„Die Technik von Paravan kann uns entscheidend helfen“


Für Matthias Zink ist der Zukauf der „By-wire“-Technologie von Paravan ein wichtiger Schritt, um den Automobilzulieferer Schaeffler auf Elektromobilität und autonomes Fahren vorzubereiten. Für die Branche ist es ein überraschender Zukauf. Es passiert selten in der Autoindustrie, dass ein kleiner Mittelständler mit 180 Beschäftigten einem großen Konzern mit 90.000 Mitarbeitern hilft. Matthias Zink ist bei Schaeffler „CEO Automotive OEM“.

Herr Zink, wie lautet Ihre zentrale Erwartung an den Kauf der Paravan-Technologie?
Wir wollen unseren Chassis-Bereich weiterbringen, eine unserer beiden Kernsparten. Dort werden wir die von Roland Arnold und seinem Unternehmen entwickelte Technik einsetzen.

Geht es nur um neue Lenksysteme?
Ich sehe das weiter gefasst: Im Chassis-Bereich wollen wir die Mechatronik verbreitern und die sogenannte „By-Wire“-Technologie verstärkt einsetzen. Die elektronische Steuerung im Auto beschränkt sich nicht nur auf die Lenkung. Sie kann auch beim Bremsen, beim Gasgeben und in der Fahrwerktechnik eingesetzt werden. Wir erwarten eine Beschleunigung in diesem Markt, auch durch die E-Mobilität und durch das Autonome Fahren. Dabei kann uns die Paravan-Technik entscheidend helfen.

Herr Arnold behält sein eigenes Unternehmen?
Das ist richtig, die Paravan GmbH wird weiterhin ihre Behindertenfahrzeuge produzieren. In dem neu gegründeten Joint Venture werden wir die Paravan-Technik für die Großserienentwicklung und -fertigung verwenden.

Weshalb ist die Paravan-Technik so wichtig für Sie?
Roland Arnold hat seine Technik über Jahrzehnte erprobt und weiterentwickelt. Das ist der große Vorteil. Dazu kommen die globalen Straßenzulassungen, die ganze Technik ist wirklich betriebssicher. Paravan ist auch global vertreten, und liefert zum Beispiel nach Australien und in die USA, das ist ein weiterer Vorteil für uns. Paravan ist ein innovatives Unternehmen, das gut zu uns passt.


Sie werden mit Paravan-Hilfe viel Zeit gegenüber Ihren Wettbewerbern sparen?
Die ganze Sache wird uns um Jahre beschleunigen, das steht außer Frage.

Deshalb nehmen Sie viel Geld dafür in die Hand?
Beide Seiten haben sich darauf verständigt, keine Zahlen zu nennen. Paravan passt einfach gut in unsere Strategie. Das ist für uns ein wertiges Thema, ein hochinteressantes Geschäftsfeld tut sich für uns damit auf.

Haben auch andere Autokonzerne für Paravan geboten? Gab es einen Bieterwettbewerb?
Dazu kann ich nichts sagen. Aber es würde mich wundern, wenn sich andere Unternehmen das nicht auch angesehen hätten. Herr Arnold war auch schon einmal auf der IAA vertreten, man kennt ihn in der Branche.

Welche Produkte können bei Ihnen aus der Paravan-Technik entstehen?
Das sind elektronische Lenksysteme und die dazugehörige Software. Wir wollen also komplette Systeme in diesen Bereichen anbieten. Bei Getrieben und Motoren haben wir so etwas schon im Angebot.

Worin wird jetzt Ihre zentrale Aufgabe bestehen?
Paravan hat sich bislang stärker auf den Prototypenbau konzentriert. Für Schaeffler geht es jetzt darum, aus allen diesen Dingen eine industrielle Großserienfertigung zu machen.

Herr Zink, vielen Dank für das Gespräch.