Teaser-Königin: So genial vermarktet sich Taylor Swift

Taylor Swift weiß, wie sie ihre Fans neugierig machen kann. (Bild: Getty Images)

„Willst du gelten, mach dich selten“: Dieses Motto scheint sich Taylor Swift gerade zu Herzen zu nehmen – und das mit durchschlagendem Erfolg. Die Sängerin hat sich vor einiger Zeit größtenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, schafft es dabei aber gleichzeitig, immer medial präsent zu sein. Doch neben der funktionierenden Vermarktungsstrategie, hat ihr Verhalten offensichtlich auch ganz persönliche Gründe – ein ungestörteres Privatleben. 

Obwohl sie bei den iHeartRadio Music Awards als „Beste weibliche Künstlerin des Jahres“ ausgezeichnet wurde, ließ sich Taylor Swift nicht bei der Verleihung in Los Angeles blicken. Statt einer persönlichen Dankesrede bekamen ihre Fans lediglich eine Videobotschaft: „Hey Leute, ich möchte mich sehr für diese Auszeichnung bedanken.“ Sie erklärte, dass sie nicht persönlich vor Ort sein könne, da sie gerade für ihre anstehende Tour proben müsse. „Um meine Dankbarkeit zu zeigen, wollte ich euch mein brandneues Video zu meiner neue Single ‚Delicate’ zeigen.“


„Taylors Rede für die Auszeichnung ‚Künstlerin des Jahres’. Sie ist bei den Tourproben, also kann sie nicht dabei sein, aber sie wollte, dass wir das #delicatemusicvideo sehen.“

Die große Videopremiere hatte Swift vorab mit einem Instagram-Video und einer handgeschriebenen Notiz im Netz angekündigt. Durch die Clip-Premiere war sie an dem Abend in aller Munde, ohne anwesend sein zu müssen. Das scheint genau ihrer aktuellen Vermarktungsstrategie zu entsprechen – und nebenbei dringend nötig zu sein, um ein wenig Privatsphäre genießen und sie selbst sein zu können.


Während laut der „Washington Post” unbekannte Quellen immer wieder versichern, dass es ihr mit ihrem Freund, dem Schauspieler Joe Alwyn, gut gehe, werden sie doch recht selten zusammen in der Öffentlichkeit gesehen. Ob Krach in der Beziehung, das genaue Gegenteil, schlichtweg keine Lust auf das Blitzlichtgewitter oder etwas komplett anderes der Grund für ihr rares Erscheinen ist, bleibt jedoch am Ende reine Spekulation.

Keine Spekulation und eine mögliche Erklärung für ihre seltenen Auftritte ist dagegen die versteckte Botschaft in dem Video: Die Prominenz und alle Vorteile, die damit einhergehen, bezahlt man mit einem hohen Preis. Nur abseits der Kameras, so zeigt es die Story in dem Clip, kann sie sie selbst sein. Verkürzt stellt Swift dar, wie eingeschränkt sie als Person in ihrem eigenen Leben ist. Ein strikter Tagesablauf, Fan-Selfies und irre Stalker sind dabei nicht mehr aus ihrem Alltag wegzudenken. Doch als sie plötzlich unsichtbar wird – sich also im übertragenen Sinne außerhalb des öffentlichen Radars bewegt –  findet sie endlich zu sich selbst. Und das verleitet sie zu einem unbeschwerten Tanz.

Auch die kurze Nachricht, die Swift anfangs erhält, gibt Auskunft darüber, was für eine Message hinter„Delicate” steckt. Denn das Briefchen ist offensichtlich von jemandem, den sie wirklich mag, dem ihr Ruf vollkommen egal ist – und der ihr dabei hilft, unsichtbar zu werden und sie selbst zu sein. Es scheint also ganz so, als ob sie die Idee aus dem Video derzeit in die Tat umsetzt.

Genau wie mit der neuesten Single verarbeitet Taylor Swift auch auf dem dazugehörigen Album „Reputation“ die letzten turbulenten Jahre ihres Lebens. Zwar feierte sie mit Hits wie „Shake It Off“ Mega-Erfolge, doch die meiste Zeit war sie nicht durch ihre Musik, sondern durch On-off-Beziehungen zu prominenten Kollegen oder Streitigkeiten mit anderen Stars in den Schlagzeilen – und zog schließlich die Notbremse. Ausgerechnet vor dem Release ihres Albums tauchte sie unter, gab keine Interviews und verzichtete auf die üblichen Promo-Touren. Sie löschte kurzzeitig sogar ihre Social-Media-Accounts.

Ihre ganz eigene PR-Strategie: Twitter, Instagram und Co. sind nur noch dafür da, gezielt ihre Arbeit zu bewerben. Private Schnappschüsse mit ihren Promi-BFFs sucht man derzeit vergeblich. Vor dem Release eines neuen Videos postete sie Fotos oder kleine Videoschnipsel als Teaser, die von der Öffentlichkeit aufgesaugt und analysiert werden. Das wohl beste Beispiel: Vor ihrem großen Comeback postete sie ausgerechnet drei Schlangenvideos – ein Verweis darauf, dass sie zuvor wochenlang im Netz als „Schlange“ beschimpft wurde.


Die Strategie ging auf: Die kryptischen Insta-Clips wurden millionenfach geklickt, die internationale Presse berichtete fleißig. Das Album, das am 10. November 2017 erschien, verkaufte sich allein in den USA in der ersten Woche über 1,2 Millionen Mal. Damit war „Reputation“ bereits kurz nach der Veröffentlichung das meistverkaufte Album des letzten Jahres. Kein Wunder also, dass Swift an dieser erfolgreichen Vermarktungsstrategie festhält. Dank ihrer Abwesenheitserklärung bei den iHeartRadio Music Awards weiß nun auch jeder, dass eine Tour ansteht – das wird den Ticketverkäufen sicher auch nicht schaden.

Bleibt zu hoffen, dass die erfolgreiche Marketing-Strategie, sich rar zu machen, der Sängerin auch persönlich hilft, wieder ein wenig mehr Privatmensch zu sein.

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