Tauziehen um Einreise von Djokovic nach Australien wird zum Politikum

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Novak Djokovic (AFP/William WEST) (William WEST)

Das Tauziehen um die Einreise von Tennis-Star Novak Djokovic nach Australien wird zunehmend zum Politikum: In Serbien führte die Nachricht, dass dem Weltranglistenersten wegen Nichterfüllung der Corona-Einreisebestimmungen die Abschiebung droht, zu einem Aufschrei; Präsident Aleksandar Vucic sprach am Donnerstag von einer "politischen Hetzjagd" auf Djokovic. Bis zu einer am Montag angesetzten Gerichtsverhandlung über einen Einspruch von Djokovic wird der 34-Jährige nun nicht abgeschoben und darf in Australien bleiben.

Australische Grenzschützer hatten dem impfskeptischen Tennis-Star am Mittwochabend (Ortszeit) die Einreise in Melbourne wegen fehlender Dokumente verweigert. Djokovic wurde stundenlang am Flughafen festgesetzt, später wurde er zu einem umstrittenen Hotel gebracht, in das den Behörden auch als Haftanstalt für Migranten dient.

Vukic warf den australischen Behörden bereits am Mittwochabend vor, Djokovic "schlecht zu behandeln". Am Donnerstag sprach der serbische Präsident von einer "politischen Hetzjagd" auf den Tennisstar, "an der sich alle beteiligen" - einschließlich Australiens Premierminister Scott Morrison. Die serbischen Behörden würden alles unternehmen, um Djokovic zu helfen, sagte Vucic weiter. Er kündigte unter anderem ein Gespräch von Regierungschefin Ana Brnabic mit einem hochrangigen Beamten des australischen Einwanderungsministerium an.

Nach Angaben des australischen Grenzschutzes wurde Djokovics Visum für das Land wegen fehlender Nachweise annulliert. Der Tennis-Star, der seinen Impfstatus nicht öffentlich macht und sich wiederholt kritisch gegen Corona-Impfungen geäußert hatte, war in Melbourne gelandet, nachdem er laut eigenen Angaben eine medizinische Ausnahmegenehmigung für die Australian Open erhalten hatte. Demnach sollte er nicht nachweisen müssen, dass er vollständig gegen Covid-19 geimpft ist.

Die Ausnahmegenehmigung, die von den Turnierveranstaltern nach Rücksprache mit zwei medizinischen Gremien erteilt wurde, löste in Australien Wut und Unverständnis aus. Das Land kämpft seit zwei Jahren mit drastischen Einreisesperren und Einschränkungen für alle Bewohner gegen die Pandemie und hatte lange Zeit einige der strengsten Reisebeschränkungen der Welt. Regierungschef Morrison verteidigte das Vorgehen der Grenzschützer. "Regeln sind Regeln und es gibt keine Spezialfälle", sagte er.

Djokovic, der sich bereits mindestens einmal mit dem Coronavirus infiziert hat, legte Einspruch gegen die Entscheidung ein. In einer ersten Anhörung vor einem Richter in Melbourne versicherte Regierungsanwalt Christopher Tran, dass der 34-Jährige nicht vor der nächsten Anhörung abgeschoben werde. Seinerseits machte Richter Anthony Kelly deutlich, dass die Justiz den Fall mit der gebotenen Sorgfalt untersuchen werde. Für eine Teilnahme Djokovics an den am 17. Januar beginnenden Australian Open könnte es somit - unabhängig vom Ausgang des Verfahrens - knapp werden.

Eine buntgemischte Gruppe aus fahnenschwingenden Serben, Impfgegnern und Flüchtlingshelfern versammelte sich am Donnerstag vor dem "Park Hotel", in dem Djokovic untergebracht sein soll. Das Hotel hat einen schlechten Ruf. Derzeit sollen 32 Migranten dort in engen Zimmern untergebracht sein. Sie dürfen das Hotel nicht verlassen, und niemand außer dem Personal darf das Hotel betreten.

Belgrad will die australischen Behörden dazu bringen, Djokovic in dem Haus wohnen zu lassen, das er für die Australian Open gemietet hatte. Vucic bezeichnete das "Park Hotel" als "im wahrsten Sinne des Wortes infam". Er fürchte, dass "diese Art der politischen Hetze" gegen den Tennisstar weitergehen werde, da er auf dem Tennisplatz unbesiegbar sei, fügte der serbische Präsident hinzu.

Auf wenig Mitleid stieß Djokovics Fall hingegen bei seinem Rivalen Rafael Nadal. "Wenn man geimpft ist, kann man bei den Australian Open und überall spielen; und meiner Meinung nach hat die Welt genug gelitten, um sich nicht an die Regeln zu halten", sagte der Spanier. Djokovic habe seine "eigenen Entscheidungen getroffen", sagte er weiter. Dies stehe jedem frei, "aber dann gibt es Konsequenzen".

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