Platz auf die Bank wechselt."


Aus Tedescos Vita lässt sich ein schneller Aufstieg herauslesen: Zwei Jahre in der Jugendabteilung des VfB Stuttgart, zwei Jahre Jugendarbeit bei der TSG Hoffenheim, vier Monate in Aue und dann schon Schalke. 

Lob von Boss Heidel

Nach seinem ersten Monat im Verein fällt die erste Bilanz aller Beteiligten positiv aus.

"Das Bild, das ich von ihm im Kopf hatte, hat sich bisher zu 100 Prozent bestätigt", schwärmt Tedescos direkter Vorgesetzter Heidel.

Es sei "eine Freude, bei den Teamsitzungen dabei zu sein und zu sehen, wie aufmerksam alle Spieler zuhören. Domenico geht auf das kleinste Detail ein. Die neue Gruppe ist in Rekordzeit sehr gut zusammengewachsen."

Schalke-Profi Max Meyer berichtete auf SPORT1-Nachfrage, dass man dem Coach seine Jugend und fehlende Erfahrung im Oberhaus nicht anmerke:

"Man merkt, dass er viel Fachwissen hat, sehr motiviert ist und sehr viel Selbstvertrauen mitbringt", meinte der Jung-Nationalspieler: "Er hat einen Plan von dem, was er sagt. Das kommt sehr gut bei den Spielern an. Jeder ist fokussiert im Training, das ist die Hauptsache. Da spielt das Alter keine Rolle."

Tedesco will mehr Variabilität

Meyer sagte das nach dem 1:0-Sieg im letzten Testspiel des zweiten Schalke-Trainingslagers gegen SD Eibar aus der spanischen Primera Division am Sonntag.

Spielerisch war das schwere Kost, der Siegtreffer fiel durch ein kurioses Eigentor des Gegners aus rund 40 Metern. Technisch und taktisch waren die Spanier eigentlich überlegen, es fällt schwer aus den wenigen stringenten Aktionen der Schalker bereits Tedescos Handschrift herauszulesen.

Grundsätzlich versucht der Coach aber sein Team deutlich variabler zu machen. In den bisherigen Vorbereitungsspielen setzte Tedesco häufig auf eine 3-4-3-Formation, gegen Eibar kam Meyer öfter über den Flügel und nicht so oft in seiner zentralen Lieblingsposition zu Aktionen.

Mann der leisen Töne

"Wir haben mehrere Ideen, mehrere Möglichkeiten", sagte Tedesco nach dem Spiel dazu knapp.

Ein Mann der lauten Töne und forschen Ansagen ist Tedesco ohnehin nicht. In der Analyse nach dem Spiel spricht er leise und bedacht mit den anwesenden Journalisten - fast schon etwas schüchtern. Man merkt: Die große Medienpräsenz rund um Schalke ist noch neu für den Jung-Coach. 

Auf SPORT1-Nachfrage, was denn bei einem Klub wie S04 anders sei, erklärte Tedesco: "Schalke ist natürlich eine Nummer größer. Hat noch mehr Anhänger, noch mehr Drumherum. Auch mehr Journalisten!"