Tausende Hilfsarbeiter aus der Türkei sollten das deutsche Flughafen-Chaos beenden – laut zuständigem Verband ist bisher nur einer einsatzbereit

Ein Arbeiter hebt im Gepäckverteiler des Flughafens Stuttgart einen Koffer von einem Gepäckband.  - Copyright: picture alliance/dpa | Marijan Murat
Ein Arbeiter hebt im Gepäckverteiler des Flughafens Stuttgart einen Koffer von einem Gepäckband. - Copyright: picture alliance/dpa | Marijan Murat

An diesem Montag beginnen in Bayern auch im letzten Bundesland die Sommerferien. Erst wenige Tage zuvor sind sie in Rheinland-Pfalz, im Saarland, Hessen und Baden-Württemberg angelaufen. Auf viele Flughäfen dürfte damit erneut eine große Reisewelle zukommen und die Frage, wie sich hohe Passagierzahlen trotz Personalnot bewältigen lassen.

Ursprünglich sollten bis zu 2000 türkische Saisonfachkräfte das fehlende Personal an deutschen Flughäfen ausgleichen, und zwar für maximal drei Monate. Doch der Plan geht nicht überall auf.

So haben einige Flughäfen ihre Anfragen nach Personal aus der Türkei schon wieder zurückgezogen. Übrig geblieben sind die Anfragen der Flughäfen München, Nürnberg und Frankfurt. Dort hätten die Bodenverkehrsdienstleister rund 200 der angekündigten Aushilfskräfte aus der Türkei angefordert, sagte der Chef des Arbeitgeberverbandes ABL, Thomas Richter. Bis vor wenigen Tagen waren es noch knapp 500.

Doch woran liegt das?

Unter rund 200 Saisonfachkräften wurde erst in einem Fall die Sicherheitsüberprüfung genehmigt

Für die sinkende Nachfrage hat Richter mehrere Erklärungen: "Viele Flughäfen rekrutieren inzwischen selbst und sind damit mehr auf unsere Agenturen in der Türkei angewiesen", so Richter. Andere Flughäfen hätten ihre Anfragen zurückgezogen, nachdem klar geworden sei, dass es sich bei den Saisonkräften vor allem um 'helfende Hände' für das Gepäck handele, aber weniger um hoch qualifiziertes Personal.

Ein weiterer entscheidender Punkt sind die langen Sicherheitsüberprüfungen durch die Luftsicherheitsbehörden der Länder. Denn für einen Job am Flughafen müssen sich die türkischen Mitarbeiter einer sogenannten Zuverlässigkeitsüberprüfung (ZÜP) unterziehen. Je nach Behörde kann diese Prüfung der Bewerberunterlagen gleich mehrere Wochen dauern. Laut Richter gibt es unter den aktuell rund 200 angefragten türkischen Saisonkräften gerade mal eine genehmigte ZÜP für Nürnberg, als ein türkischer Hilfsarbeiter. 70 Anträge seien noch in Prüfung und rund 100 Anträge in der Pipeline.

Die ZÜP ist jedoch nur der Anfang des Rekrutierungsprozesses für das türkische Flughafenpersonal. Im Anschluss müssen außerdem die Visaverfahren eingeleitet werden und eine fachliche Eignungsprüfung stattfinden, bei der die nötigen Deutschkenntnisse abgefragt werden. Dabei kommt es bei maximal drei Monaten Einsatzzeit der türkischen Aushilfen auf jede Woche an: "Der Prozess bis zur Einstellung der türkischen Saisonkräfte dauert so lang, dass jeder Tag schmerzt, an dem sie nicht arbeiten können", sagte Richter. Wenn bis August niemand arbeiten könne, brauche man die türkischen Saisonfachkräfte an den Flughäfen nicht mehr. Für manche Anbieter käme die Unterstützung dann zu spät.

Für einige Dienstleister sind die Kosten für die Neueinstellung türkischer Fachkräfte zu hoch

Neben den bürokratischen Hürden scheinen aber auch finanzielle Fragen eine große Rolle bei der Einstellung türkischer Saisonkräfte zu spielen: Laut eines Dienstleisters in Düsseldorf würde die türkische Firma, die rund 2000 Fachkräfte versprochen hatte, pro Kopf eine vierstellige Provision verlangen, berichtet der "WDR". Zudem müssten darüber hinaus zusätzlich mehrere Tausend Euro für Schulungen aufgewendet werden. Auch die Kosten für die dreimonatige Unterkunft der Arbeiterinnen und Arbeiter müssten vom Dienstleister übernommen werden. Für die drei Monate, die die türkischen Fachkräfte maximal an den deutschen Flughäfen tätig werden dürfen, sei der finanzielle Aufwand unangemessen, sagte der Dienstleister dem "WDR".

Im Bundestag forderten Politiker statt der türkischen Saisonfachkräfte deshalb dauerhafte Lösungen. Die Union forderte die Regierung auf, umgehend einen "Flugreisegipfel" mit den zuständigen Ministern einzuberufen. Ein entsprechender Antrag wurde im Bundestag abgelehnt. Der Linken-Politiker Pascal Meiser forderte vor allem die Luftverkehrsunternehmen zum Handeln auf. Er sprach von einem maroden System mit miserablen Arbeitsbedingungen.

An vielen Flughäfen mangelt es an Mitarbeitern, die Flugzeuge ent- und beladen.
An vielen Flughäfen mangelt es an Mitarbeitern, die Flugzeuge ent- und beladen.

Mit Material der DPA

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.