Wie Tedesco Schalke besser macht

Martin Hoffmann
Domenico Tedesco feierte ein erfolgreiches Bundesliga-Debüt für Schalke 04

Ein Superhirn. Mit einem brillanten Plan. Der ein völlig neues Gefühl beim FC Schalke 04 erzeugt hat. Der seinen Klub zu einem "neuen Bayern-Jäger" geformt hat.

Das alles war in den vergangenen Tagen und Wochen zu lesen über Domenico Tedesco, den neuen Schalker Coach. Und das alles zusammen ist sicher etwas zu viel der Ehre für einen Trainer, der gerade mal eben eine Vorbereitung und ein Liga-Spiel mit seinem neuen Klub hinter sich hat.

Aber was will man machen, wenn sein neuer Klub Schalke 04 heißt? Und in diesem einen Ligaspiel keinen Geringeren als den Vizemeister RB Leipzig mit 2:0 abgefertigt hat?

Tedesco hat sich schnell profiliert

Der 31-Jährige hat Aufbruchstimmung in Gelsenkirchen geschürt - mehr als ihm selbst lieb ist. "Die Leidenschaft war der entscheidende Faktor", sagte er. Mit keinem Wort wollte er das Gefühl verstärken, er habe Schalke mal eben völlig neu erfunden.

Hat er nicht, natürlich nicht, wäre auch etwas viel verlangt nach rund sechs Wochen im Amt.

Aber: "Das, was wir geglaubt haben in ihm zu sehen, hat sich in diesen sechs Wochen wirklich bewahrheitet", hielt Schalkes Manager Christian Heidel schon am vergangenen Freitag im SPORT1-Interview fest.

Tedesco scheint nicht der Typ Lehrgangsbester zu sein, der im Bundesliga-Alltag einen Praxisschock bekommt. Er hat sich in seinem neuen, bekanntermaßen recht herausfordernden Job schnell profiliert - in vielerlei Hinsicht.

Heidel: "Auf einmal befassen sie sich mit Taktik"

Einstimmig lobten die Schalker Spieler nach dem Erfolg über Leipzig, wie gut er sie auf das Spiel eingestellt hätte.

Das bestätigte auch Heidel - in einer Art und Weise, die zugleich auch eine Ohrfeige für Tedescos Vorgänger war.

"Die Jungs befassen sich auf einmal mit Taktik, das ist hochinteressant", sagte der Manager. Erste Früchte waren gegen Leipzig zu beobachten: solide Abwehrarbeit, zügiges Umschaltspiel, auffälliger Pass- und Vorwärtsdrang.

Und das obwohl einige Leistungsträger noch gar nicht mitwirken konnten. Sturm-Juwel Breel Embolo saß zwar schon mal auf der Bank, kam aber noch nicht zum Einsatz. Die derzeit verletzten Österreicher Guido Burgstaller und Alessandro Schöpf werden ebenfalls in absehbarer Zeit zurück erwartet.

Tedesco selber betonte lieber die Einstellung, die Disziplin und den Kampfgeist, den die Schalker gegen Leipzig zeigten. Wobei auch das alles ja auch von irgendwem vermittelt werden muss. Im Zweifel vom Trainer.

Unpopuläre Entscheidungen

Tedesco ist einer, der weiß, was er will, der es vor allem auch klar machen und durchziehen kann: Das ist der Eindruck, der sich aufdrängt - auch mit Blick auf seine Personalentscheidungen.

Die Ausbootung von Weltmeister Benedikt Höwedes als Kapitän ist so ein Schritt, der im Misserfolgsfall gegen Tedesco verwendet werden kann. Wie auch die Tatsache, dass er auf Jewgeni Konopljanka baut, trotz dessen öffentlicher Attacken auf Vorgänger Markus Weinzierl, für die ihn andere vom Hof gejagt hätten.

Tedescos Mut zu unpopulären Entscheidungen imponiere ihm, sagte Heidel zu SPORT1. Viel mehr, "als wenn jemand populistisch reagiert und das tut, was die Mehrheit möchte".

Tedesco geht das Risiko ein, aus Überzeugung, dass es sich auszahlen wird. Und es sieht gut aus: Konopljanka ist unter Tedesco plötzlich in einem Formhoch, wie auch Offensiv-Kollege Franco Di Santo.

Noch ist nichts gewonnen

Die Ansätze sind durchweg vielversprechend, dass das nichts heißen muss, wissen sie auf Schalke nur allzu gut.

Vielversprechende Starts hatten schon einige Vorgänger. Ob Tedesco die berüchtigte Schalker Launenhaftigkeit dauerhaft in den Griff bekommt, ist die entscheidende Frage.

Die Konkurrenz wird aufmerksam verfolgen, wie Tedesco sie beantwortet.

Ein Klub mit den Voraussetzungen wie Schalke sie hat, mit einem Trainer, der ihm seine Schwächen austreibt und seine Stärken ausschöpft: Er könnte glatt zur Bedrohung werden.