Tausende Palästinenser beteiligen sich an Massenprotesten gegen Israel

Demonstranten an der israelischen Grenze

Im Gazastreifen haben sich am Freitag tausende Palästinenser an Massenprotesten gegen Israel beteiligt. Die Demonstranten zogen in einem Marsch zur israelischen Grenze, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Einige Demonstranten liefen bis auf wenige hundert Meter an den schwer bewachten Grenzzaun heran.

Anlass für den Protest ist der sogenannte "Tag des Bodens" am 30. März, der an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels im Jahr 1976 erinnert.

Israel bezeichnete die geplanten Proteste am Donnerstag als "Provokation" und kündigte an, von seinem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen. Das Militär wurde angewiesen, die Demonstranten unbedingt daran zu hindern, den Grenzzaun zu überwinden. An der Grenze wurden Panzer und Scharfschützen postiert.

Bereits vor Beginn der Proteste hatten israelische Soldaten am Freitagmorgen einen Palästinenser getötet, der sich dem Grenzzaun genähert hatte. Wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte, wurde ein 27-jährige Bauer in der Nähe von Chan Junis im Süden des Palästinensergebiets durch Artilleriebeschuss getötet. Ein weiterer Bauer sei verletzt worden. Nach Angaben von Augenzeugen hatte der Bauer auf seinem Land nahe der israelischen Grenze gearbeitet.

Ein Sprecher der israelischen Armee bestätigte den Angriff. Seinen Angaben zufolge hatten sich im Süden des Gazastreifens zwei "Verdächtige" dem Grenzzaun genähert und sich dort "verdächtig verhalten". Ein Panzer habe daher auf die Männer geschossen.

Der Protestmarschmarsch am Freitag ist der Auftakt für Proteste, die sich bis Mitte Mai hinziehen sollen. Die Palästinenser wollen entlang der Grenze hunderte Zelte aufstellen, um für ein Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge zu demonstrieren. Die Zelte sollen bis zum 70. Jahrestag der "Nakba" am 15. Mai stehen bleiben. Mit "Nakba" (Katastrophe) bezeichnen die Palästinenser die Flucht und Vertreibung von Palästinensern im Zuge der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948.

Für zusätzliche Spannungen sorgt die ebenfalls für Mitte Mai geplante Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem. Die Palästinenser betrachten den Ostteil der Stadt als Hauptstadt ihres angestrebten eigenen Staates und sind deshalb über die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump aufgebracht, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen.