Tausende Schnelltests zu viel abgerechnet: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Test-Firma

·Lesedauer: 1 Min.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Unternehmen MediCan, dem Betrug bei der Abrechnung mit Corona-Tests vorgeworfen wird. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte der "SZ", dass Geschäftsräume und Privatwohnungen im Ruhrgebiet durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt worden seien. Konkret richten sich die Ermittlungen gegen zwei Verantwortliche von MediCan. Das Unternehmen betreibt 54 Testzentren in 36 deutschen Städten.

Wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" zuvor berichteten hatten, soll MediCan eine viel zu hohe Zahl an Tests an das Gesundheitsministerium gemeldet haben, um sich auf diese Weise mehr Geld rückerstatten zu lassen.

Derzeit erhalten Teststationen für jeden durchgeführten Test 18 Euro vom Staat. Der Betrag setzt sich aus sechs Euro Materialkosten für den Test und zwölf Euro für die Personalkosten zusammen. Recherchen von Business Insider zeigten jedoch, dass es dabei kaum effektive Kontrollen für die Testzentren gibt. Im Jahr 2021 hat der Staat bisher über 700 Millionen Euro für solche Tests gezahlt.

Politiker der großen Koalition sprechen sich dafür aus, das Verfahren zu reformieren. So sagte Eckhardt Rehberg (CDU), haushaltspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Business Insider. „Das Testen darf kein unendliches profitables Geschäftsmodell sein.“ Dennis Rohde, der haushaltspolitische Sprecher der SPD, sagte Business Insider, es sei „ein skandalöser Vorgang, dass Jens Spahn in die Schnelltest-Verordnung keinen Kontrollmechanismus eingearbeitet hat.“ Auch Rohde sprach sich dafür aus, die Verordnung zu stoppen und zu überarbeiten.

toh