Tech-Aktien auf 17-Jahres-Hoch


Im iPhone-Jubiläumsjahr bescheren Anleger dem Technologie-Konzern Apple einen weiteren Kursrekord: Nachdem Chef Tim Cook im kalifornischen Cupertino am Dienstagabend (Ortszeit) glänzende Zahlen für das dritte Quartal präsentierte, legte der Kurs der Aktie nachbörslich um bis zu sechs Prozent zu. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 800 Milliarden Dollar hat der Konzern seinen eigenen Rekord vom Mai als teuerstes Unternehmen aller Zeiten erneut geschlagen – und damit einer ganzen Branche zum Höhenflug verholfen.

Für Überraschung sorgte vor allem der deutliche Anstieg bei den iPad-Verkäufen um 15 Prozent, die seit Jahren schwächelten. Der Gesamtgewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahr um fast 12 Prozent nach oben. Die optimistische Umsatzprognose von 49 bis 52 Milliarden Dollar, die Vorstandschef Cook für das kommende vierte Quartal in Aussicht stellte, tat ihr Übriges: Viele Analysten rechnen damit, dass Apple darin bereits die Verkäufe des kommenden iPhone-Modells berücksichtigt hat, das Gerüchten zufolge mit einem Höchstpreis für die Premium-Version von mehr als 1000 Dollar seinerseits auch Rekorde sprengen dürfte. „Apple hat auf allen Ebenen geliefert“, kommentierte etwa Neil Wilson, Analyst bei ETX Capital, gegenüber Reuters.



So viel Euphorie scheint ansteckend: Der anziehende Apple-Kurs ließ auch die Kurse von Tech-Konzernen weltweit in die Höhe schnellen. Die Papiere europäischer Chiphersteller wie Dialog Semiconductor und AMS legten am Mittwoch um 7,1 bzw. 5,4 Prozent zu. Beide Unternehmen sind wichtige Zulieferer von Apple. Titel von Infineon, ASML Holding und STMicro gewannen immerhin bis zu 2,4 Prozent. Insgesamt notierten Technologieaktien so stark wie seit 17 Jahren nicht mehr.

Das ist auch an den asiatischen Märkten zu spüren: LG-Innotek-Aktien gewannen zehn Prozent, SK-Hynix-Titel knapp vier Prozent, Murata-Manufacturing-Papiere knapp fünf Prozent. Der MSCI World Information Technology Index, der die Aktien der größten Technologie-Konzerne der Welt abbildet, erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang 2000 – also kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Der auf europäische Werte fokussierte Stoxx Europe 600 Technology legte im Tagesvergleich immerhin zeitweise um rund 1,4 Prozent zu, während der breitere Euro Stoxx leicht nachgab.

Andere deutsche Zulieferer profitierten dagegen bisher weniger vom jüngsten Apple-Boom: Aktien des baden-württembergischen Maschinenbauer Manz, der Apple mit Anlagen zur Produktion von Displays beliefert, gewannen lediglich knapp 1,3 Prozent. Titel von deutschen Großkonzernen wie Osram oder Henkel, die ebenfalls Apple beliefern, notierten sogar negativ – wohl auch, weil deren Apple-Geschäft einen bedeutend kleineren Teil des Umsatzes ausmacht. Analysten schätzen, dass beispielsweise Dialog Semiconductors (plus 7,1 Prozent) rund drei Viertel seines Umsatzes mit Apple-Produkten generiert.

Folglich blieb der „Apple-Effekt“ außerhalb der Technologiebranche weitgehend aus: Gegen Mittwochmittag stand der Dax 0,18 Prozent tiefer als am Vortag.